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29.03.2021 | Verena Gibson

Culture eats BIM strategy for breakfast

BIM richtig aufsetzen (3/4)

Warum die BIM-Implementierung als Transformationsprozess angesehen werden sollte.

In den vergangenen Monaten bei vrame durfte ich zahlreiche Bauherren strategisch bei der Implementierung der BIM-Methode beraten und begleiten. Meine Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich bis jetzt gesammelt habe, könnte die Aussage von Peter Drucker nicht besser treffen: „Culture eats strategy for breakfast.“

Aus seiner Perspektive war die Strategie für ein Unternehmen nicht unwichtig. Jedoch braucht es auch eine starke und befähigende Kultur, um die Strategie umzusetzen und letztendlich gemeinsam einen Unternehmenserfolg sicherzustellen. Im Kontext von BIM sehe ich auch, wie stark die erfolgreiche Implementierung von den Mitarbeitenden abhängig ist. Eine große Rolle spielt dabei für mich die Zusammenarbeit und Kommunikation.

Warum sollte die BIM-Implementierung als Transformationsprozess angesehen werden?

BIM ist ein Teil der Digitalisierung in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Um BIM und die Digitalisierung erfolgreich zu machen, braucht es aus meiner Sicht vor allem ein Verständnis für die Methode und die Veränderung der Haltung von Mitarbeitenden, unabhängig von der Hierarchie- und Abteilungsebene. Die BIM-Implementierung daher als Transformationsprozess anzusehen, ist nach meinen Erfahrungen heraus unerlässlich, um diese erfolgreich zu machen.

Unternehmen brauchen neben einer BIM-Strategie auch ein Konzept zur Umsetzung

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine BIM-Strategie entwickelt, und daraus sind Auftraggeber-Informations-Anforderungen (AIA) erstellt worden. Meist wurden diese nicht von Ihnen selbst erstellt, sondern von externen Beratern. Und nun?

Die ersten Projekte werden ausgeschrieben. Es entstehen Rückfragen und Diskussionen auf Seiten der Projektleiter und Planenden. Zum Beispiel hinsichtlich der Nutzung von Projektplattform und Kollaborationsplattform. Oder Sie haben Leistungen einer BIM-Gesamtkoordination beim Objektplaner ausgeschrieben, dieser möchte jedoch die im AIA definierten Leistungen nicht erbringen. Was nun?
Es wird wieder beraten, wie die Umsetzung erfolgen kann, und es entstehen erste Unsicherheiten, was getan werden soll. Es wird teilweise auch Zeit bei Vertragsverhandlungen verloren, und zum jetzigen Zeitpunkt sind oft die aufgerufenen Honorare nicht transparent. Womöglich ist dies auch der Reife auf Planenden- oder Bauherrenseite geschuldet.

Ohne die Implementierung weiterzudenken, fehlt das Konzept zur Umsetzung. Ein solches Konzept unterstützt alle Mitarbeitenden im Unternehmen, die BIM-Strategie umzusetzen. Beispielweise könnte hierfür ein eigenes Kommunikationskonzept für die interne Vermittlung der BIM-Strategie herangezogen werden. Ohne die BIM-Strategie und deren entsprechende neu entstandene BIM-Anforderungsdokumente, die nun in die Projekte getragen werden müssen, auch intern an alle Mitarbeitenden zu kommunizieren, wird eine Umsetzung dessen wohl scheitern.

InformationsmanagerIn: gut für die Kommunikation von BIM-spezifischen Informationsbedürfnissen

Je nach Größe des Unternehmens bietet es sich für den Transformationsprozess an, eine neue Rolle zu etablieren: den/die InformationsmanagerIn.  Die Hauptaufgabe liegt bei der internen und externen Kommunikation der Informationsbedürfnisse der Mitarbeitenden im Unternehmen und berücksichtigt die entsprechenden BIM-spezifischen Anforderungen. Längst geht es nicht mehr nur allein um BIM im Bereich des Planens und Bauens. BIM2FM (BIM, d. h., Modelle und die Informationen für den Betrieb nutzbar zu machen) wird immer relevanter. Dies erkennt man aus meiner Sicht an den derzeit diskutierten Themen in der Bau- und Immobilienwirtschaft – der digitale Zwilling oder das Common Data Model.

Der Digitale Zwilling ist inzwischen in den Fachmedien weitestgehend vertreten. Ebenso werden an den Digitalen Zwilling große Erwartungen gestellt, unabhängig davon, ob dieser nun ein Bauwerksmodell oder ein Common Data Model ist. Der/die InformationsmanagerIn wird zukünftig fach- und abteilungsübergreifend für das Management der Informationsbedürfnisse der einzelnen Stakeholder eines Unternehmens verantwortlich sein und sicherstellen, dass alle Beteiligten in den Informationsfluss einbezogen sind.

Informationsmanager dringend suchen! – mediative Skills gewünscht

Bisher ist mir noch kein(e) InformationsmanagerIn in der Bau- und Immobilienwirtschaft begegnet. Oft sind BIM-Manager auf Bauherrenseite bereits etabliert. Diese richten jedoch meist den Fokus auf das Planen und Bauen. Die Herausforderungen liegen aus meiner Perspektive darin, alle Stakeholder in den Bereichen des Betreibens, z. B. Instandhaltung und Vermietung, und deren Informationsbedürfnisse in den digitalen Prozess mit einzubinden. Aus meiner Wahrnehmung heraus greift das bisher zu kurz, da der Fokus mehr auf dem Planen und Bauen und weniger auf dem lebenszyklusbegleitenden Informationsmanagement liegt. Das Potenzial von BIM und der Digitalisierung wird nicht entdeckt oder ist noch nicht entdeckt worden.

