Ralf Wetzel (Hauptautor), Hendrik Faber, Cornelia Kratsch, Natalie Bräuninger
Das New Office Düsseldorf ist für RKW Architektur + zwar eines von vielen BIM-Projekten, die das Büro derzeit bearbeitet, aber aufgrund der Bedingungen und Konstellationen ein ganz besonderes. So stiegen die Architekten zum Beispiel erst in Leistungsphase 5 mit BIM in das Projekt ein – eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Zudem aber der Beweis, dass BIM auch funktioniert, wenn nicht alles von der ersten Minute an klar definiert ist. Das NOD beweist: BIM ist durchaus flexibel.
Das Projekt und seine Architekten
An der Hansaallee in Düsseldorf-Oberkassel entsteht zurzeit ein Bürogebäude, das den heutigen und vor allem den zukünftigen Ansprüchen einer modernen Arbeitswelt mit modernster und nachhaltiger Technik entspricht; bei gleichzeitig elegantem und wertigem äußeren Erscheinungsbild: das New Office Düsseldorf – kurz NOD.
Die Fertigstellung ist für Ende 2020 geplant. Danach sollen im Stadtteil Heerdt rund 2.000 Personen arbeiten. Auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Grundstück befand sich bislang die Verwaltung des städtischen Nahverkehrsunternehmens, das ehemalige Rheinbahn-Gebäude. Die Strabag Real Estate Düsseldorf hatte das Grundstück von dem Verkehrsunternehmen gekauft, nachdem dieses den Umzug in eine neue Hauptverwaltung beschloss.

New Office Düsseldorf (Gesamt); Bild: RKW Architektur +
Den Neubau mit fünf Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss plant und realisiert RKW Architektur +. Das Düsseldorfer Büro mit rund 350 Mitarbeitern gehört zu den größten Europas und vor allem zu den Vorreitern in Bezug auf Bauen mit BIM. Im Jahr 2015 stieg RKW systematisch ins Thema BIM ein. Seitdem haben viele Gruppen im Haus mit dem geregelten Produktivbetrieb begonnen. Dank rund 45 laufender oder bereits abgeschlossener Projekte mit BIM auf unterschiedlichstem Niveau wächst der Erfahrungsschatz schnell an – und damit steigen auch die Fähigkeiten der Mitarbeiter.
Die Arbeitsprozesse und ihre Herausforderungen
BIM ist vielfältig. Der gesamten Baubranche fehlt es noch an erprobten, sicheren Routinen, die quasi auf Zuruf gewährleisten würden, dass ein für alle Beteiligten erfolgreiches BIM-Projekt zustande kommt. Gerade zu Beginn, d. h., vor Vertragsschluss, braucht es eine Menge Abstimmungen, um Wünsche und Möglichkeiten zur Deckung zu bringen.
RKW Architektur + wurde von der SRE Düsseldorf für die Planungsleistungen nach HOAI 1–4 beauftragt. In diesen Phasen fand die Projektbearbeitung in AutoCAD 2D statt. Im weiteren Planungsverlauf sollte das Büro die Ausführungsplanung im Auftrag des Generalübernehmers Züblin, Bereich Düsseldorf, in einer Open BIM-Methode bearbeiten. Die vertragliche Aushandlungsphase der BIM-Methoden bestand aus drei Sondierungstreffen, zu denen Züblin jeweils in die Düsseldorfer Niederlassung einlud.
Hier wurde gemeinsam ein BIM-Projektabwicklungsplan (BAP) erarbeitet und als Vertragsgrundlage verabschiedet. Im BAP sind die Modellierungsvorgaben und Leistungsbilder der Planer sowie die weiteren Prozesse zu Modellprüfung und Modellaustausch festgelegt.

New Office Düsseldorf (Rendering); Bild: RKW Architektur +
Züblin ist für das BIM-Gesamtmanagement zuständig und kann hier mit einem sehr guten BIM-Equipment aufwarten. So gibt es einen großen, mit Smartscreen, Laptops und der nötigen Software ausgestatteten Besprechungsraum.
Seitens Züblin war die Autorensoftware Revit gesetzt, sie wurde auch vertraglich vereinbart. Bei RKW war zu diesem Zeitpunkt Revit in der Version 2016 ausgerollt (Workstations und Lizenzen), bei Züblin in der Lizenzversion 2017. Um einen nativen Modellaustausch zu gewährleisten, wurde für das Projektteam beim Architekten NOD Revit 2017 eingerichtet. Auch Projektvorlagen und grundlegende Familien wurden auf Revit 2017 upgedatet.
RKW hatte bereits in Testauszügen mit der Modellerstellung auf Grundlage der Vorplanung in AutoCAD während der Vertragsverhandlung begonnen, so dass der Einstieg in Themen wie Modellierungsregeln und Detailgrade direkt gelang.

