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25.11.2019 | Burcu Esen Barutcu, Carsten Klempin

Nicht warten – starten!

Informationsanforderungen bei BIM

Es muss nicht erst ein Auftraggeber BIM einfordern, bevor das Planungsteam eigene Informationsanforderungen definiert. An einem Beispiel wird gezeigt, wie Planer mit dem webbasierten Tool BIMQ die Anforderungen für ihre eigene Arbeit definieren.

Das Architekturbüro Kresings mit Sitz in Düsseldorf und Münster nutzt die BIMQ-Plattform, um die Eindeutigkeit und Übersichtlichkeit der Anforderungen an den Informationsaustausch in seinem neuesten Projekt Kwartier zu erhöhen. Vor Beginn des neuen Projekts ergriff Prof. Moritz Fleischmann von der Kresings Architektur GmbH als Verantwortlicher für die Planungskoordination die Initiative, eine webbasierte Datenbank für diese komplexe Aufgabe zu verwenden – und konnte alle Fachplaner davon überzeugen, BIMQ einzusetzen.

Dank der Motivation und des Engagements aller Planer stimmte das Team dem eigenen Informationsbedarf zu, indem es den vordefinierten BIMQ-Katalog als Ausgangspunkt für Workshops verwendete und anschließend gemeinsam in BIMQ arbeitete. Das Ergebnis ist ein eigener Informationsanforderungskatalog, der später jeweils auf ein bestimmtes Projekt zugeschnitten werden kann.

Dieser Katalog ist jetzt die zentrale Informationsquelle, aus der alphanumerische und geometrische Anforderungen für jede Phase, jedes Fachmodell und jeden Akteur hervorgehen. Diese detaillierten Anforderungen werden aus BIMQ als PDF exportiert und als Anhang den Planerverträgen beigelegt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt für BIM-Konstrukteure war die Verwendung von Eigenschaftsvorlagen für Modellautorsoftware aus BIMQ. Als einer der ersten Schritte wurde von Kresings die Vorlage für ArchiCAD 22 angepasst. Diese Vorlagen ermöglichen die automatische Übertragung von in BIMQ definierten Eigenschaften in Modellierungssoftware. Des Weiteren wird mithilfe von ebenfalls enthaltenen Zuordnungen zum IFC2x3-Format die Konfiguration des IFC-Exportes aus ArchiCAD 22 leichtgemacht.

In einem Gespräch mit Prof. Moritz Fleischmann bekamen wir einen Einblick in seine Perspektive zum Thema Informationsmanagement und den bisher gemachten Erfahrungen mit BIMQ. Nachfolgend die fünf wichtigsten Kernaussagen von Prof. Moritz Fleischmann aus unserem Gespräch:

1. Templates erstellen und für ein spezifisches Projekt maßschneidern

In der Baubranche wird mittlerweile viel über den LOD diskutiert. Meiner Meinung nach zielt das LOD-Thema entweder beim Reifegrad oder bei der Detaillierung nur darauf ab, Dinge zu beschreiben. Jeder bringt LOD-Grafiken oder LOD-Vorlagen zur Besprechung mit. Diese werden jedoch häufig weder aktualisiert noch angepasst. Abbildungen und Beschreibungen sind bei vielen Bauteilen größtenteils gleich, und jeder hat seine eigenen Vorstellungen. Diese müssen zusammengeführt werden, damit innerhalb eines Projektes die gleiche Sprache gesprochen wird.

Darüber hinaus sind allgemeine Beschreibungen oder Grafiken, die Objekte aus einer bestimmten Perspektive darstellen, nicht hilfreich genug, um zu veranschaulichen, welche Informationen zu jedem Objekt hinzugefügt werden müssen. Als Kwartier-Team haben wir es uns zum Ziel gesetzt, die Anforderungen an Geometrie (Level of Geometry) und Eigenschaften (Level of Information) für jedes disziplinspezifische Modell separat anzugeben, statt nur eine einzige Beschreibung des Level of Development (LOD) bereitzustellen. Darüber hinaus war es uns wichtig, die Beschreibung der Objektgeometrie nach verschiedenen fachspezifischen Modellen zu differenzieren. BIMQ war die einzige Lösung, die dies ermöglichte.

BIMQ-Eigenschaften in Archicad 22 (Bild: AEC3 Deutschland GmbH)

Der vordefinierte BIMQ-Katalog war nützlich, um mit einer Vorlage für unser Unternehmen zu starten und diese weiterzuentwickeln. Anschließend haben wir sie für das spezielle Projekt angepasst. Andernfalls hätten wir unterschiedliche Geometriebeschreibungen und -eigenschaften aus vielen verschiedenen Quellen in Einklang bringen müssen, was natürlich viel Zeit und Mühe gekostet hätte.

