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Jürgen Winkler

"Wir brauchen ein Umdenken in der Planungskultur"

Deutsches Vergaberecht und BIM

Irgendwann fängt jeder an, auch mit BIM – aber wie? Wir sprachen mit Prof. Benedikt Schulz und Taina Puyn vom Architekturbüro Schulz und Schulz über ihre ersten Schritte mit BIM, das Pilotprojekt Deutsche Botschaft in Wien und ein Problem des deutschen Vergaberechts.

Build-Ing.: Seit wann arbeiten Sie mit BIM?

Prof. Benedikt Schulz: Es ist nicht so, dass man montags durch die Tür kommt und sagt, ab heute machen wir BIM. Das ist ein schleichender Prozess. Das muss sich aus dem Workflow des Büros ergeben. So war es zumindest bei uns, und darüber bin ich sehr glücklich, weil es eine gewisse Effizienz erzeugt.

Wir hatten schon vor 20 Jahren 3D-Projekte. Bei Wohnungssanierungen haben wir versucht, in 3D zu arbeiten, damals mit Microstation und dem Speedikon-Aufsatz. Das war aber bei dem Projekttempo, dass wir absolvieren mussten, nicht zu machen. Wir sind dann zu AutoCAD gewechselt, und irgendwann kamen Absolventen zu uns, die mit ArchiCAD zeichneten. Die wollten uns von ArchiCAD überzeugen. Wir haben eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile von AutoCAD und ArchiCAD gemacht und einige Lizenzen für ArchiCAD angeschafft.

Taina Puyn: ArchiCAD überwiegt inzwischen bei uns. Alle neuen Projekte, die wir beginnen, werden mit ArchiCAD gezeichnet.

Prof. Benedikt Schulz: Als nächstes merkten wir, dass manche Mitarbeiter still und leise begannen, ihr Projekt in 3D aufzubauen, weil sie der Meinung waren, dass sie davon Vorteile haben. Und nicht, weil ich gesagt habe: Jetzt musst du unbedingt 3D machen. Wir haben dann sehr schnell die Vor- und Nachteile gesehen. Die große Schwäche bei 3D ist immer noch das Generieren von Aufrissen aus den Modellen, insbesondere die Nachbearbeitung der Schnitte.

Taina Puyn: Die automatisch generierten Grundrisse und Schnitte so auf den Plan zu bekommen, dass sie unserem Bürostandard entsprechen, ist schwierig. Man ist dabei vom Programm abhängig. Vor allem die Anpassung der Schnitte an unsere Darstellungsstandards ist noch mit viel Aufwand verbunden.

Prof. Benedikt Schulz: Parallel zu dieser Entwicklung im Büro entstanden Kontakte über die Universität [Prof. Schulz lehrt an der Technischen Universität Dortmund – die Red.]. Dort gibt es eine gemeinsame Fakultät mit den Bauingenieuren. Die Bauingenieure sprachen viel früher von BIM als die Architekten. Daraus entstand unsere erste Beschäftigung mit dieser Thematik. In diesem Zusammenhang ergab sich ein intensiver Kontakt zu Graphisoft. Der führte dazu, dass wir einen sehr guten Support erhielten. Sie hatten gemerkt, dass wir Probleme aufspüren, die ihnen bei der Entwicklung weiterhelfen.

In dieser Gemengelage kam es zum Gewinn des Wettbewerbs für den Bau der Deutschen Botschaft in Wien. Bei der Ausstellungseröffnung nach dem Wettbewerb fragte mich die Präsidentin des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Petra Wesseler, ob wir uns vorstellen könnten, die Botschaft in Wien im Rahmen eines BIM-Pilotprojektes zu planen. Weil wir neugierig sind und BIM ausprobieren wollten, aber uns nicht selbst aufzwingen, sondern lieber an einem konkreten Projekt, habe ich sofort zugesagt – ohne zu wissen, was auf uns zukommt. Aber mit dem BBR haben wir einen professionellen Auftraggeber an unserer Seite, der keine Bestellung nach dem Motto aufgegeben hat: Macht mal, ihr wisst schon, wie das geht. Vielmehr gab es den notwendigen Freiraum, sich gemeinsam der Thematik zu nähern und ergebnisoffen die beste Lösung für das ganz konkrete Projekt zu definieren.

Taina Puyn: Das Ziel dieses Pilotprojekts besteht auch darin, den Arbeitsprozess zu optimieren. Der Bauherr hat schon eigene Vorstellungen und Vorgaben. Wir stehen aber ständig mit ihm in Kontakt und sprechen darüber, ob diese in der Form umsetzbar sind und wo es Schwierigkeiten gibt. Dabei wird der Prozess laufend optimiert.