New Office Düsseldorf (Innen); Bild: RKW Architektur +
Schwierigkeiten bereitet Revit allerdings insbesondere bei der Bearbeitung der Treppen und Details. Hier kann auf eine Bearbeitung im CAD noch nicht gänzlich verzichtet werden, sie muss planungsunterstützend parallel erfolgen. Generell wird eine Modellgenauigkeit angestrebt, die etwa einem Plan im Maßstab 1:50 entspricht. Eine genauere Detaillierung wird auch mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft eher in 2D erfolgen.
In den ersten sechs Monaten fand ein wöchentlicher Modellaustausch mit den Fachplanern statt. Alle zwei Wochen wurde ein Koordinationsmodell mit allen Teilmodellen der Planer und einem dazugehörigen Kollisionsbericht erstellt, um Unstimmigkeiten der Modelle untereinander zu bereinigen bzw. zu korrigieren.
Nach dieser Phase erfolgte nur noch ein zweiwöchentlicher Austausch, da das Modell aufgrund der trainierten Fähigkeiten aller Planungsbeteiligten weit genug fortgeschritten war. Weil das Projekt noch nicht abgeschlossen ist, findet der Austausch auch heute noch über eine Projektplattform statt.
Natürlich war es nicht das Ziel, mit jedem Modellaustausch ein kollisionsfreies Modell zu erzeugen. Es galt vielmehr, die aktuell relevanten Konflikte zu erkennen und dann priorisiert abzuarbeiten. Manches eilt und manches hat noch Zeit.
Kommunikation findet weiterhin klassisch über Telefon und Email statt. Planungsänderungen werden in Plänen eingewolkt, aber auch im Modell besonders gekennzeichnet, so dass alle Beteiligten direkt die Änderungen erkennen und übernehmen können. Insofern bewähren sich – auch bei der Bearbeitung mit BIM – gewohnte Arbeitsweisen klassischer Planungsmethoden.
Fachplaner und Modellaustausch
Auch die beteiligten Tragwerksplaner und Elektroingenieure arbeiten in Revit 2017, so dass hier im Planungsverlauf ein nativer Austausch möglich ist. Die Teilmodelle der HLS- und Freianlagenplanung werden im IFC-Format ins Koordinationsmodell im Programm Navisworks 2018 eingefügt. Eine große Herausforderung für alle Planungsbeteiligten, da der grundlegende Austauschprozess und die unterschiedlichen Einstellungsmöglichkeiten abgestimmt und erprobt werden mussten. Letztlich funktionierte aber auch diese Mischung aus Open- und Closed-BIM.
Eine hohe Effizienz sehen die Architekten insbesondere bei komplexen Baukonstruktionen in Verständnis, Darstellung und Kommunikation mit dem Tragwerksplaner. Die Überprüfung der Schlitz- und Durchbruchsplanung kann viel schneller und effektiver erfolgen, da dreidimensionale Zusammenhänge und mögliche Kollisionen im Koordinationsmodell direkt zu erfassen sind.
Es wurde entschieden, Tragwerksmodell und Architekturmodell nicht strikt zu trennen und statische Bauteile nicht nur im Tragwerksmodell darzustellen, sondern im Architekturmodell nachzumodellieren. Bei Anpassungen und Änderungen des Tragwerks stellte der Tragwerksplaner ein neues Revit-Modell zur Verfügung, das dann mit Hilfe des Revit-Tools „Kopieren und Überwachen“ mit dem Architekturmodell abgeglichen wurde. So konnten Unterschiede schnell erkannt und abgearbeitet werden.