Durch den von AEC3 für Kwartier erstellten Informationsanforderungskatalog in BIMQ konnten wir sehr gut verdeutlichen, welche Informationen fachspezifischen Modelle enthalten könnten, welche die Software bereits unterstützt und was angepasst werden muss.

2. Machen Sie am Anfang kleine Schritte

Es ist wichtig, mit kleinen Schritten zu beginnen. Es könnte schnell unübersichtlich werden, wenn Sie versuchen, die Informationsanforderungen für alle Anwendungsfälle aller Phasen in einem Schritt zu definieren. Wir haben mit der Definition der Informationsanforderungen für einen Anwendungsfall der Vorplanung begonnen. Kresings Architektur überwachte und steuerte die Änderungen im Anforderungskatalog. Der Anforderungskatalog wurde schrittweise aktualisiert, wenn eine neue Informationsanforderung auftrat, wesentliche Änderungen in der Planung selbst vorgenommen wurden oder bevor ein neuer Prozess begann.

3. Anforderungen an die automatisierte Übertragung von Informationen in bevorzugter Software

Es ist auf jeden Fall wichtig, den LOD möglichst automatisiert in Autorensoftware zu bringen. Da unser Anforderungskatalog auch die Anleitung enthält, wie die Eigenschaften in einer Modellierungssoftware benannt werden müssen, konnten unsere Planer die aus BIMQ generierten Eigenschaftsvorlagen verwenden, um sie in ArchiCAD zu übertragen. Die Eigenschaften werden dabei automatisch Objekten zugewiesen, sodass die Planer für jedes Objekt die erforderlichen Eigenschaften aus BIMQ direkt wiederfinden und nach Vorgaben befüllen können.

4. Denken Sie über Schnittstellen nach und verstehen Sie den Datenaustausch mit offenen Formaten

Die Baubranche möchte schon jetzt zu einer modellbasierten Arbeitsmethode übergehen und Daten mithilfe von BIM-Workflows austauschen. Jeder Planer verwendet eine andere Software, deshalb müssen wir offene Formate für den Datenaustausch verwenden. Die meisten Schnittstellen bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten und Filtern.

Es ist nicht immer transparent, welche Informationen automatisch in IFC exportiert oder wo diese Informationen im IFC-Modell gespeichert werden. Wirklich wichtig ist jedoch, wie dieser Prozess aussieht und wie Informationen exportiert werden sollen. Welche Informationen müssen exportiert werden, wie breit ist der gewählte Filter? Wenn wir unsere ArchiCAD-Modelle in IFC exportieren, müssen wir sicherstellen, dass die erforderlichen Eigenschaften in den korrekten Eigenschaftssätzen gespeichert werden.

5. Erkennen Sie die Informationsbedürfnisse jedes Planers und arbeiten Sie kollaborativ

In unserem Projekt wurden wir als Auftragnehmer nicht explizit mit der BIM-Planung beauftragt. Wir haben daher unsere Prozesse aus Eigeninitiative intern so eingerichtet, dass wir mit modellbasierten Workflows effizient arbeiten können. Die Planer waren bereit und motiviert, sich an der Definition der Informationsanforderungen zu beteiligen, um den Datenaustausch zu verbessern.

Wir haben die Fachplaner gebeten, Wunschlisten zu erstellen, um die notwendigen Informationen für die Durchführung eigener Aufgaben oder Prozesses zu erfassen. Wir bezeichnen diese erforderlichen Informationen für einen Prozess als Informationsanforderungen des Planers, was meiner Meinung nach noch wichtiger ist als die Informationsanforderungen unser Kunden in bestimmten Projekten.

BIMQ erleichtert diesen Prozess. Wenn ein Planer Informationen von einem anderen Planer benötigt, weiß er, dass diese Informationen zu dem bei BIMQ online gespeicherten Informationsanforderungskatalog hinzugefügt werden sollten. Wir haben auch Kommentarbereiche für die Planer ergänzt, damit sie ihren eigenen Informationsbedarf angeben und sich einen guten Überblick über ihre Zuständigkeiten bei der Informationslieferung verschaffen können.

© AEC3 Deutschland GmbH
BIMQ-Eigenschaften in Archicad 22
Autoren

Burcu Esen Barutcu studierte in Istanbul an der Yeditepe Universität Architektur und erwarb 2016 an der Hochschule für Technik in Stuttgart einen Internationalen Projektmanagement Master. Seit 2010 befasst sie sich mit der BIM-Materie. Bei AEC3 verbindet sie seit 2015 ihr Know-how bei BIM und Projektmanagement. aec3.de


Carsten Klempin studierte an der ISB Berlin Bauingenieurwesen und an der TU Dresden Informatik. Er befasst sich seit Anfang der 1990er Jahre mit 3D-CAD-Software und seit 2002 mit BIM. Als Experte schulte er Anwender in BIM-Werkzeugen und -Prozessen. Seit 2017 berät und betreut er für AEC3 Firmen bei der Einführung von BIM. aec3.de

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