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Studie zur Digitalisierung im Bauwesen

Laut einer aktuellen RICS-Studie behindern steigende Kosten und Lieferketten-Probleme die Digitalisierung sowie die Erfüllung der ESG-Ziele im Bauwesen in Europa.

Das Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS), eine Berufsorganisation für Immobilienexperten, hat erstmals eine Studie zum Thema „Digitalisierung im Bauwesen 2022“ veröffentlicht.

Bereits die Ergebnisse des RICS Global Construction Monitor (GCM) für das erste Quartal 2022 haben die akuten Probleme bei der Materialversorgung belegt. „Das Wachstumstempo im Bauwesen wird in den nächsten zwölf Monaten etwas nachlassen, da steigende Materialkosten und Materialverfügbarkeiten zunehmend als ein hemmender Faktor genannt werden, der sich auf die Marktaktivität auswirkt. So gaben 91 Prozent der Befragten weltweit an, dass diese ein Problem darstellen“, erklärt Susanne Eickermann-Riepe FRICS, Vorstandsvorsitzende der RICS Deutschland.

Daten- und Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Beteiligten über den gesamten Lebenszyklus

Für die aktuelle Studie wurden 2.500 RICS-Mitglieder befragt. Der Bericht untersucht zudem, wie zukunftsgerichtete Methoden – wie BIM und digitale Zwillinge – in den Unternehmen eingesetzt werden, und befasst sich mit deren aktueller Nutzung, den daraus resultierenden Verbesserungen und den Herausforderungen, die Unternehmen von Fortschritten abhalten.

Während die Unternehmen versuchen, sich an die aktuellen weltweiten Herausforderungen anzupassen, einschließlich der Verringerung der Kohlenstoffemissionen im Bausektor (~40 %), gaben fast alle Befragten (97 %) an, dass die Kosten ein mittleres bis großes Hindernis für ihre Umsetzung darstellen. Im Gegensatz zum Rest der Welt, wo der Mangel an qualifizierten Fachleuten an zweiter Stelle steht, nennen 89 % der Befragten in Europa uneinheitliche Vorgehensweisen der Lieferkettenpartner als Grund, der die Implementierung von Daten und Technologien behindert. Ein Mangel an qualifizierten Fachkräften wurde von 87 % der Befragten als Hindernis genannt.

Daten- und Informationsaustausch zwischen Beteiligten überngesamten Lebenszyklus

Die Unternehmen nutzen Daten in großem Umfang, um Fortschritte zu überwachen sowie Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden bei allen oder den meisten ihrer Projekte zu verbessern. 36 % der Befragten gaben an, dass dies eine der wichtigsten Möglichkeiten ist, Daten und Technologie im Bausektor zu nutzen. Kostenschätzung, -vorhersage, -planung und -kontrolle sind die wichtigsten Bereiche, in denen Unternehmen Daten nutzen (40 %). Am anderen Ende der Skala gaben jedoch nur 21 % der Befragten an, dass sie Daten und Technologien zur Messung des CO2-Fußabdrucks und zum Benchmarking und zur Berichterstattung über alle oder die meisten ihrer Projekte nutzen, und nur 20 % nutzen sie zur Planung und Messung von sozialen Auswirkungen.

Mehr als die Hälfte der Befragten tauschen ihre Daten zur Kostenschätzung aus, und fast 40 % übertragen ihre Daten und Informationen zu den Bereichen Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden. Allerdings tauscht nur ein Fünftel der Befragten Informationen über die Kohlenstoffemissionen im Lebenszyklus aus.

Die Studie belegt die Fortschritte, die gemacht wurden, unterstreicht aber auch die Notwendigkeit weiterer Initiativen im gesamten Bausektor, um Mitarbeitende in neuen und innovativen Arbeitsmethoden zu schulen, damit die Kosten auf breiter Front gesenkt werden können, um den Klimawandel zu bewältigen.

Sektor muss schneller Vorteile von BIM und digitalen Zwillingen nutzen

„Um die tiefgreifenden Auswirkungen des Bauwesens auf unsere Welt zu bewältigen, muss der Sektor noch schneller die Vorteile von BIM und digitalen Zwillingen nutzen. Die Digitalisierung im Bauwesen nimmt weiter an Fahrt auf, aber die Einführung solcher Technologien wird durch steigende Kosten und den Mangel an qualifizierten Fachkräften gebremst. Der Sektor ist agil, doch angesichts des ständigen Kosten- und Zeitdrucks und der häufig kritisierten mangelnden Ausgaben für Forschung und Entwicklung besteht die Gefahr, dass das Bauwesen ins Hintertreffen gerät. Normen wie der RICS International Cost Management Standard 3 (ICMS 3) und Berufsverbände, die ihre Mitglieder weiterbilden, wirken zwar unterstützend, aber das Bauwesen braucht mehr Förderungen, sei es in Form von privaten Investitionen oder staatlichen Mitteln," betont Anil Sawhney, RICS Global Construction and Infrastructure Sector Lead.

"Zwar ist der Einsatz von BIM-Modellen inzwischen üblich, und die Beteiligten tauschen über den gesamten Lebenszyklus des Projektes hinweg immer mehr Informationen aus, vor allem in den Bereichen Kostenkalkulation und Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden, aber es steht noch viel auf der Agenda. Die Leistungsfähigkeit von BIM mit seinen hohen Zeit-, Kosten- und Nachhaltigkeitsdimensionen in Verbindung mit digitalen Zwillingen wird in den kommenden Jahren den größten Mehrwert bringen, sofern die Branche die richtige Förderung erhält,“ ergänzt Andrew Knight, RICS Global Data and Tech Lead.

RICS-Studie zum Thema „Digitalisierung im Bauwesen“

Bild: RICS-

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