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Christian Burkhardt: Man muss sich auf BIM einlassen. Im Grunde ist es einfach: Im BIM-Modell kreiere ich eine gewisse Anzahl an Bauelementen, die als Volumen geometrisch genau definierbar und massenmäßig errechenbar sind. Das ist technisch gesehen kein Problem. Diese Elemente kategorisiert die Software als eine Liste von Bauteilen, denen der Planer am Ende die entsprechenden Ausschreibungstexte zuweist. Das macht das Programm nicht im Alleingang. Dennoch gibt es eine diffuse Angst vor Kontrollverlust, weil sich das Leistungsspektrum des Architekten so umfassend verändert. Man denkt, dass man die Urwerkzeuge des Architekten – Stift und Zeichnung – verliert, und man fragt sich, wo man innerhalb des Prozesses eigentlich noch Einfluss hat.

Bert Hafermalz: Ich muss alles eingeben, was ich später herausziehen will, beispielsweise die Scheuerleiste und die drei Schrauben, die ich pro Meter dafür brauche. Man hat eine große Vorbereitungsphase, dafür läuft es am Ende in Leistungsphase 6 fast auf Knopfdruck. Natürlich muss der Architekt kontrollieren. Wenn du willst, zeigt dir das Programm im 3D-Modell beispielsweise nur die Fußleisten an. Die musst du überprüfen.

Christian Burkhardt:  Leider kann man aber nicht alles anzeigen lassen. Was nicht materiell darstellbar ist, lässt sich in BIM nicht visuell erzeugen. Positionen wie beispielsweise Ausbesserungsarbeiten müssen manuell eingearbeitet werden, die musst du im Kopf behalten.

Build-Ing.: Immer mehr Hersteller digitalisieren ihre Bauprodukte und stellen sie als kostenlose 3D-Objekte für BIM zur Verfügung. Besteht nicht die Gefahr, dass man als Architekt immer häufiger auf diese 3D-Objekte zugreift? Werden Hersteller, die sich keine 3D-Visualisierung leisten können, durch BIM vom Markt gedrängt?

Antje Heuer: Das Problem gibt es vom Grundsatz her auch beim Ausschreiben. Viele Hersteller liefern Details und ausführliche Textbausteine zu ihren Produkten. Bei privaten Auftraggebern ist man frei in der Entscheidung, sie zu verwenden. Oft schreibt man aber auch neutral aus und sucht einfach ein Produkt, das bestimmte Anforderungen erfüllt. Wenn du aber beispielsweise ein Fenster zeichnest, weißt du als Architekt, welche Profilsysteme dir gefallen. Du hast den Hersteller schon im Kopf, wenn du planst. Ich glaube deshalb nicht, dass BIM für die Hersteller eine Gefahr ist.

Bert Hafermalz: Diese kostenlosen 3D-Objekte sind trotzdem eine clevere Idee der Hersteller. Die funktionieren wie die CAD-Programme, die für Studenten kostenlos sind. Wenn man erst mal mit so einem Programm vertraut ist, steigt man nach dem Studium nicht so schnell auf eine andere Software um.

Antje Heuer: Du würdest aber ein Produkt nicht nur deshalb verwenden, weil du bequem darauf zugreifen kannst.

Christian Burkhardt: Das muss man von zwei Seiten betrachten. Zum einen kannst du in BIM das Level of Detail einstellen. Du legst damit den Grad der Abstraktion fest. Wenn du die 3D-Objekte stark abstrahiert darstellst, ist es egal, von welchem Hersteller das Produkt stammt. Wenn du aber ein sehr spezielles Produkt brauchst, musst du dir einen Hersteller suchen, der genau so etwas für BIM anbietet. Kleinere Hersteller, die das nicht leisten können, fallen schon bei der Planung heraus. Deshalb sehe ich durchaus die Gefahr, dass man Architektur zu einem Baukasten fertiger 3D-Objekte macht.

Build-Ing.: In welcher Leistungsphase sollte BIM starten?

Christian Burkhardt: Wenn du für einen Auftraggeber einen schnellen Vorentwurf machst, hast du keine Zeit, für jedes einzelne Fenster die Metadaten einzupflegen. Das ergibt an dieser Stelle noch keinen Sinn. Wenn du es allerdings hier nicht machst, musst du im Nachgang einen wahnsinnigen Sortieraufwand betreiben. Das ist ein Dilemma, vor allem dann, wenn es um die Kostenberechnung geht.

Antje Heuer: Bei der Ideenfindung arbeitest du mit Transparent. Du legst immer wieder ein Blatt drüber, bis du soweit bist, dass du den Entwurf mit der Software modellieren kannst.

Bert Hafermalz: Am Anfang ist der Stift. Mit BIM kannst du ab Leistungsphase 3 einsteigen.

Build-Ing.: BIM bedeutet für Architekten einen höheren Arbeitsaufwand. Wird er honoriert?

© KARO Architekten
Autor

KARO, in Leipzig gegründet, beschäftigt sich seit 1999 mit Kommunikation, Architektur und Raumordnung. Die drei Partner Antje Heuer, Prof. Stefan Rettich, Bert Hafermalz und Büroleiter Christian Burkhardt arbeiten als Architekten, Städteplaner und Autoren sowie im Wettbewerbsgeschehen und in der Hochschullehre. Das Büro wurde für seine Architektur mehrfach ausgezeichnet.

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