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Johannes Budig

Getestet: Smartphone CAT S61

Service

Wenn Caterpillar ein Smartphone für die Baustelle anbietet, sollte es für die Bedingungen auf dem Bau optimiert sein. Davon ist unser Tester nicht restlos überzeugt.

Das Smartphone CAT S61 fällt zunächst durch sein spürbares Gewicht auf. Grund ist der große Akku, der laut CAT eine lange Laufzeit verspricht. Das Gewicht ist ungewöhnlich, hat aber zwei positive Nebeneffekte: Das Smartphone liegt gut in der Hand und vermittelt sofort, was es ist: ein Werkzeug und kein Lifestyle- Produkt.

Für Android-Nutzer ist die Bedienung schnell zu begreifen und intuitiv. Allerdings erschweren die vielen vorinstallierten Apps einen anwenderfreundlichen Start. Das Menü ist mit (nicht installierten) Apps überfrachtet. Erste Herausforderung: Bei den Apps den Überblick zu bewahren und die produktentscheidenden Apps zu finden.

Ernüchternde Distanzmessung

Die Funktion, die uns am meisten interessierte, war die laserunterstützte Distanzmessung. Sie muss per Erstbedienung kalibriert werden. Die Anleitung erfolgte schnell und sehr einfach. Doch dann folgte die Ernüchterung: Das Gerät kann nicht den Messpunkt einfach und schnell vermessen und anzeigen. Erst muss über ein Foto der Distanzpunkt gesucht werden. 

Dass man sich im gesamten Bild im Nachhinein alle Abstände anzeigen lassen kann, ist zwar nett, aber alles andere als genau. Außerdem geht es beim Nachmessen auf der Baustelle meist nur um einen bestimmten Wert, der schnell und unkompliziert nachgeprüft werden muss.

Den Laserpunkt im Nachhinein auf einem Foto zu suchen, ist mühsam. Andere Werte im Bild abseits des Punktes stimmen fast nie mit der tatsächlichen Distanz überein. Da vom Hersteller angegeben wird, dass das Gerät nur „bis zu 8 Meter Genauigkeit auf Schätzungsebene“ leistet, würden wir immer einen zertifizierten Laserdistanzmesser dieser Funktion bzw. App des Smartphones vorziehen. Ein Laserdistanzmesser ermittelt schneller verlässlichere Daten auch auf größeren Distanzen. 

Lasermessung im Dreck

Seltsam ist auch die Nutzung des Lasers, um beispielsweise Höhen von Räumen zu messen. Hierfür muss das Gerät auf das Display (meist in den Baustellendreck) gelegt werden. Trotz Aufkantung liegen dabei alle drei Hauptbedienknöpfe im Dreck der Baustelle, was mehrfach zum unbeabsichtigten Schließen der Anwendung führte.

Dagegen ist die Funktion des internen Luftmessgerätes eine Hilfe für die Baustelle. Temperatur, Luftfeuchte und Luftbelastung sind wissenswerte Daten, die nützlich sein können. Zwar wird eine erklärende Legende für die Anzeigen vermisst, doch nach einer Eingewöhnungszeit erkennt man, dass alles relativ eindeutig und sinnvoll angeordnet ist. Dass die Messwerte nach dem Lösen des Abklebschutzes kaum schwankten und nie schlechter als „Gut“ ausfielen, schien uns beim Jahrhundertsommer ein wenig seltsam, spricht aber wohl für unsere Arbeitsumgebung im Büro.

Nützliche Wärmebildkamera

Die Wärmebildkamera ist ein tolles neues Feature, das im Arbeitsalltag sicher viele Möglichkeiten eröffnet. Gerade die Speicherung der Daten in verschiedenen Formaten als Foto und Video wie auch die relativ schnell agierende Erkennung in Echtzeit sind gut. Die Bedienung bzw. Orientierung im Interface der App ist eventuell ein wenig sperrig und bedarf der Einarbeitung, ist aber mit seinen vielen Funktionen umfangreich. Hier ist die erst einzublendende Temperaturskala – als wesentliche Aussage der App – essenziell, aber durch die zuvor einzustellende Arretierung der Temperaturdifferenz anfangs schwer zu händeln. Wer diese Funktion öfter benutzt, wird sie mit der Zeit sicher intuitiver bedienen.

Allrounder für die Baustelle

Weitere Apps wie z. B. Smart Tools mussten ergänzend installiert werden, was vom Nutzer zwangsläufig einen Google-Account erfordert. Nach der Installation ergänzen Wasserwaage, DWG-Viewer oder Belichtungsmesser gut und sinnvoll die Funktionspalette des Geräts, erhöhen aber nicht unbedingt den Anreiz, das Smartphone zu kaufen. Trotzdem nähert es sich mit den Smart Tools einem Allrounder als Werkzeug für Architekten in Sachen Bauplanung und -überwachung.
In unserem Beruf als Architekten gehört das Telefonieren zu den wichtigen und zeitintensiven Tätigkeiten. Für kurze Gespräche liegt das Smartphone auch gut in der Hand. Das große Gewicht macht jedoch lange Telefonate mühsam. Das ist bedauerlich, weil das Smartphone eine Dual-Sim-Option besitzt, die eine Nutzungsteilung in privat und geschäftlich ermöglichen würde.

Fazit

Das Smartphone CAT S61 ist ein kompaktes und gut verarbeitetes Gerät, das durch Gewicht und Haptik jene Robustheit vermittelt, die der Hersteller garantiert und wofür das Unternehmen CAT auch steht.

 

Bilder
(Bild: Caterpillar)
© Caterpillar
Autor

Johannes Budig, M. Sc. Architektur, studierte an der Bauhaus-Universität Weimar. Seit 2018 plant und betreut er Hochbauprojekte im Leipziger Büro KARO* architekten. karo-architekten.de

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