   Entwurf der Deutschen Botschaft in Wien (WB-Perspektive) – Bild: Schulz und Schulz

Build-Ing.: Der Bauherr ist die Bundesrepublik Deutschland?

Prof. Benedikt Schulz: Ja, vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Das BBR ist die Behörde, die in Deutschland alle Bundesbauten errichtet. Zum BBR gehört das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Am BBSR sind mehrere Forschungsprojekte angegliedert, die auch unsere Arbeit auswerten. Das Referat A5 „Baufachliche Software, Baudokumentation“ im BBR beschäftigt sich mit BIM, Software, CAD usw. Dort wurde ein BIM-Leitfaden erstellt …

Build-Ing.: … für deutsche Architekten?

Prof. Benedikt Schulz: Nein, ein Leitfaden speziell für das Pilotprojekt Deutsche Botschaft Wien. So muss das auch sein, ohne einen BIM-Leitfaden geht es einfach nicht. Wir erhielten ihn in der Rohfassung und konnten unsere Erfahrungen aus der Planung und Realisierung großer öffentlicher Bauprojekte einbringen. Da saßen der Bauherr, alle Fachplaner und wir einen ganzen Tag lang an einem Tisch. Wir diskutierten gemeinsam und erkannten Probleme, die wir beseitigen mussten.

Taina Puyn: Ich denke, dass der Leitfaden später auch für andere Projekte des Bundes angewandt wird. Oder dass das BBR für seine Bauprojekte einen allgemeinen BIM-Leitfaden herausgibt, der auf den Erfahrungen mit dem BIM-Projekt in Wien beruht.

Build-Ing.: Ist es üblich, dass der öffentliche Bauherr einen BIM-Leitfaden für sein Projekt erstellt?

Prof. Benedikt Schulz: Nein, nicht jede Baubehörde einer Stadt kann das leisten. Das BBR als eine der größten Baubehörden in Deutschland ist entsprechend professionell aufgestellt. Die haben mit dem Referat A5 eine eigene Abteilung, die sich damit beschäftigt.

Build-Ing.: War es schwer, für die das Wiener Projekt Fachplaner zu finden, die mit BIM arbeiten?

Prof. Benedikt Schulz: [lacht] Die Frage ist doch: Was ist BIM? Ich war schon auf so vielen Veranstaltungen, wo Leute im Podium saßen und viel Nebulöses erzählt haben. BIM ist doch nichts anderes, als ein 3D-Modell zu haben und in einem 3D-Modell alle Planungen zusammenzuführen. Das ist für mich der Grundgedanke. Oder?

Taina Puyn: Ja.

Prof. Benedikt Schulz: Das bedeutet doch nur, dass die Planer erst mal in der Lage sein müssen, 3D zu planen. Große Haustechnikbüros haben früher mit 3D begonnen als Architekten. Mit dem Tragwerksplaner, mit dem wir in Wien zusammenarbeiten, hatten wir vorher schon bei einem Projekt in Wolfsburg gearbeitet. Als er merkte, dass wir in 3D planen, hat er gesagt, das mache ich auch. Wir haben damals schon die Modelle ausgetauscht. Ohne IFC-Schnittstelle, aber irgendwie haben wir das hinbekommen. Auch für den Tragwerksplaner ist das Arbeiten in 3D Standard.

Taina Puyn: Das 3D-Bauen an sich ist ja nicht die Schwierigkeit, das lernt man schon beim Studium an der Uni. Auch die Haustechniker können mit 3D arbeiten. Die Schwierigkeit besteht in den Strukturen. Wir planen mit Open BIM. Dafür muss man Strukturen finden, mit denen alle Programme zurechtkommen, damit später jeder Beteiligte mit den Modellen etwas anfangen kann. Das war zu Beginn noch schwierig.

Build-Ing.: Wegen der Datenübergabe? Mit IFC sind nicht alle glücklich.

Taina Puyn: Mit IFC gibt es keine Probleme, wenn gewisse Regeln eingehalten werden, wie z. B. ein Einfügepunkt oder eine Geschossstruktur. Das muss überall gleich sein, damit es im eigenen Programm unverändert erscheint. Wenn diese Strukturen eingehalten werden, gibt es beim Austausch über IFC keine Datenverluste.

Build-Ing.: Wer legt die Regeln fest?

