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17.02.2021 | Sylvia Braun

Open BIM statt Insellösungen

BIM & AVA

Ein Architekturbüro mit gerade mal vier Mitarbeitern begeistert sich für BIM. Da staunt der Fachmann: Wie schaffen die das?

Planungsbüros sehen sich bei der Gründung und im Wachstum vielen Herausforderungen gegenüber: Aufträge akquirieren, an Wettbewerben teilnehmen, bestmögliche Entwürfe und technische Planungen abgeben, darüber hinaus sämtliche betriebswirtschaftlichen Aspekte im Auge behalten. Die Frage nach Software, digitalen Möglichkeiten und Entwicklungen kann dabei schon mal als zweitrangig oder mühsame Pflicht angesehen werden. Ist BIM überhaupt schon ein Thema? Ist es notwendig, sich damit zu beschäftigen? Wo wird der richtige Anfang gemacht?

Fragen, denen das Büro AI.Studio offensiv begegnet. Die technikaffinen Inhaber investierten von Beginn an in Software. Nun nutzen sie die effiziente Übernahme von Gebäudedaten aus einer CAD in die Ausschreibungssoftware ORCA AVA. Für sie der erste Schritt im BIM-Prozess.

Viele Jahre erbrachten die Architekten Martin Bethge und Marcus Gbur als freiberufliche Dienstleister Ingenieursleistungen für andere Büros. Im Jahr 2009 entschieden sie sich, ein eigenes Architekturbüro in Magdeburg zu gründen: Das AI.Studio. Bereits mit der Namensgebung drücken sie aus, dass sie Architekten- und Ingenieurswissen in ihrer Arbeit bündeln. Das Büro bietet die Bearbeitung aller Leistungsphasen der HOAI an.

Von der Drohne in die CAD-Software

Seit Mitte 2019 bearbeiten sie mit dem Wohnpark im sachsen-anhaltischen Burg ein repräsentatives Vorhaben. Für die dortige Wohnungsbaugenossenschaft planten sie auf einem zentralen Grundstück 43 Wohneinheiten. Im Entwurf entstand ein Mix aus barrierefreien Zwei-, Drei- und Vierraumwohnungen.

Vor Beginn der Planungen maßen die Architekten Bethge und Gbur das gesamte Gelände mit einer Drohne auf und erstellten aus den Bildern mit Photogrammetrie ein 3D-Modell. Dieses 3D-Modell wurde in die CAD-Software übernommen. Die Planung konnte perfekt in die Höhenlage des Geländes und in die städtebauliche Situation eingefügt werden. Ein Brutto-Grundflächen-Modell nach DIN 277 liefert für den Investor einen schnellen ersten Überblick zu Verkehrs-, Konstruktions- und Wohnflächen und damit zur Wirtschaftlichkeit des Bauvorhabens. Ihre Offenheit gegenüber der Nutzung neuer Technologien, ihre Softwareaffinität und ihre Überzeugung, digitale Werkzeuge als gewinnbringend anzusehen, machen es möglich, dass BIM in ihrem vierköpfigen Büro Einzug hält.

Von der CAD-Software in ORCA AVA

Mit der Entscheidung für ORCA AVA legte AI.Studio in 2019 dazu den Grundstein. Das Komplettpaket unterstützt alle Leistungsphasen. Um die BIM-Thematik optimal zu fördern, setzt ORCA AVA auf den offenen IFC-Standard. Die digitale Datenübernahme aus 3D-CAD-Modellen erspart Fehler und schenkt Zeit.

„Wir schätzen an der Software zum Beispiel das strukturierte Layout, das eine schnelle Einarbeitung möglich macht. Man findet sich sofort im Workflow zurecht “, so Geschäftsführer Bethge. „Für die Gewerkeschätzungen, die wir für die Besprechungen mit den Bauherren erstellen, erhalten wir aufgrund der Klarheit und Übersichtlichkeit oft ein positives Feedback. Das macht es uns leicht, Alternativen in Materialien anzubieten, um so den Bauherren verschiedene Kostenvarianten vorstellen zu können.“

Bei der CAD-Software werden sie in den nächsten Wochen den Anbieter wechseln. Für das Zusammenspiel mit ORCA spielt das keine Rolle, der Austausch über die IFC-Schnittstelle funktioniert mit verschiedenen Herstellern.

In ihrem Büro vergeben die Architekten die Leistungen einzeln und können so alle Qualitäten direkt beeinflussen. Die Kurztexte der Leistungsverzeichnisse machen ersichtlich, was von ihnen kalkuliert wurde. Sehr hilfreich ist dabei das in die ORCA AVA übernommene 3D-Modell: „Ich möchte es beinahe schon als existenziell bezeichnen“, unterstreicht Bethge die Wichtigkeit dieses Workflows. „Alle Prozesse werden von uns digital geplant, dem Bauherrn anschaulich durch fotorealistische Visualisierungen präsentiert und mit Kosten hinterlegt.“

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Effiziente Abwicklung

Um das effizient abwickeln zu können, nutzen die Architekten die Sicht Gebäudegeometrie in ORCA AVA. Zum Beispiel wurden im Wohnpark Burg für die Balkone unbeschichtete Stahlbetonplatten geplant, um keine unnötigen Abdichtungsdetails zu schaffen, und auch, um die Bewirtschaftungskosten für den Eigentümer niedrig zu halten.

Die Menge der Balkone, ihr Volumen und damit das benötigte zu verbauende Material für das LV ziehen sie mit der zeitsparenden Funktion „Gleichartige Maße wählen“ aus der IFC-Datei. Ein Gebäudeteil wird ausgewählt, mit einem Klick werden alle angezeigt und übernommen, die grafische Darstellung visualisiert die Auswahl. Wäre es ein mehrschichtiger Aufbau, könnten einzelne Komponenten separiert für die Mengen- und Massenermittlung herangezogen werden. Die Mengenberechnung ist VOB-konform und erfolgt zum Beispiel mit Berücksichtigung der Übermessungsregel.

Und die Zukunft?

Die Architekten von AI.Studio blicken nach vorn: „Wir arbeiten möglichst papierlos und hoffen auf digitale Bauanträge. Die Schritte von der Aufnahme mit der Photogrammetrie, Erstellung eines ersten 3D-Modells, Übernahme in die CAD-Software, Planung und weitere Übernahme in die AVA-Software sind für uns die ersten im gesamten BIM-Prozess. An Insellösungen sind wir nicht interessiert, sondern an einem effektiv funktionierenden Open BIM. Für uns bedeutet das Gesamtheit, Kontinuität und Langlebigkeit.“

© AI.Studio GmbH
Autor

Sylvia Braun ist Politikwissenschaftlerin. Seit vielen Jahren ist sie in der Pressearbeit der Bausoftwarebranche tätig. Als Fachjournalistin der ORCA Software GmbH hat sie den AVA-Prozess mit Blick auf den BIM-Workflow im Fokus. Ihr ist es wichtig, den Bezug sowohl zum Anwender als auch zum IT-ler zu halten. orca-software.com(Bild::ORCA Software GmbH)

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