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01.06.2023 | Tilman Liebchen

Innovation: Intelligente Software für die Baubranche erleichtert Vertrags- und Zahlungsmanagement

BIM optimiert nicht nur die Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden. Mit derartigen digitalen Bauwerksmodellen ist es auch möglich, komplexe Vertragskonstellationen zu vereinfachen und Verzögerungen in der Zahlungskette zu vermeiden. Das Projekt BIMcontracts hat eine innovative Software-Lösung entwickelt, die BIM mit sogenannten Smart Contracts verbindet. Mit Hilfe dieser intelligenten Verträge kann das Aufgaben-, Vertrags- und Zahlungsmanagement leichter und kostensparend umgesetzt werden. Abstimmungen zwischen den Vertragspartnern werden vereinfacht und Zahlungen an Nachunternehmen erheblich beschleunigt.

 

Laut Statistischem Bundesamt haben die Baukosten im ersten Quartal 2023 gegenüber dem Vorjahr weiter angezogen. Bei konventionell errichteten Wohngebäuden zum Beispiel stiegen sie im Vergleich zum Vorjahr um 15,1 Prozent. Aufgrund der zugleich höheren Kreditzinsen sind viele private Bauherren, aber auch mancher Bauträger nicht mehr in der Lage, ihre Bauvorhaben zu finanzieren. Bereits im Januar 2023 ging der Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 5,8 Prozent zurück. Beim Umsatz war im gleichen Zeitraum sogar ein Rückgang um 9,5 Prozent zu verzeichnen. Bauunternehmen stehen immer häufiger vor der Herausforderung, wegbrechende Aufträge kompensieren und Liquiditätsengpässe überwinden zu müssen. Die Beschleunigung von Zahlungsvorgängen ist dabei ein wichtiger Ansatz.

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) im Rahmen des Technologieprogramms Smarte Datenwirtschaft geförderte Forschungsprojekt BIMcontracts hat deshalb eine Lösung entwickelt, mit der sich das Vertrags- und Zahlungsmanagement erheblich vereinfachen und dadurch auch beschleunigen lässt. Davon profitieren zum einen die Hauptunternehmer, weil die Koordination und Verwaltung der Nachunternehmen durch BIMcontracts vereinfacht wird. Je größer das Bauvorhaben ist, desto komplexer und unübersichtlicher können die Vertragsstrukturen sein, denn meist sind daran viele verschiedene Akteure aus Handwerk, Projektplanung oder Rechtsberatung beteiligt. Aber auch die Vorteile für die Nachunternehmen liegen auf der Hand: Ihre Leistung wird schneller abgenommen, ihre Rechnung im Anschluss daran automatisch beglichen.

Die traditionelle Zahlungsabwicklung im Baugewerbe – langsam und intransparent

Der Zahlungsverkehr läuft im Bauwesen im Wesentlichen noch immer weitgehend analog ab. Generalunternehmen vereinbaren per Papiervertrag mit Nachunternehmen, bis wann welche Leistungen zu welchen Konditionen zu erbringen und zu bezahlen sind. Ein Beispiel: Im Vertrag ist festgelegt, dass das Nachunternehmen bereits für bestimmte Teilleistungen bezahlt wird. Ist eine dieser Teilleistungen erfüllt, stellt das Nachunternehmen dafür schriftlich eine Rechnung an das Generalunternehmen. Damit diese ausbezahlt werden kann, prüft die Bauleitung, ob die Leistung wie vereinbart ausgeführt wurde. Werden Mängel festgestellt, wird die Rechnung vom Generalunternehmen gekürzt und der geänderte Betrag überwiesen. Für das Nachunternehmen ist der geänderte Betrag oft nicht nachzuvollziehen. Die Aufklärung erfordert weitere Aufwände, mitunter führt die fehlende Transparenz auch zu Missverständnissen zwischen den Vertragspartnern.

Wie verbessert BIMcontracts die Zahlungsvorgänge?

