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08.09.2020 | Eduard Dischke

Nutzung von Bauwerksdatenmodellen im Facility Management

BIM & Recht, Teil 15

Aus rechtlicher Sicht stehen häufig Planung und Errichtung eines BIM-Objekts im Mittelpunkt. Für das Facility Management sind jedoch Betrieb und Nutzung entscheidend.

Derzeit konzentriert sich die rechtliche Diskussion über die innovative Planungsmethode des Building Information Modeling (BIM) hauptsächlich auf die Planungs- und Errichtungsphasen eines Bauwerks, aktuell z. B. bei der durch AHO, BAK, BIngK, DVP und DAV (letztere durch die ARGE Bau- und Immobilienrecht) forcierten Forderung nach der zeitnahen Aufnahme detaillierter BIM-Leistungsbilder in die HOAI oder bei der Entwicklung von praktikablen Modellen der frühzeitigen Einbindung von Bauunternehmen unter dem Stichwort „Early Contractor Involvement“. Die für das Facility Management entscheidenden Phasen im Lebenszyklus einer Immobilie hingegen sind der Betrieb und die Nutzung sowie eventuell Umbau, Sanierung und Leerstand.

FM-Verantwortliche müssen früher einbezogen werden

In diesen Lebenszyklusphasen sollte die Anwendung von BIM eine konsistente Nutzungs- und Bedarfsplanung gewährleisten und Unzulänglichkeiten an den Schnittstellen zwischen der Planungs- und der Errichtungsphase sowie der Betriebs- und Nutzungsphase vermeiden oder zumindest wesentlich minimieren. Hierzu ist es von wesentlicher Bedeutung, bereits im Zuge der frühen Planungsphase zu beachten, dass Planungs- und Errichtungsphase sowie Nutzungs- und Betriebsphase stets als notwendig ineinandergreifende Bestandteile des einheitlich zu betrachtenden Lebenszyklus eines Bauwerks zu verstehen sind.

Im anzustrebenden Idealfall bedeutet das, dass der für das Facility Management Verantwortliche bereits in der Planungs- und Errichtungsphase hinzugezogen und in die dort zu treffenden und für den Bauwerksbetrieb relevanten Entscheidungen einbezogen wird. Als praktischer Schritt bietet sich hierfür die frühzeitige Abstimmung des das Bauwerksdatenmodell erstellenden Objektplaners mit dem Facility Manager an. Ziel einer solchen Abstimmung sollte eine möglichst umfassende Verknüpfung und Vereinheitlichung aller relevanten Daten sein.

Empfehlenswert ist zudem eine vertragliche Regelung, die es dem Facility Manager in den weiteren Lebenszyklusphasen der Immobilie ermöglicht, das Bauwerksdatenmodell optimal zu nutzen und nach den jeweils nachgefragten Bedürfnissen fortzuschreiben bzw. an den jeweiligen Betrieb anzupassen. Es ist also mit anderen Worten vertraglich genau festzulegen, wer welchen Beitrag zur Erstellung des Bauwerksdatenmodells leistet, welchen Inhalt das Modell im Zeitpunkt der Übergabe an das Facility Management haben soll sowie die Einzelheiten zur Gewährleistung der Interoperabilität der hierbei Verwendung findenden Software.

Der Facility Manager kann hierzu Zuarbeiten in der Planungs- und Errichtungsphase leisten und sollte dann in der Betriebs- und Nutzungsphase (in tatsächlicher, aber auch in rechtlicher Hinsicht) befähigt sein, für die notwendige Fortschreibung des digitalen Modells Sorge zu tragen.

Übergabe des as-built-Modells an das FM

Idealerweise sollte das Bauwerksdatenmodell im Zeitpunkt der Übergabe an das Facility Management eine Darstellung der Immobilie, wie sie tatsächlich gebaut wurde, beinhalten und hierzu auch sämtliche relevanten Informationen zu den verbauten Bauprodukten enthalten. Ein solches as-built-Modell ließe sich dann für die Zwecke des Bauwerkbetriebs mit Raumdaten, technischen Spezifikationen, einschlägigen Wartungsvorschriften nebst -intervallen, Garantiedaten, Herstellerinformationen und relevanten Vertragsdokumenten problemlos verknüpfen.

Der entscheidende Vorteil für das Facility Management besteht insbesondere darin, dass detailliertere Leistungsbeschreibungen für die Zwecke der Wartung, Inspektion, Sanierung, Instandhaltung und Instandsetzung erstellt werden können, was letztlich nicht nur zu (auch wettbewerbs-) relevanten Zeitgewinnen, sondern auch zu vereinfachten und leichter handhabbaren Koordinationsprozessen führen kann.

Vertraglich zu klären sind hierfür insbesondere die Zugriffsrechte auf das Bauwerksdatenmodell sowie die Verantwortlichkeiten und Schreibrechte bei allen anstehenden und für das Facility Management relevanten Aktualisierungen. Einer eindeutigen vertraglichen Regelung bedarf es außerdem zur Frage, ob bei der Übergabe des Bauwerksdatenmodells dieses durch den (entsprechend geschulten) Facility Manager auf seine inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit sowie ggf. auch auf seine Funktionstauglichkeit für die Zwecke des Facility Managements zu prüfen ist. Zur Vermeidung fehlerhafter Datenübertragungen empfiehlt es sich insbesondere auch, detaillierte Qualitätssicherungsmechanismen zwischen den Beteiligten vertraglich festzuhalten.

Werden diese rechtlichen Vorgaben eingehalten, so kann sich das digital erstellte Bauwerksdatenmodell für das Facility Management als äußerst nutz- und potenziell auch gewinnbringendes Instrument in den entscheidenden Lebenszyklusphasen des Betriebs und der Nutzung einer Immobilie erweisen.

© vnl/stock.adobe.com
Autor

Eduard Dischke ist Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht sowie Fachanwalt für Verwaltungsrecht (KNH Rechtsanwälte, Essen), Leiter der Fachgruppe Recht, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des buildingSMART Deutschland e. V. sowie Vorstandsmitglied des BIM-Cluster NRW e.V. knh-rechtsanwaelte.de

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