Ich würde mir einen ganzheitlichen Ansatz wünschen: ein(e) InformationsmanagerIn mit mediativen Skills. Durch die BIM-Implementierung werden bestehende Strukturen, Prozesse und Technologien hinterfragt. Ganzheitlich gedacht geht es an den Kern und somit um die Wertschöpfung eines Unternehmens, um die Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft sicherzustellen. So gesehen geht es um die Veränderung, um einen Transformationsprozess. Da ich nun nicht nur Beraterin, sondern auch Mediatorin bin, kommt mir diese Sichtweise auf BIM und die Digitalisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft oft zu kurz.

Die zahlreichen Konflikte, die während der BIM-Implementierung entstehen, gilt es gut zu begleiten. Da sind mediative Skills aus meiner Perspektive unerlässlich. Mediative Skills sind für mich:

  • Unparteiisch hinsichtlich des abteilungsübergreifenden Informationsmanagements
  • Sehr gute Kommunikationsfähigkeit
  • Sehr gute Moderationsfähigkeiten
  • Hohe soziale Kompetenz

Was hat das Informationsmanagement mit Konfliktmanagement somit auch mit Mediation gleich?

Ein lebenszyklusbegleitendes Informationsmanagement in einem Unternehmen betrifft nicht nur eine Abteilung oder einen kleinen Teil der Mitarbeitenden. Aus der Perspektive eines bestandshaltenden Bauherren ist die ganze Organisation daran beteiligt. Begonnen mit der Projektentwicklung über das Projektmanagement bis hin zur kaufmännischen Abteilung, dem Einkauf und der Verwaltung sind zahlreiche verschiedene Abteilungen und Mitarbeitende involviert, die jeder für sich ein individuelles Informationsbedürfnis hat.

Gemeinsam ist allen das Objekt, das Gebäude oder der Raum einer Mietereinheit. Unterschiedliche Sichtweisen sind daher vorprogrammiert und daraus entstehen meist die Konflikte. Welche Informationen sind essenziell, wie sollen diese gepflegt werden, von wem und in welchem System?

Wie in der Mediation gilt es, dass der/die InformationsmanagerIn unparteiisch ist und alle Perspektiven versteht bzw. dazu beiträgt, dass alle Beteiligten die Sichtweisen des jeweils anderen besser verstehen können. Man könnte auch sagen, dass somit ein eigener gemeinsamer Sprachraum aller Stakeholder entsteht. Aus meiner Sicht wird dadurch Transparenz geschaffen, und eine andere Zusammenarbeit entsteht. Wissen und Erkenntnisse werden hierarchie- und abteilungsübergreifend geteilt. Und letztendlich hoffentlich immer mit dem Ziel, zum Unternehmenserfolg und somit auch zur Implementierung von BIM beizutragen.

Bild: vrame Consult GmbH/jozefmicic_stock.adobe.com/HUSS-MEDIEN GmbH

Die beiden größten Hindernisse auf dem Weg BIM und die Digitalisierung erfolgreich zu machen

Kein Konzept für die Umsetzung der BIM-Strategie zu haben und der Mangel, den/die InformationsmanagerIn nicht als potenziellen Begleiter des Veränderungsprozess zu sehen, sind aus meiner Perspektive heraus die größten Hindernisse auf dem Weg der erfolgreichen Implementierung von BIM.

Beides hängt eng miteinander zusammen. In Unternehmen, die als digitale Vorreiter gelten, sind Informationsmanager willkommen. Und anderswo? Wo Informationsmanager oder ein Umsetzungskonzept zur BIM-Implementierung fehlen, lässt die erfolgreiche Implementierung auf sich warten. Noch schlimmer ist dabei, dass BIM schnell den schwarzen Peter zugeschoben bekommt. Mit Blick auf unsere derzeitige Situation sollten wir BIM aus der Innovations-Ecke holen und die Transformation einleiten: Aus dem KANN wird wohl eher ein MUSS.

Was kann oder muss man nun tun? Selbst dann, wenn Sie derzeit erfolgreich am Markt unterwegs sind: Identifizieren Sie Ihren Bedarf an Informationen, wie BIM Sie bei Ihrem Informationsmanagement und der Wertschöpfung innerhalb der Organisation unterstützen kann. Starten Sie mit einer/m InformationsmanagerIn einen Prozess, um BIM zu etablieren. Bauen Sie von innen heraus ein lebenszyklusbegleitendes Informationsmanagement auf, um das Potenzial von BIM und Digitalisierung zu heben.

Vielleicht heißt es dann bald: „Culture meets BIM strategy for breakfast“.


Lesen Sie auch:
BIM richtig aufsetzen, Teil 1: BIM-Projektdesign – Die Krise als Chance 
BIM richtig aufsetzen, Teil 2: CDE-Implementierung im Real Estate Management

© Andrey Popov/stock.adobe.com
Autor

Verena Gibson ist seit über zehn Jahren in der Bau- und Immobilienbranche tätig. Das Hauptaugenmerk ihrer aktuellen Tätigkeit als BIM-Consultant bei der vrame Consult GmbH liegt auf der strategischen Beratung zur BIM-Implementierung und der Begleitung von Transformationsprozessen auf der Bauherrenseite. Gemeinsam mit den Auftraggebern entwickelt sie BIM-spezifische Anforderungen und Leistungsbilder. (Bild: privat) vrame.com

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