Die Papierverträge bleiben auch bei BIMcontracts erhalten, werden jedoch digitalisiert und mit den Daten des BIM-Modells verknüpft. Der Vorteil: Alle Vertragspartner haben jederzeit Zugriff auf die Verträge, in denen auch die zu erbringenden Leistungen verzeichnet sind. Sie können sogar jederzeit und für alle anderen Vertragspartner transparent kennzeichnen, wenn die Leistungen erbracht sind.

In BIMcontracts geschieht das ganz einfach per Software. Das Nachunternehmen kann darüber bereits auf der Baustelle den Vollzug eines Auftrags an das Generalunternehmen übermitteln. Die Bauleitung kann nun umgehend die Ausführung des Auftrags bestätigen und löst damit automatisch die Zahlung an das Nachunternehmen aus. Gibt es Beanstandungen und Zahlungsabzüge, werden diese ebenfalls übermittelt und sind für das Nachunternehmen sofort und vollkommen transparent einsehbar, sodass es schnell, etwa durch Nachbesserungen, reagieren kann.

BIMcontracts gewährleistet transparentes und zugleich manipulationssicheres Vertragsmanagement

Das Vertragsmanagement wird bei BIMcontracts weitgehend über sogenannte Smart Contracts (intelligente Verträge) abgewickelt. Sie ermöglichen es, dass bestimmte Anweisungen, wie beispielsweise Zahlungen nach bestätigter Leistungserbringung, automatisch ausgeführt werden. Smart Contracts basieren auf der Blockchain-Technologie, wodurch die Änderungen auf dieser Datenbank für alle Teilnehmenden ersichtlich und nachvollziehbar sind. In den Smart Contracts von BIMcontracts werden Regeln und Ausführungsanweisungen zu den Verträgen der Baupartner in einer Blockchain hinterlegt, wie beispielsweise eine automatische Zahlungsanweisung bei bestätigter Auftragserfüllung. Auf diese Weise können die Vertragsparteien auf alle vertragsrelevanten Daten jederzeit per Software zugreifen. Zugleich sind die Daten sicher und datenschutzkonform vor Dritten geschützt

Vielfältige Anwendungsszenarien

Das automatisierte Zahlungs- und Vertragsmanagement von BIMcontracts wurde bereits in der Praxis von Bauunternehmen erprobt. Weitere Anpassungen und Serviceleistungen, etwa für den Tiefbau, sind angedacht. Zudem bestehen weitere Anwendungsmöglichkeiten auch für die Instandhaltungsphase von Gebäuden und Bauwerken.

BIMcontracts nutzt Daten als Wirtschaftsgut

Die grundlegende Idee hinter BIMcontracts ist es, digitale Daten zu nutzen, um aus ihnen Mehrwerte zu generieren. Das Wertschöpfungspotenzial der Digitalisierung von Daten liegt hier vor allem in der Reduktion der Verwaltungstätigkeiten bei Bauprojekten. Auch in anderen Projekten des Technologieprogramms Smarte Datenwirtschaft wurden Lösungen entwickelt und erprobt, mit denen sich Prozesse optimieren lassen. Die Anwendungsgebiete reichen dabei von der Bauwirtschaft wie im Beispiel von BIMcontracts über die Logistik (etwa zum sicheren Dokumentenaustausch oder einem erleichterten Management internationaler Lieferketten) bis hin zum optimierten Zusammenspiel von Anwendungen in der Prozessindustrie (zum Beispiel durch eine ökonomische und nachhaltige Produktionsgestaltung).

Weitere Informationen zu BIMcontracts sowie zu Ansprechpartnern finden Sie hier.

© Gorodenkoff - stock.adobe.com
Autor


Tilman Liebchen arbeitet am Institut für Innovation und Technik in der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH. Das Institut ist Teil der Begleitforschung des Technologieprogramms Smarte Datenwirtschaft.

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