Das BCF-Format (BIM Collaboration Format) gilt ebenso wie IFC als etabliertes, offenes Format für die Kommunikation der Baupartner am Modell. In der Praxis, insbesondere bei Großprojekten, ist diese allerdings nicht immer so einfach zu bewerkstelligen. Dies zeigt sich aktuell bei der Realisierung eines Hochhauses mit 51 Etagen in der Frankfurter Innenstadt durch das Architekturbüro KSP Engel.
Zu dem mehr als 200 Meter hohen Turm zählt außerdem ein historischer, unter Denkmalschutz stehender Bestand. Dazu kommen vier bis fünf Untergeschosse, die sich in der aktiven Phase der Planung befinden. Zur interaktiven Arbeit am Modell nutzen die Projektpartner die offene Plattform Bimsync Arena von Catenda aus Norwegen. Als Gesamtkoordinator für die durchgängige BIM-Planung, die sich derzeit in Phase 3 der Entwurfsplanung befindet, fungiert BIM-Experte Benjamin Agyemang von KSP Engel.
"Im aktuellen Bauvorhaben in Frankfurt am Main gibt es derzeit 1.200 Issues, die von teilweise mehreren Partnern zu bearbeiten sind", erklärt Agyemang. "Diese Issues beinhalten Konfliktstellen im Modell oder andere Nachbesserungen oder Anpassungen, die unsere Partner vorzunehmen haben." Bei 100 solcher Issues sind bei größeren Baumaßnahmen gewöhnlich rund 40 von der TGA- oder Elektroplanung zu bearbeiten. 20 betreffen die Gesamtplanung und etwa zehn Stück sind vom Statiker zu untersuchen und entsprechend anzupassen.
„Viele dieser Issues betreffen dabei mehrere Projektbeteiligte gleichzeitig und nicht nur einen. Das bedeutet, auch sie müssen sich untereinander abstimmen. Läuft dieser komplexe Abstimmungsprozess lediglich via E-Mail ab, stehe ich als Gesamtkoordinator am Ende oft vor dem Problem, dass ich eine Vielzahl einzelner Dateien zurückbekomme, die ich so nicht mehr optimal miteinander in Verbindung bringen kann. Und ich weiß dabei oft auch nicht, welche Aufgaben tatsächlich erledigt sind und welche noch ausstehen", führt er weiter aus.
Issues direkt auf der Bimsync-Plattform bearbeiten
BCF-Dateien und Issues hin und her zu schicken, kann für die Projektbeteiligten einen sehr hohen Aufwand bedeuten. Bei Bimsync Arena entfällt dieser Versand, denn die Issues sind allesamt als BCF-Dateien auf der Plattform in der Cloud für alle zugänglich, beschreibt dies der Hersteller Catenda. Das bedeutet, dass alle Projektbeteiligten den gleichen Stand einsehen können und dass jede Aufgabe nur einmal vorhanden ist. Auf diese Weise entsteht zwischen den IFC-Teilmodellen und der zentralen BCF-Verwaltung eine "Unique Source of Truth".
Reicht ein einfacher Screenshot nicht aus, um ein Issue korrekt beurteilen zu können, besteht die Möglichkeit, direkt in das betreffende Modell zu zoomen und die problembehaftete Position von mehreren Seiten eingehend zu betrachten und zu prüfen. "Sehr praktisch ist auch, dass eine Vielzahl solcher Issues unmittelbar im IFC-Modell innerhalb von Bimsync Arena bestätigt oder abgelehnt werden kann", fügt der Gesamtkoordinator hinzu. "Nicht mehr alle Aufgaben sind innerhalb einer eigenen Autorensoftware zu korrigieren“, so Benjamin Agyemang. "Freilich sind wir hier erst in der Anfangsphase, doch bereits in diesem frühen Stadium zeigen sich signifikante Vorteile für alle Beteiligten", so der Experte abschließend.
Auch in Sachen Nachhaltigkeit setzt KSP Engel auf ein innovatives Konzept, zu dem im Vorfeld lange geforscht wurde: Mit integrierten Photovoltaikmodulen in der Fassade entsteht ein in der Größenordnung eines Hochhauses bisher einmaliges Solarkraftwerk, das die Energieversorgung des Gebäudes unterstützt.
Mit der Erteilung der Baugenehmigung wird 2022 gerechnet, die ersten Mieter sollen 2027 einziehen und die Gesamtfertigstellung des Projekts ist für Anfang 2028 geplant.