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Marco Röschenkemper

Umplanen im Kopf

Building Information Modeling als Chance

Kleine Planungsbüros scheuen oft den Umstieg auf BIM. Ihr Planungsaufwand wird höher, einen Vorteil sehen sie nicht. BIM-Manager Marko Röschenkemper erklärt Schritt für Schritt, wie Planer die BIM-Methode einsetzen können – und wie sie ihnen nutzt.

Eine Vielzahl von Schnittstellen prägt die Planung und Ausführung von Bauvorhaben. Unterschiedliche Beteiligte tragen Informationen zum Gesamtprojekt bei. Wesentlich erleichtert wird dieser Prozess durch Building Information Modeling (BIM). Jedoch verkennen derzeit insbesondere kleine Büros die Chancen, die mit BIM verbunden sind, und scheuen oftmals Kosten und Aufwand. Die Hemmschwelle wird zusätzlich durch die Einführung von nicht immer selbsterklärenden Abkürzungen erhöht. AIA, BAP, LOD oder BCF scheinen zu einer ganz eigenen Welt zu gehören, die nur mit intensiver Fortbildung zu betreten ist.

Teure Software ausreizen

Dabei ist BIM gar nicht so neu: Der Begriff wurde bereits seit den 1970er Jahren in den ersten Forschungsarbeiten zum Einsatz virtueller Gebäudemodelle veröffentlicht. Auf dem deutschen Markt ist er seit 2003 – durch ein Whitepaper der Firma Autodesk – verbreitet. Doch wird die Planungsmethode bisher nur von circa 22 Prozent der deutschen Planungsbüros verwendet. Die Vorteile der hohen Informationsdichte eines BIM-Modells werden oft verkannt und die teils kostspielige Software nur als eine Art virtuelles 2D-Zeichenbrett genutzt. Die eingegebenen Informationen bleiben dadurch für die nachfolgenden Projektphasen und Prozesse ungenutzt.

Dabei bietet BIM ein wesentlich größeres Potenzial. Es beschreibt die optimierte Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden mit Hilfe von Software in einem 3D-Gebäudemodell. BIM selbst ist somit keine Software – aber eine Software kann BIM-fähig sein. Man unterscheidet dabei – in Abhängigkeit von der Anzahl der beteiligten Softwaresysteme – zwischen Open BIM und Closed BIM. Ist beispielsweise nur ein Softwaresystem mit wenigen Nutzern am Prozess beteiligt, spricht man von Closed BIM. Dahingegen sind im Open BIM-Verfahren viele verschiedene Autoren vorhanden, die mit unterschiedlicher Software Daten zum Gebäudemodell beitragen.

Foto: Brüninghoff
Mittels BIM werden Daten zu einem Gebäude in ein 3D-Modell überführt, um eine optimierte Planung, Ausführung und Bewirtschaftung zu erzielen.

Daten für alle Gewerke nutzen

Zentral ist jedoch, dass Daten mehrfach nutzbar sind. Im Idealfall bietet das Modell eine gewerkeübergreifende Übersicht über alle Bauteile sowie Bauteiltypen, Räume, Materialien, Massen, Kosten, terminliche Abfolgen und Arbeitsvorgänge. Außer räumlichen Dimensionen werden somit auch Zeit und Kosten integriert. Diese Daten sind für alle Projektbeteiligten einsehbar – das kann vom Entwurf bis zum Rückbau reichen. Dieses Vorgehen kann somit eine Betrachtung aller Lebenszyklusphasen eines Gebäudes integrieren.

Eine reine 3D-Visualisierung ist daher nicht mit der BIM-Methode gleichzusetzen. Erst durch die Verknüpfung der Gebäudeteile mit Attributen und Rahmendaten lässt sich das Potenzial ausschöpfen. BIM ist somit eigentlich gar nicht so neu – betrachtet man das Closed-BIM-Verfahren, werden viele Planer und ausführende Unternehmen dies bereits seit Jahren anwenden. Der intelligente Einsatz von Daten wird nun mittels Open BIM gebündelt und für mehrere auf einer Plattform zum Einsatz gebracht.

Genauer und effizienter planen

Die meisten Planungsbüros verfügen bereits über BIM-taugliche Software, schöpfen diese in ihren Möglichkeiten jedoch nicht aus. Oft mangelt es zunächst an der Höhenzuweisung – die Z-Achse findet keine Beachtung. Dies lässt sich jedoch relativ leicht umstellen. Die einmalige Attributspflege stellt den größten Umstellungsaufwand dar – zahlt sich jedoch aus: Eine bessere Leistung kann erbracht werden. Denn insbesondere durch die Mehrfachnutzung einmal erstellter Daten lassen sich unter anderem Zeitvorteile bei der Angebotserstellung und Planungssicherheit hinsichtlich der terminlichen Abfolge und der Kosten erzielen. Die hinterlegten Attribute der verwendeten Bauteile können für verschiedene Berechnungen weiterverwendet werden. Eine genaue Massenermittlung wird möglich und kann zur Kostenkalkulation, Ausschreibung und Terminplanung herangezogen werden.

In der Zusammenarbeit mit anderen Fachplanern ermöglicht der gewerkeübergreifende Datenaustausch eine Kollisionskontrolle bereits während der Planung. BIM dient dem Schnittstellenmanagement aller Projektbeteiligten im 3D-Modell. Die hier integrierten Daten lassen sich zur Präsentation und im Dialog mit dem Auftraggeber nutzen – bereits ab der Entwurfsphase, über die gesamte Planungs- und Montagephase bis hin zur Dokumentation.

Foto: Brüninghoff
Ein BIM gestützter Planungsprozess erleichtert die Koordination der Fachplaner und Spezialisten, da gemeinsam an einer Datenbasis gearbeitet wird.

Das gemeinsame Arbeiten an einem Modell gewährleistet eine konsequente gegenseitige Kontrolle, die sich durch ein deutlich minimiertes Problempotenzial auf der Baustelle auszahlt. Ungenauigkeiten in der Kommunikation werden anhand des konkreten Modells frühzeitig aufgedeckt. Die Ablaufgeschwindigkeit kann deutlich effizienter sein. Zudem fällt es leichter, einen gesteckten Zeit- und Ablaufplan einzuhalten, da alle Beteiligten über das Modell informiert sind. Gebäudedetails werden bereits in einem frühen Stadium der Planung geklärt, sodass sich der Aufwand der baubegleitenden Planung verringert. Ein weiterer Pluspunkt dieser Methode besteht darin, dass bereits vor dem Bau eine digitale Simulation möglich ist. Fehlplanungen werden somit minimiert und potenzielle Mehrkosten sowie mögliche Alternativlösungen frühzeitig identifiziert. Klare Kostenstrukturen schaffen Transparenz und Vertrauen.

© Brüninghoff
Im Auftrag von berlinovo errichtet Brüninghoff ein sechsgeschossiges Apartmenthaus für Studierende in Berlin – zum Einsatz kam dabei die Planungsmethode Building Information Modeling.
Autor

Marko Röschenkemper ist BIM-Manager bei der Brüninghoff GmbH & Co. KG, Heiden (Münsterland), und Dozent an der Bergischen Universität Wuppertal.

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