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24.08.2020 | Schulz und Schulz

Geometrisches Spiel der Konstruktion

Rosenpavillon Remshalden

In Remshalden wurde die komplexe Geometrie eines Pavillons aus dem 3D-Modell heraus realisiert.

Anlässlich der Gartenschau Remstal 2019 wurde der Rosenpavillon in Remshalden als eine von 16 Stationen errichtet.

Der Rosenpavillon befindet sich an der höchsten Stelle des neuen Bürgerparks und bietet einen Rundumblick in die Landschaft. Er steht in der Tradition eines offenen Musikpavillons und ist Bühne, Treffpunkt und sichtbares Erkennungszeichen des Gartenschauareals in Remshalden.

Die fünfeckige Grundrissfigur kommt ohne Symmetrieachsen aus, was die richtungslose Offenheit und Leichtigkeit des Pavillons stärkt. Die Konstruktion besteht aus einem reziproken Stabtragwerk aus Stahl. Alle Stäbe des Daches stützen sich so aufeinander ab, dass ihre Spannweite immer weiter verringert und das Dach in mehreren Ringen geschlossen wird.

Bei gleichbleibender Höhe der Stäbe nimmt mit der Verkürzung der Spannweite in jedem aufeinanderfolgenden Ring die Neigung der Stäbe zu, sodass die Öffnung des Daches nach oben größer wird. Die Stäbe kragen seitlich zu einer dreieckigen Form aus. So bildet das Dachtragwerk durch seine Formgebung gleichzeitig die Dachhaut. Die Stützenform folgt mit der Verbreiterung an Stützenfuß und Dachanschluss dem Kraftfluss in der Konstruktion.

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Die Zeichenhaftigkeit des Pavillons resultiert aus der gestalterischen und konstruktiven Verschmelzung von Stützen, Trägern und Dachhaut zu einer räumlich komplexen Struktur, die sich mit ihrer weißen Farbe vom Grün der Umgebung und dem Blau des Himmels abhebt. Mit dem geometrischen Spiel der Konstruktion, das sich erst sukzessive beim Besuch des Pavillons vermittelt, entsteht eine Analogie zur strukturellen Schönheit der Blüte einer Rose – wie sie im benachbarten Rosengarten bewundert werden kann.

Die komplexe Geometrie des Rosenpavillons war der Grund, warum man bei der Erstellung klassischer 2D-Zeichnungen schnell an seine Grenzen geriet. Darum wurde er entsprechend der BIM-Methodik in 3D geplant. Alle 2D-Pläne wurden aus dem BIM-Modell generiert und der Ausschreibung beigelegt. Da auch die Bewerber, durchweg lokale mittelständige Schlosserbetriebe, für die Angebotserstellung wenig mit den 2D-Plänen anfangen konnten, wurde das BIM-Modell an die Unternehmen nachgereicht. Die Mengen wurden aus dem 3D-Modell ermittelt. Für die Werkplanung wurde ausschließlich mit dem Modell gearbeitet. Der Entstehungsprozess zeigt, dass BIM erfolgreich im deutschen Mittelstand angekommen ist und auf selbstverständliche Art und Weise angewendet wird.


Bauherr: Gemeinde Remshalden
Architekten: Schulz und Schulz, Leipzig
Bauleitung: Gemeinde Remshalden
Tragwerksplanung: Seeberger Friedl Planungsgesellschaft mbh, München
Landschaftsarchitektur: Prof. Schmid | Treiber | Partner, Leonberg
Baubeginn: 08/2018
Fertigstellung: 04/2019
Nutzfläche: 15 m2
Bruttogrundfläche: 15 m2
Bauwerkskosten: 82.000 Euro

© Iwan Baan
Rosenpavillon Remshalden
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