Taina Puyn: Dafür gab es bei uns den vorhin angesprochenen Workshop. Wir haben alle gemeinsam beraten, was wir festlegen müssen, damit der Datenaustausch funktioniert.

Build-Ing.: BIM ist ohne straff organisierten Workflow nicht denkbar?

Taina Puyn: Es vereinfacht die Sache, wenn sich bei BIM alle an die festgelegten Vorgaben halten.

Build-Ing.: Eine zentrale Position im Workflow nimmt der BIM-Manager ein. Wie wird man BIM-Manager?

Prof. Benedikt Schulz: [lacht] Ich finde, das sind alles so hochtrabende Begriffe. Nur weil ich für einen Wettbewerb mal einen Geistesblitz habe, bin ich ja kein Ideen-Manager. Das ist total überzogen. Ich vergleiche das immer mit der Zeit, als CAD eingeführt wurde. Was waren alle hysterisch. Lehrstühle für CAD wurden eingerichtet. Gucken Sie sich heute an, wo diese Lehrstühle sind – die gibt’s eigentlich nicht mehr. Dasselbe passiert gerade mit BIM. Da gibt es eine viel zu große Hysterie. BIM kommt von ganz allein.

Build-Ing.: Sie wirken sehr entspannt.  

Prof. Benedikt Schulz: Man muss wegen BIM nicht nervös werden. Damals bei CAD gab es den CAD-Administrator. Fragen Sie mal heute in den Büros, wo der CAD-Administrator ist. In zehn Jahren arbeiten vielleicht alle mit BIM, aber dann ist BIM nichts anderes als Planen. Heute plane ich und arbeite eventuell beim Planen mit BIM. Irgendwann verschmelzen diese Dinge. Dann wird niemand auf die Frage, was man als Architekt macht, antworten: Ich bimme Häuser. Nein, ich plane Häuser, und ich plane sie mit diesem Werkzeug. Dann verschwinden diese Begriffe wieder. Das sind Erfindungen der Projektsteuerer-Riege: BIM-Manager, BIM-Koordinator. Alles Kokolores. BIM ist ein Planungswerkzeug, mehr nicht.

Build-Ing.: Arbeiten die Planer mit Ihnen in einem gemeinsamen 3D-Modell?

Taina Puyn: Wir schicken unser 3D-Modell an die Planer, daran orientieren sie sich. Sie arbeiten aber nicht in diesem Modell, sie schicken uns ihr eigenes 3D-Modell zurück. Das wird bei uns mit Solibri zu einem Koordinationsmodell zusammengeführt und auf Kollisionen geprüft. Das ist in diesem Workflow der Unterschied zum bisherigen Arbeiten mit den 3D-Modellen der Fachplaner. Vorher hat man sie sich angesehen und auch mal ins eigene Modell importiert. Jetzt werden die Modelle mit entsprechender Software nach festen Regeln geprüft, um Fehler zu finden.

Build-Ing.: Am Ende übergeben Sie das fertige 3D-Modell an den Bauherren, und er arbeitet mit dem Modell weiter.

Taina Puyn: Das ist der Plan.

Build-Ing.: Der Plan ist auch, dass das 3D-Modell über die gesamte Lebensdauer eines Hauses genutzt werden soll, von Planung und Errichtung über Immobilienverwaltung und Facility Management bis zu Abriss und Entsorgung nach 60 oder 80 Jahren.

Prof. Benedikt Schulz: Da liegt ein ganz zentrales Problem, und ich begreife nicht, dass dieses Problem nicht viel intensiver diskutiert wird. Wir planen mit unserem Büro fast ausschließlich öffentliche Bauten. Der Planungsprozess bei öffentlichen Bauten wie Schulen oder Kindergärten funktioniert in Deutschland so: Sie planen, und dann schreiben Sie aus, VOB/A [Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Teil A – d. Red.]. Sie schreiben produktneutral aus. Dann werden Firmen beauftragt, und viele von ihnen müssen für den Teil ihrer Leistung eine Werk- und Montageplanung liefern.

Angenommen, Sie haben produktneutral eine Glasfassade ausgeschrieben, und Sie erhalten die Werk- und Montageplanung. Darin ist aber der Hersteller für die Glasfassade festgelegt, ob Schüco oder Raico oder ein anderer. In der Haustechnik passiert dasselbe, z. B. bei der Lüftung.

Build-Ing.: Warum ist das ein Problem?

