Mit dem Entwurf will das Team von Brückner Architekten blinden Menschen einen Stützpunkt in der Region zu geben, der weit über das normale Wohnquartier hinausgehen darf.
Für sehbehinderte Menschen ist es besonders schwierig, Einrichtungen des täglichen Bedarfs zu erreichen. Im Planungsentwurf hat das interdisziplinäre Team aus Architekten, Technical Artists und Fachplanern einen Ort geschaffen, der möglichst viele Wahrnehmungsmöglichkeiten bietet, um Orientierung zu erleichtern, die weit über die funktionale Ebene hinausgeht.
Die sogenannte „Die Insel der Sinne“, ein Quartier östlich von München, sieht eine Verbindung aus Wohnen und Versorgung in einem innovativen Format vor: Neben Wohneinheiten für rund 200 Menschen sind auch Praxen, Geschäfte oder Begegnungszonen geplant. Anders als sehende Menschen nehmen Sehbehinderte zuerst die Details, die kleinen, buchstäblich begreifbaren Strukturen wahr. Das große Ganze wie zum Beispiel ein Gebäude, erschließen sie erst danach. Diesen "umgekehrten" Weg sind auch die Architekten gegangen.
Verschiedene Stationen der Wahrnehmung
In der Planung nehmen die Sinne Tasten, Hören und Riechen eine besondere Bedeutung ein. Neben dem eigentlichen architektonischen Konzept wurden daher auch Hilfsmittel wie spezielle Bodenbeläge, Treppengeländer oder akustische Maßnahmen verknüpft. Die „Inseln der Sinne“ sieht verschiedene Stationen der Wahrnehmung vor, die sich in ihrer Materialität und somit Haptik auf Grund ihres Geruches und ihrer Geräusche stark voneinander unterscheiden und damit einerseits Orientierung geben, andererseits aber auch das Erlebnis steigern.
Auf vier Inseln mit jeweils 4 – 5 Wohnwürfeln, die wie Felsen in einer Blumenwiese stehen werden, entsteht Raum, der den Bewohnern Schutz und Geborgenheit vermittelt. Neben olfaktorischen Reizen durch die üppige Bepflanzung wird auch die auditive Wahrnehmung, z.B. durch das Plätschern von Wasser angeregt. Über unterschiedlichste Materialen, z.B. Stein, Metall, Holz oder verschiedene Gräser und Moose können die taktilen Reize hergestellt werden. Darüber hinaus spielt auch die visuelle Wahrnehmung, z.B. durch Licht und Schattenreflexe eine nicht zu vernachlässigende Rolle. So entstehen Rückzugsräume und kommunikative Begegnungsflächen, die dem Bewohner, auch wenn er besonders gefordert ist, ein erfülltes Wohnen ermöglichen.