Die Baustoffindustrie setzt weiterhin auf die Entwicklung von Gesamtlösungen und Produktinnovationen – nicht auf BIM.
Die digitale Transformation ist weltweit im Gange. In Deutschland gelang es ihr bisher jedoch nicht, in einigen Bereichen richtig Fuß zu fassen. Die Baubranche gilt seit langem als schwer digitalisierbar. Das Thema BIM ist zwar in aller Munde, allerdings gibt es in Deutschland noch kein einheitliches Verständnis davon. Der Staat als größter Auftraggeber war bisher nicht in der Lage, einen einheitlichen Weg zu weisen.
Build-Ing. sprach mit Immobilienentwickler Christoph Gröner , Firmengründer, Namensgeber und Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe AG, über die Modernisierung der Bauwirtschaft.
Im Baugewerbe herrschen noch „Zustände wie im alten Rom“, sagt der Chef der CG Gruppe. Die Digitalisierung des Baugewerbes gehe laut Gröner zu langsam voran. Eine aktuelle Branchenstudie von BauInfConsult bestätigt dies. Demnach setzt die Baubranche weiterhin auf konservative Themen.
Markttrends 2023
Das Düsseldorfer BauInfoConsult-Institut befragte 51 Marketing- und Vertriebsverantwortliche bei Herstellern von Baustoff- und Installationsmaterial online danach, auf welche drei Trends sich die eigenen Unternehmen bis zum Jahr 2023 konzentrieren werden.

Das Ergebnis zeigt, dass für beinahe drei Viertel der Teilnehmer die Entwicklung von Gesamtlösungskonzepten am wichtigsten ist. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Produktinnovationen (61 Prozent). Die Entscheider aus der Baustoffindustrie greifen damit eher auf eine klassische Strategie zurück.
Knapp die Hälfte der Befragten gab an, sich auf Partnerschaften mit Bau-Akteuren (Planer, Verarbeiter usw.) konzentrieren zu wollen. Für rund 39 Prozent der Produzenten bleibt die Expansion in neue Märkte für das Jahr 2023 ein wichtiges Ziel. Die Trendthemen Nachhaltigkeit und BIM sind zwar medial sehr präsent, aber im Planungskanon der Hersteller weniger stark vertreten.
BIM in aller Munde, aber nicht am Bau
Lediglich jeder vierte Umfrageteilnehmer möchte das Thema Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie für die nächsten fünf Jahre miteinbeziehen. Building Information Modeling ist nur für jeden fünften Hersteller relevant.
Das Problem mit BIM ist nicht, dass die Betriebe darin keine Vorteile sehen. Sie sind sich bewusst, dass sie mit der Nutzung der Planungsmethode ein zusätzliches Wachstum sowie eine hohe Zeit- und Kostenersparnis erwarten können. Das was vielen Schwierigkeiten bereitet, sind das fehlende digitale Know-how und die hohen Investitionskosten. Wegen der aktuell hohen Auftragszahlen fehlt den Firmen zudem die Zeit, sich um die digitale Weiterentwicklung zu kümmern.
Eine staatliche Förderung von BIM ist erst für das Jahr 2020 geplant. Der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt legte Ende 2015 einen Masterplan Bauen 4.0 vor, um die Digitalisierung voranzutreiben. Die Initiative „planen-bauen-4.0“ wurde ins Leben gerufen.
„Die Plattform soll maßgeblich dazu beitragen, dass modernstes Digitales Bauen in allen Bereichen zum Standard wird. Wir werden Planen und Bauen mit BIM für unsere Infrastrukturprojekte ab 2020 verbindlich machen“, sagte der ehemalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt.
Lesen Sie hier das vollständige Interview mit Immobilienentwickler Christoph Gröner über den Modernisierungsdruck in der Baubranche.