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Ronny Meichsner

Gesunder Größenwahn

Startup plant schnittstellenfreies BIM

Apple, Amazon, Emconate – so könnten im Jahr 2027 die erfolgreichsten Unternehmen der Welt heißen. Denn das Start-up Emconate aus Chemnitz will die BIM-Welt aus den Angeln heben: BIM ohne Schnittstellen. Wahnsinn oder Genie? Gründer Ronny Meichsner erzählt seinen Traum.

Die Idee zu einer neuen Software für die Baubranche entstand Anfang 2015. Damals war ich Geschäftsführer eines Unternehmens im Bereich Baumanagement. Preis- und Kostendruck ließen nur geringe Margen zu, und es entstand schnell der Bedarf nach effizienten Lösungen für Akquise, Kalkulation, Personaleinsatz und die Koordination von Projekten.

Stillstand in der Baubranche

Überall um mich herum entwickelten sich technische Möglichkeiten und Lösungen in fantastischem Tempo. Nur die Baubranche schien man vergessen zu haben. Ich kann auf meinem Smartphone die Heizung in meiner Wohnung regulieren, aber für ein Angebot oder einen Auftrag im Bau wird teilweise noch das Fax angeworfen.

Ich hatte zwei Möglichkeiten: warten, bis ein Produkt auf den Markt kommt, das meinen Bedürfnissen genügt und bezahlbar ist – oder die Sache selbst in die Hand nehmen.

Aus ersten Überlegungen heraus, das eigene Unternehmen effizienter und effektiver zu gestalten, entstand die Idee zu einer Software, die mittlerweile weit über die Anforderungen hinausgeht, für die sie ursprünglich entstanden war: Onlinedokumentation und Management von Ausschreibungen, Angeboten, Preisspiegeln und Bietergesprächen für Architekten und Handwerker

Marktrecherchen ergaben, dass eine solche Lösung noch nicht angeboten wurde. Es existieren zwar viele Softwareunternehmen in der Baubranche, und einige Lösungen sind wirklich perfekt. Allerdings handelt es sich meist um Insellösungen für spezielle Aufgabenstellungen, oder die Kosten sind so hoch, dass man als kleines oder mittelständiges Unternehmen nur schwer abschätzen kann, ob und wann sich die Investition amortisiert.

Erst Produkt, dann Kapital

In meinem Bruder Frank Meichsner fand ich den ersten Verbündeten und Mitgründer, der bereit war, ins Risiko zu gehen. Erste Skizzen und ein Mockup entstanden. Allerdings erkannten wir schnell, dass wir ohne ausreichendes Kapital bald an Grenzen stoßen. Im November 2016 flogen wir deshalb kurz entschlossen zur Investorensuche nach Kalifornien.

Das Silicon Valley  war für uns Erfahrung und Inspiration zugleich. Wir spürten förmlich, hier wird die Welt verändert. Jedes Jahr fließen im Silicon Valley mehr als 15 Milliarden Dollar Venture Capital. Firmen werden schnell und unbürokratisch gegründet und innerhalb von wenigen Monaten mit speziellen Techniken hochgezogen. Businesspläne interessieren niemand, weil sich Firmenleben, Markt und Kunden täglich ändern und Pläne deshalb keinen großen Wert besitzen. Wir besuchten Veranstaltungen, trafen Investoren und merkten schnell, dass wir erst ein kleines Produkt und einige Kunden brauchen, bevor jemand Geld bereitstellt.

Ende 2016 stieg Rico Friedrich bei uns ein. Der Schweizer verfügt über eine zwanzigjährige Erfahrung im Bereich IT Solution Design. Damit war Emconate zum Trio angewachsen.

BIM-Revolution aus Chemnitz

Als Unternehmer in der Baubranche und technisch interessierter Mensch höre ich seit ca. zehn Jahren von BIM. Mir war schnell klar: BIM ist eine tolle Sache, aber viel zu kurz gedacht. In BIM steckt ein enormes Potential, und zwar für alle am Bau Beteiligten. BIM kann und darf nicht beim Planer, Handwerker oder Facility-Manager enden.

Die Potentiale, die sich mit unserer Software bieten, sind viel größer als BIM allein. Durch eine cloudbasierte Lösung, bei der alle Beteiligten schnittstellenfrei und kollaborativ von einem Modell aus vernetzt arbeiten, Daten über Unternehmensgrenzen, über Disziplingrenzen, ja sogar über Branchen- und Ländergrenzen hinweg sinnvoll genutzt werden können, schafft man Mehrwerte in ungeahnten Dimensionen.

Die heutigen technischen Möglichkeiten lassen es zu, die Nutzer auf neuen Wegen zu verbinden und Arbeitsprozesse zu automatisieren. Wir werden in der Lage sein, ressourcenbedingtes Matching mit nahezu hundertprozentiger Treffsicherheit anzubieten und schon im Planungsstadium Materialbestellungen auszulösen. Dies ermöglicht Effizienzgewinne bei Planern, Handwerkern, Herstellern und Distributoren und schont die Umwelt.

Keine Kundenabzocke

Wir werden mit unserer Lösung völlig neue Geschäftsmodelle ermöglichen und die Bauindustrie aus ihrem Effizienzschlaf wecken – mit einer höheren Datensicherheit, als sie heute möglich ist. Unser Geschäftsmodell unterscheidet sich dabei von denen bestehender Softwareanbieter

Wir glauben, dass Software prinzipiell als Ressource verstanden werden sollte, die kostenfrei zur Verfügung steht. Erst wenn der Anwender aus dem Gebrauch der Software einen wirtschaftlichen Nutzen zieht, ist eine Software sinnvoll. Wenn sie dem Anwender nicht hilft, ist sie kein Geld wert. Einen monatlichen Betrag für die Nutzung einer Software zu verlangen ist deshalb für uns kein Geschäftsmodell, genauso wenig wie eine werbefinanzierte Software. Deshalb kann sich jeder Architekt, Planer oder Handwerker kostenfrei  auf encomate.de anmelden und die Vorteile nutzen.

Nächster Schritt: Lean Startup

Eine Erfahrung, die wir aus Silicon Valley mitbrachten, heißt Lean Startup. Das ist eine spezielle Technik, um große Projekte zu entwickeln. Dementsprechend arbeiten wir beharrlich an unserem minimal funktionierenden Produkt und entwickeln es in enger Zusammenarbeit  mit unseren ersten Kunden. Denn entgegen der Weisheit, dass viele Köche den Brei verderben, hilft uns das Feedback der Kunden, um unsere Vision zu erreichen – eine schnittstellenfreie, cloudbasierte Software als Plattform für den gesamten BIM-Prozess, von Entwurf und Planung bis zu Rückbau und Entsorgung.

Autor

Ronny Meichsner ist Mitgründer und Operations Lead der Emconate GbR (www.emconate.com). Nach einem Studium als Bauingenieur (nicht beendet) gründete er 1996 einen eigenen Baubetrieb. Von 2008 bis 2016 war er u. a. Geschäftsführer der Meichsner BauManagement GmbH.

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