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06.12.2017 | Jürgen Winkler

„Was macht der Maurer mit BIM?“

Architekten im Interview

Architekten müssen ihre Arbeitsweise erneut umstellen. Fegt BIM kleinere Büros vom Markt – oder ist BIM eine Chance? Wir sprachen mit den Architekten des Büros KARO über die Werkzeuge eines Berufsstands, mangelnde Honorierung, Architektur als 3D-Baukasten – und ein Déjà-vu-Erlebnis.

Build-Ing.: Bei KARO arbeiten im Schnitt fünf Architekten. Damit steht das Team stellvertretend für viele deutsche Architekturbüros: Die Arbeit wird von wenigen Mitarbeitern gestemmt. Großbüros mit vielen Angestellten sind hierzulande eher selten. Die BIM-Methodik erfordert aber auch von kleineren Büros Investitionen in Personal und Software. Ist das der Grund, warum nicht alle deutschen Architekten von BIM begeistert sind?

Christian Burkhardt: Das Problem besteht eher darin, dass man noch gar nicht begreift, wie umfangreich BIM gedacht ist. Ich glaube, dass es im Augenblick noch niemand im vollen Umfang nutzt. Bei Weiterbildungen hat sich gezeigt, dass zwar alle irgendwie mit dem Begriff BIM operieren. Aber in der Praxis scheinen derzeit selbst sehr große Unternehmen, die innerhalb der nächsten zwei Jahre ihre Projekte mit BIM realisieren wollen, noch mit der Aufgabe überfordert zu sein.

Build-Ing.: Ist KARO auf BIM vorbereitet?

Christian Burkhardt: Die Anfänge für BIM sind bei uns vorhanden. Die Software, die wir nutzen, ist objektbasiert angelegt. Denn das ist ja der Unterschied zu früher. Man zeichnet nicht mehr Linien und sagt dann, diese fünf Linien sind ein Fenster, sondern man positioniert ein Objekt mit veränderlichen Parametern wie Länge, Breite und Material – das dann in 2D oder 3D dargestellt werden kann. Wir nutzen unsere Software momentan noch nicht weiterführend für BIM.

Bert Hafermalz: Schon jetzt modellieren wir aber dreidimensional, um dem Bauherren zu zeigen, was er später bekommt. Das hat viele Vorteile. Habe ich bei Änderungen früher jeden Plan einzeln angepasst, muss ich beim 3D-Modell nur einmal ändern, um Grundrisse und Schnitt komplett auf Stand zu bringen.

Build-Ing.: Eignet sich BIM für jedes Bauvorhaben?

Christian Burkhardt: Die Bedeutung von BIM ist für mich noch nicht restlos geklärt. Als Vorteil sehe ich, dass mit den Objekten aus dem BIM-Modell bestimmte Metadaten verknüpft sein können, wie Kosten, Material oder Vertragsdokumente. BIM ist dadurch insbesondere bei sehr großen Aufgaben sinnvoll, bei denen man streng hierarchisch arbeiten muss, um das Projekt organisatorisch stemmen zu können. Durch BIM ist automatisch eine stringente Ordnung vorgegeben. Bei einer kleinen Projektgröße kann BIM den Arbeitsfluss auch behindern, weil es zunächst mehr Aufwand bedeutet, den Prozess zu organisieren. Wenn ich nur einen Träger einbauen muss, zeichne ich das besser per Hand.

Bert Hafermalz: Die kritische Größe eines Projekts, ab der BIM sinnvoll ist, muss sich erst noch in der Praxis zeigen. BIM ist komplex, und alle Partner müssen im Boot sein. Wenn nur zwei oder drei Beteiligte damit arbeiten, ist das nicht sinnvoll.

Christian Burkhardt: Nicht unbedingt. BIM ist mehrstufig angelegt. In der ersten Stufe entwickelst du nur das 3D-Modell und ermittelst daraus automatisch die Kosten. Erst in späteren Stufen kommen weitere Dimensionen wie die Zeitplanung hinzu, und andere Fachplaner werden eingebunden. Insgesamt finde ich die erste Stufe insbesondere für die Kostenermittlung hilfreich. Die BIM-Planung im Austausch mit den Fachplanern kann ich mir gut vorstellen, ich finde den versprochenen Workflow reizvoll. Dass die Baufirmen mit BIM-Daten arbeiten, ist aus meiner Sicht jedoch eher ein langfristiges Ziel.

Bert Hafermalz: Was macht eigentlich der Maurer mit BIM? Am Ende braucht er einen Plan. Wir haben neulich einen Dachstuhlplan in 3D auf die Baustelle mitgenommen. Die Handwerker vor Ort waren begeistert, sie fanden sich viel besser zurecht.

Build-Ing.: Der Datentransfer zwischen den Gewerken funktioniert nicht immer reibungslos. Große Unternehmen können das Problem mit Closed BIM umgehen. Für kleinere Architekturbüros dürfte Closed BIM keine Alternative sein.

Antje Heuer: Das war ja auch nicht der Sinn, dass jeder wieder sein eigenes System aufbaut. Der Vorteil von BIM besteht ja gerade darin, dass alles miteinander kompatibel sein soll. Unsere Software ist für BIM vorbereitet, wir nutzen sie für 3D-Modelle. Ein Problem sehe ich aber bei den Schnittstellen. Da gibt es immer Informationsverluste. Ich bin auch skeptisch, was die Ermittlung der Mengen aus den Zeichnungen heraus angeht. Du brauchst eine sehr differenzierte Dateneingabe. Wenn du nach VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – d. Red.) ausschreibst, ist jede Leistung mit einem Längen- oder Raummaß hinterlegt. Du musst dann frühzeitig überlegen, wie du etwas ausführen und abrechnen willst. Es müssen sehr viele Optionen programmiert sein, oder der Architekt muss sie entsprechend eingeben. Dafür ist eine gute Organisation notwendig. Vielleicht verlagern sich einfach die Fehlerquellen. Im Moment liegen sie bei mir, ich muss beim Zeichnen und bei komplexen Änderungen aufpassen, dass ich nichts vergesse. Bei der Arbeit mit BIM liegt die Fehlerquelle eher im Vorfeld bei der Prozessorganisation – beim Strukturieren, Sortieren und Verknüpfen.

© KARO Architekten
Autor

KARO, in Leipzig gegründet, beschäftigt sich seit 1999 mit Kommunikation, Architektur und Raumordnung. Die drei Partner Antje Heuer, Prof. Stefan Rettich, Bert Hafermalz und Büroleiter Christian Burkhardt arbeiten als Architekten, Städteplaner und Autoren sowie im Wettbewerbsgeschehen und in der Hochschullehre. Das Büro wurde für seine Architektur mehrfach ausgezeichnet.

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