Prof. Benedikt Schulz: Hier gibt es einen großen Graben, den man mit BIM allein nicht überspringen kann. Ich habe mein BIM-Modell in der Leistungsphase 5. Darin sind alle technischen Anlagen enthalten. Ich nehme eine produktneutrale Glasfassade, in der ich womöglich die Profile von Schüco einsetze, oder ich wähle Türen von Hörmann aus – aber der Auftragnehmer baut mit einem anderen Produkt. Es ist bisher im Planungsprozess und in der Honorarordnung nicht vorgesehen, dass ich meine Ausführungsplanung auf die Werk- und Montageplanung der Firmen aktualisiere. Natürlich muss ich meine Ausführungsplanung fortschreiben, aber nicht in der Intensität, dass ich die Planung der Firmen in mein Modell zurückführe. In diesem Moment verringert sich der Nutzen des Modells drastisch. Das ist ein Riesenproblem.

Build-Ing.: Ist das ein BIM-typisches Problem?

Prof. Benedikt Schulz: Das liegt am deutschen Vergaberecht. In Norwegen funktioniert BIM viel besser. Die Norweger schreiben früher aus. Bei öffentlichen Bauten schreiben sie oft nicht gewerkeweise aus, sondern auf der Basis der Entwurfsplanung. Dann ist die Ausführungsplanung Bestandteil der Auftragnehmerleistung. Dadurch kann sich der Auftragnehmer ein Entwurfsmodell nehmen und in der Ausführungsplanung an die Produkte anpassen, die er verwenden will. Ohne diese Rückführung der detaillierten Informationen ist dieser ganze Traum, der nach der Leistungsphase 6 kommt und von dem immer wieder in den Artikeln über BIM geschrieben wird, wirklich nur ein Traum. Aktuell kann er in Deutschland nicht Realität werden, es sei denn, der öffentliche Bauherr sagt, ich bezahle dir die komplette Überarbeitung deiner Werkplanung mit Integration dieser Produkte. Das würde aber keiner machen, das wäre ein Wahnsinnsaufwand.

Build-Ing.: Generieren Sie die Ausschreibung aus dem BIM-Modell?

Prof. Benedikt Schulz: Ja, aber die Rückkopplung vom Auftragnehmer in meine Planung kann aktuell nicht stattfinden. Das bedeutet, dass ich einen Großteil der Informationen aus dem BIM-Modell für die Fertigstellungsphase oder Inbetriebnahmephase nicht nutzen kann. Ich habe im Modell z. B. eine Tür. Wenn der Facility Manager später feststellt, dass an der Tür die Klinke kaputt ist, weiß er aus dem Modell nicht, was das für ein Produkt ist.

Build-Ing.: Aber gerade Facility Manager und Verwalter großer Immobilienbestände warten darauf, dass ihre Arbeit durch BIM effektiver und kostengünstiger wird.

Prof. Benedikt Schulz: Absolut korrekt. Wenn die ganze Bimmerei einen Sinn ergeben soll, dann muss es bis dahin gehen. Dann muss der Gesetzgeber dieses Problem lösen. Die Trennung von Planung und Bauen ist ja ein Grundsatz in Deutschland. Das impliziert die produktneutrale Ausschreibung. Es gab schon mal eine Phase, in der Sie Produkte in der Ausschreibung benennen durften. Das nützt Ihnen aber nichts, denn Sie benennen ein konkretes Produkt, und der Auftragnehmer nimmt ein anderes Produkt. Dann können Sie Ihre ganze Planung wegwerfen. Das hat ja enorme Auswirkungen, wenn Sie sich überlegen, dass z. B. ein Neubau wie der Bundesnachrichtendienst in Berlin ca. 14.000 Fenster hat.

Build-Ing.: Gibt es dafür eine Lösung?

Prof. Benedikt Schulz: Ich glaube, man muss über diesen Graben kommen. Das erfordert aber ein völliges Umdenken in der deutschen Planungskultur. Vielleicht ist das gar nicht mit unserer Marktwirtschaft vereinbar. Sie müssten sich ja in der Ausführungsplanung überlegen, von wem Sie das Fenster nehmen. Oder es müsste Teil der Planungsleistung werden: Überarbeitung der Ausführungsplanung mit Integration der Werk- und Montageplanung der Auftragnehmer. Dann könnte es funktionieren. Da setzt man dann jemand dran, der wochenlang die ganzen Informationen einpflegt. Denn Sie müssen sich überlegen, von welchen Datenmengen wir reden. Wir reden nicht nur über die Tür, sondern auch über die Türklinke, die Rosette, die Bänder – wir reden über eine gigantische Informationsdichte.

Build-Ing.: Wird darüber in den Fachgremien gesprochen?

