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Antje Heuer: Für Bauherren ist es schwer zu begreifen, dass sie für eine neue Technologie mehr zahlen sollen. Der Aufwand, der im Grunde eine Erweiterung der Grundleistungen der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure – d. Red.) bedeutet, bleibt zunächst beim Architekten liegen. Für den Architekten gibt es sicherlich eine bestimmte baukostenabhängige Grenze, ab der sich der Aufwand lohnt, mit BIM zu arbeiten.

Bert Hafermalz: Vielleicht kann man einem Bauherren den höheren Aufwand dadurch plausibel machen, dass man ihm einen Nutzen nachweist: er bekommt ein Modell, dass er mit einer 3D-Brille virtuell durchlaufen kann. Wie bei den Adern der Gläsernen Frau im Hygienemuseum Dresden kann der Hausmeister später mit dieser Brille alle Leitungsstränge sehen und das Haus viel besser instandhalten. Man müsste die anteiligen Prozentsätze der Leistungsphasen am Gesamthonorar neu verteilen. Denn man kann beispielsweise nur mit den frühen Leistungsphasen beauftragt sein. Diese Phasen mit BIM zu bewältigen erfordert viel Aufwand. Phase 6 dagegen beansprucht weniger Zeit, wenn man die vorherigen Leistungsphasen gut vorbereitet hat.

Build-Ing.: Die Bundesarchitektenkammer will verhindern, dass durch BIM Großbüros bevorteilt werden (siehe Seite xx). Büros mit mehreren dutzend oder hundert Mitarbeitern können die Kosten für einen BIM-Manager besser verkraften als Einzelkämpfer. Bei kleinen Büros grassiert deshalb die Angst vorm Tod durch BIM. Auch bei KARO?

Bert Hafermalz: Eher nicht. Ich kann mir vorstellen, dass man ein BIM-Sharing betreibt. Ein freier BIM-Manager ist dann einen Tag in der Woche hier.

Christian Burkhardt: Letzten Endes läuft es auf eine Kostensteigerung im Bauplanungsprozess hinaus.

Antje Heuer: Ich sehe Probleme bei Architekturbüros mittlerer Größe. Es kommt zu einer Verschiebung, wenn die Mehrarbeit durch BIM nicht angemessen vergütet wird. Sehr kleine Büros werden nicht mit BIM bauen, weil die Projekte zu klein sind. Ganz große Büros beschäftigen jetzt schon BIM-Manager. Aber in der Mitte wird es schwierig.

Christian Burkhardt: Wenn öffentliche Auftraggeber vorschreiben, mit BIM zu arbeiten, dann führt das ganz klar zu einer Marktbereinigung.

Build-Ing.: Wenn man mit Architekten über BIM spricht, hört man immer wieder vom Déjà-vu: Alles schon mal erlebt.

Bert Hafermalz: Früher haben wir am Reißbrett gearbeitet. Jeder Plan wurde einzeln entwickelt, und wenn etwas zu ändern war, musste man das mit der Rasierklinge wegkratzen und neu zeichnen. Man musste weit voraus denken, um den Plan zu gestalten. Heute würde man die Aufgaben am Reißbrett gar nicht mehr lösen können. Schon jetzt modellieren wir dreidimensional, um dem Bauherren zu zeigen, was er später bekommt. Als wir Ende der 1990er Jahre ein sehr großes Projekt begannen, mussten wir über Nacht vom Zeichenbrett auf CAD umsteigen. Das war eine Herausforderung. Das ist jetzt vielleicht so ähnlich.

Antje Heuer: Ja, das wiederholt sich. Meine gewisse Skepsis kommt daher, dass ich Probleme, die ich früher beim Umsteigen auf eine andere Technologie erlebt habe, jetzt auf die Einführung von BIM projiziere.

Christian Burkhardt: Wobei der Umstieg auf CAD ein deutlich kleinerer Schritt war. BIM geht exponential in alle Richtungen. Die Herausforderung ist durch die komplette Prozessumstellung viel größer. BIM wird große Umbrüche zur Folge haben.

© KARO Architekten
Autor

KARO, in Leipzig gegründet, beschäftigt sich seit 1999 mit Kommunikation, Architektur und Raumordnung. Die drei Partner Antje Heuer, Prof. Stefan Rettich, Bert Hafermalz und Büroleiter Christian Burkhardt arbeiten als Architekten, Städteplaner und Autoren sowie im Wettbewerbsgeschehen und in der Hochschullehre. Das Büro wurde für seine Architektur mehrfach ausgezeichnet.

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