New Office Düsseldorf (Innen); Bild: RKW Architektur +
Zusammen mit Züblins Statik-Abteilung (TBK Duisburg), die als gesetzte Tragwerksplaner ihre Planung in Form des Teilmodells Tragwerk beisteuern, trafen zwei wesensunterschiedliche Revit-Standards aufeinander, die es zu vermitteln galt. Beispielsweise zielen die Revit-Standards der Tragwerksplaner auf die umfassende Kontrolle der Rohbauelemente ab. So findet sich für fast jede individuelle Bauteilhöhe eine entsprechende Revit-Ebene samt abgestimmter Benennungsmatrix vor, die ihrerseits wiederum auf ein nachgeschaltetes Qualitätsmanagement abzielt (Klassifizierungen, die z. B. in Ansichtsfiltern zu steuern sind).
Die Revit-Projektvorlage der Architekten weist weitaus lockerere Festlegungen auf: Hauptgeschossniveaus (OKRF, OKFF, UKRD, AHD, gegebenenfalls Fassade und Fenster, Fundamente usw.). Bauteile sind weitgehend selbsterklärend benannt (Wand: RKW_STB_030) und tragen nur wenige zusätzliche Parameter, um im Programm für die Modellkontrolle komfortabel filtern zu können. Die Zuständigkeiten für die Bauteilegruppen werden über das Zuweisen von Bearbeitungsbereichen (Fassade, Rohbau, Ausbau usw.) und Geschossigkeit während des Modellierens organisiert.
Erwartungsgemäß findet man diese verschiedenen Ausprägungen beider Disziplinen (Architektur und Tragwerkplanung) im Setup der Projektvorlagen wieder. Die Statikabteilung eines Generalunternehmers kann intern einen elaborierten, in die Tiefe gehenden Standard fahren, da sich innerhalb der bauausführenden Organisation viele Teilprozesse unter einem Dach befinden und sich u. a. leicht abstimmen lassen. Man könnte diesbezüglich von einem inhouse-geprägten Blickwinkel sprechen.
Flexible Lösungen im BIM-Austausch
Landläufig wird häufig die Meinung vertreten, dass nur von Anfang an feste, fast bürokratische BIM-Regeln die Chance zu einem erfolgreichen BIM-Projekt eröffnen. Schnell kann hier BIM zum Selbstzweck werden und das zu planende Haus als Erfolg in den Hintergrund treten. Dies gilt es zu vermeiden. Beim NOD stand immer das Gebäude im Vordergrund, und BIM war erfolgreiches Mittel zum Zweck. Es war auch möglich, das Team stufenweise in immer bessere Fähigkeiten hineinwachsen zu lassen, diese Mittel optimal anzupassen und zu nutzen. Es ging also nicht um einen bürokratisch vorgegebenen Regelapparat, sondern um trainierte Fähigkeiten.

New Office Düsseldorf (TGA Kern); Bild: RKW Architektur +
Dies ist natürlich nur auf der Basis einer kooperativen Grundhaltung aller Beteiligten möglich, die ein Lernen und Einüben zulässt.
Es galt also, das rechte Maß an festen und freien Regularien zu finden. So vereinbarte man, die technische Modellprüfung bei Züblin anzusiedeln und die daraus resultierenden Berichte und Koordinationsmodelle an RKW zur planerischen Koordination zu übergeben. Man einigte sich auf eine Sammlung an BIM-Verfahren, die man als eine balancierte Mischung aus Open- und Closed-BIM-Methoden verstehen kann. Im weiteren Verlauf der Planung wurden einige Methoden immer wieder feinjustiert.
Der Architekt und seine Aufgaben
Ganz klar liegt die planerische Koordination beim Architekten. Das war schon immer seine Aufgabe und wurde in der HOAI 2013 nochmals betont. BIM wird hier als wichtiges Koordinationswerkzeug benutzt. Dass die technische Modellprüfung bei Züblin liegt, widerspricht dem nicht. Man muss die BIM-technische Koordination und die planerische Koordination gedanklich trennen, auch wenn sie sich auf das gleiche Werkzeug beziehen. Die technische BIM-Koordination ist einfach eine zusätzliche Leistung im Planungsprozess. Es ist natürlich weiterhin die Aufgabe des Architekten, die mit diesem Werkzeug erkannten Konflikte zu bewerten, in ihrer Dringlichkeit der Abarbeitung zu priorisieren und die Auflösung der Konflikte im Team zu koordinieren.
Planen mit BIM ist in erster Linie Planen und erst in zweiter Linie BIM. Vieles funktioniert in den bewährten und bekannten Prozessen, nur besser, genauer und manchmal sogar schneller.
| Projektdaten | |
Bauherr: SE Projekt 1 GmbH & Co. KG c/o STRABAG Real Estate Düsseldorf
Generalübernehmer: ZÜBLIN Bereich Düsseldorf Hauptmieter: HSBC Trinkaus & Burkhardt AG Architekten: RKW Architektur +
(Verantwortlicher Gesellschafter: Matthias Pfeifer | BIM Koordinatoren: Ralf Wetzel, Hendrik Faber | BIM Modeller: Freia Doms, Kamila Behr, Andrés Peña Gómez | AutoCAD Details: Alexander Keller) BGF: ca. 50.800 m² Parken: 361 Stellplätze
Voraussichtliche Fertigstellung: 2020 Tools der BIM-Planung
Revit 2017
Kubus BCF Manager (teilweise)
Navisworks Manage 2017 | |