Zum Hauptinhalt springen

Studie
BIM und die SHK-Branche

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) untersuchte die Bedeutung der Planungsmethode für die Branche.

Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Munich Strategy befragte der ZVSHK 1.400 Akteure der deutschen SHKBranche: Hersteller, Handwerker und Architekten.

BIM wird sich auch in der SHK-Branche langfristig durchsetzen, so das Ergebnis der Studie. Bei der BIM-Nutzung gehört Deutschland jedoch, im Vergleich zu den westeuropäischen Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden, in denen die Planungsmethode schon weit verbreitet ist, bisher noch zu den Schwellenländern.

Bedeutung von BIM nimmt zu

Doch das wird sich schnell ändern, weiß Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer des ZVSHK. Immer mehr Auftraggeber werden auf BIM setzen. Die Nutzung von BIM könne die Gesamtkosten im Lebenszyklus um bis zu 30 Prozent reduzieren. Dabei sei dafür allerdings ein einheitliches Verständnis von BIM und darauf aufbauenden Standards zur Anwendung wichtig.

Die Studie kommt darüber hinaus auch zum Schluss, dass BIM in den einzelnen Gruppen der SHK-Branche sehr unterschiedlich behandelt und verstanden wird. Entlang der Wertschöpfungskette sinkt die Akzeptanz. 46 Prozent der Hersteller und 37 Prozent der Architekten/Planer sind nach eigener Einschätzung aktuell dazu in der Lage, nach BIM zu arbeiten. Bei den Handwerkern gaben dies nur 5 Prozent an.

Analog statt digital

Der Einsatz von BIM zur Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen und Ausschreibungen wird ab 2020 verbindlich. Die Hälfte aller Betriebe beteiligt sich heute zwar an öffentlichen Auschreibungen, jedoch nur ein Viertel der Handwerksbetriebe wurde überhaupt bereits mit BIM konfrontiert.

Alle drei Gruppen identifizierten den erhöhten Mehraufwand sowie technische Herausforderungen als die wichtigsten Gründe, BIM zu nutzen. BIM-Anwender erkennen zudem eine Steigerung der Effizienz im Vertriebs-, Planungs-, Kommunikations- und Verarbeitungsprozess.

In der SHK-Branche werden nach wie vor hauptsächlich analoge Kanäle wie E-Mail und Telefon verwendet. Lediglich 36 Prozent der Hersteller, 9 Prozent der Architekten und 18 Prozent der Handwerker nutzen plattformbasierte Funktionen wie Portale oder Ausschreibungstools, die für BIM Voraussetzung sind. Deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen zeigen sich auch bei der Frage, ob BIM die Entscheidungsprozesse in der Branche verändert. 40 Prozent der Hersteller sehen in der Planungsmethode eine Chance für neue Anbieter im Markt, bei den Architekten sind es nur 2 Prozent.

Das Fazit der Studie lautet: Im SHK-Bereich ist BIM derzeit Schlagwort und Treiber des Digitalisierungsprozesses. Digitalisierung ist aber mehr, sie verändert Rollen und Geschäftsmodelle. Man muss neue Datenpool-Modelle etablieren, die es Herstellern ermöglichen, ihre Produkte einer breiteren Zielgruppe anzubieten. Allerdings wird der Mehrwert für die Industrie gering sein, solange die Architekten an ihrem Selektionsprozess festhalten.

Chancen und Herausforderungen für Handwerker, Architekten und Hersteller

SHK-Unternehmen, die sich heute intensiv mit dem Thema BIM beschäftigen, wahren ihre Chance, an der zukünftigen Entwicklung erfolgreich zu partizipieren. Laut Studie wird sich das Wettbewerbsumfeld für die restlichen Akteure mittelfristig stark verändern. Zwangsläufig werden sie sich auf Teilsegmente des Marktes wie den privaten Wohnbau sowie Renovierungs- und Reparaturarbeiten konzentrieren müssen, da dort BIM zunächst noch keine Rolle spielen wird. Die Studie entwirft das Szenario, dass bis zum Jahr 2030 75 Prozent aller Bauvorhaben nach BIM umgesetzt werden, da neben dem öffentlichen Bereich auch große gewerbliche Investoren BIM einfordern werden.

Sämtliche Akteure entlang des Wertschöpfungsprozesses müssen sich vernetzen und die Arbeitsabläufe integrieren. Nur so stellen sich auf allen Ebenen Effizienzsteigerungen ein. Für jede Gruppe der Branche wurde in der Untersuchung ein zukünftiges Rollenverständnis ausgearbeitet.

Die Hersteller werden zum „Datenlieferanten“ und stellen die relevanten Daten in passender Qualität und Struktur für die jeweilige Zielgruppe bereit. Als „Gatekeeper“ halten die Architekten den Planungsprozess für alle Teilnehmer entlang der Wertschöpfung offen und fordern auf beiden Seiten datenbasierte Kommunikationsprozesse ein. Zum „Anwender“ werden die Handwerker. Sie erweitern ihr Verständnis von der Nutzung durchgängiger Daten sowie ihr Verständnis für die eigenen Betriebsprozesse und integrieren die notwendige Software in ihren Arbeitsalltag.

Der ZVSHK führte 2017 das Portal Open Datapool ein und legte damit die Grundlage zur Nutzung von BIM im SHK-Handwerk. Architekten, Planer und SHK-Handwerk können das Portal unter www.open-datapool.de kostenlos nutzen.

Chancen und Herausforderungen für die SHK-Branche

Die Durchdringung mit BIM unterscheidet sich deutlich zwischen den einzelnen Gruppen der SHK-Branche ( Bild: ZVSHK / Munich Strategy Research)

Diesen Artikel teilen
Anzeige