Prof. Benedikt Schulz: Wir thematisieren das in den Gremien und bei den Bauherren. Den Bauherren dämmert langsam, dass es ein Problem gibt. Das Schöne ist, das unser Bauherr die geringste Distanz zum Gesetzgeber hat. Das BBR ist dem Bundesbauministerium unterstellt. Dort gab es auch einen Termin zum BIM-Projekt für den Neubau der Deutschen Botschaft in Wien. Das Ministerium ist natürlich scharf auf die Ergebnisse des Pilotprojekts. Ein Ergebnis könnte sein: Hier gibt es ein handfestes Problem. Das geht dann in die Politik.

Build-Ing.: Endet das Pilotprojekt mit Ihrer Planung?

Prof. Benedikt Schulz: Die Planung der Deutschen Botschaft mit BIM läuft bei uns bis zur Leistungsphase 5. Danach folgt ein Forschungsprojekt zur Frage, wie man Ausschreibungen aus dem BIM-Modell generiert. Das wird klugerweise beim BBSR durchgeführt, denn das ist wirklich Forschungsarbeit. Wir müssen ja irgendwann die Botschaft bauen und können nicht nur BIM erproben.

Taina Puyn: Auch das Thema BIM as-built ist Teil des Leitfadens. Es ist der Wunsch des Bauherren, dass das BIM-Modell irgendwann in das as-built-Modell überführt wird. Ein Monitoring während der Betriebsphase ist dann Teil des Forschungsprojektes.

Build-Ing.: Wird der Bauleiter in Wien mit einem 3D-Modell arbeiten?

Prof. Benedikt Schulz: Für das neue iPad gibt es Apps, mit denen man sich die 3D-Modellabbildungen ansehen kann. Von hier aus ist es kein weiter Weg, bis der Bauleiter das iPad in der Hand hält und z. B. prüft, ob der Durchbruch, den er in einer Wand sieht, derselbe Durchbruch ist, den er im Modell vor sich hat.

Taina Puyn: Das wäre phantastisch.

Prof. Benedikt Schulz: Es gibt jetzt aber wieder folgendes Problem. Auf dem iPad habe ich meine Ausführungsplanung. Auf der Baustelle an der Wand habe ich aber die Werk- und Montageplanung der ausführenden Firma. 3D auf der Baustelle ist aus meiner Sicht sofort vorstellbar – wenn im deutschen Vergabesystem die eben beschriebenen Diskrepanzen zwischen Planung und Ausführung aufgehoben werden können.

Build-Ing.: Wird der Auftraggeber Ihren Pioniergeist auch dann würdigen, wenn es bei der BIM-Bearbeitung Probleme gibt?

Prof. Benedikt Schulz: Es ist nicht so, dass wir bei aller Gelassenheit lässig mit dem Thema BIM umgehen. Wir wissen, dass allen Beteiligten klar sein muss, dass es unter Umständen hier und da hakt. Oder dass man vielleicht mal eine falsche Entscheidung trifft. Dafür arbeiten wir alle gemeinsam an einem Pilotprojekt, bei dem es Kinderkrankheiten aufzudecken gilt. Das weiß auch der Initiator des Projekts, das BBR. Uns dreht deshalb keiner den Hals um, wenn mal was nicht so funktioniert wie gedacht. Dann wird es passend gemacht, und fertig. Das ist meiner Meinung nach eine hervorragende Voraussetzung dafür, sich dem Thema BIM zu nähern.

© Schulz und Schulz
Taina Puyn und Benedikt Schulz im Gespräch mit Build-Ing.
Autoren

Geboren 1966 und 1968, studierten die Brüder Ansgar und Benedikt Schulz Architektur an der RWTH Aachen sowie der ETSA de Madrid/Spanien (Ansgar) und der UC de Asunción/Paraguay (Benedikt). Während des Studiums gründeten sie 1992 das Büro Schulz und Schulz mit Sitz in Leipzig. Als Universitätsprofessoren leiten sie seit 2010 gemeinsam den Lehrstuhl Baukonstruktion der Technischen Universität Dortmund.


Taina Puyn, geboren 1988 in Gelsenkirchen, studierte von 2009 bis 2015 Architektur an der Technischen Universität Dortmund. Seit 2016 ist sie bei Schulz und Schulz tätig und arbeitet am Projekt für den Neubau der Deutschen Botschaft in Wien, u. a. in der Funktion der BIM-Koordinatorin. Als bürointerne BIM-Managerin ist sie zentrale Ansprechpartnerin zum Thema Building Information Modeling.

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