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03.09.2019 | Felix Müller

Eine für alles

BIM & Netzwerk

Die Plattform BIMWORX.net bringt Ordnung ins Durcheinander der BIM-Verbände, Initiativen und Foren. Sie etabliert sich als zentrale Anlaufstelle für Architekten, Planer und Bauherren.

Vernetzung und Digitalisierung des Bauwesens und der Industrie

Die Digitalisierung der Baubranche ist nicht mehr aufzuhalten – viele sprechen auch von der Revolution einer Branche. Es verändern sich Berufsbilder, effizientere Prozesse werden geschaffen und Informationen bekommen eine ganz neue Wertschätzung. Getrieben ist diese Revolution durch Kostenexplosionen und erhebliche Terminverzögerungen bei Großbauprojekten wie dem Hauptstadtflughafen BER, dem U-Bahn-Bau in Köln, der Elbphilharmonie in Hamburg oder dem Bahnprojekt S21.

Die öffentliche Hand hat erkannt, dass der Einsatz der BIM-Methodik das Mittel zur Problemlösung sein kann. Alexander Dobrindt (CSU) sprach sich 2015 als Bundesbauminister dafür aus, das digitale Planen und Bauen bundesweit als Standard zu etablieren. Diese Vision soll durch den Stufenplan zum digitalen Bauen und Planen des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur in die Tat umgesetzt werden.

Die Methode, mit der das Ziel inhaltlich umgesetzt werden soll, heißt BIM – Building Information Modeling. Das Bauwerk bekommt einen digitalen Zwilling. Die BIM-Methodik geht allerdings über das reine Planen und Bauen hinaus und umfasst den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie. Wir reden in Zukunft über das digitale Planen, Bauen und Betreiben eines Gebäudes oder Infrastrukturprojektes. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Herausforderung für die Branche

Ob BIM zum Standard wird, ist längst keine Frage mehr. Die Umsetzung der Theorie in die Praxis ist eher das Problem. BIM setzt einen interdisziplinären Austausch voraus. Was im Projekt funktionieren muss, sollte auch schon außerhalb eines konkreten Projekts erfolgen.

Viele Benutzer und Zielgruppen betrachten das Thema aktuell aus ihrer Sicht. Architekten, Hersteller, Bauherren, Fachplaner und etliche weitere Beteiligte sind an dem Prozess beteiligt. Die unterschiedlichen Sichtweisen, gepaart mit der Flut an Informationen, führt zu einem regelrechten Overkill. Dieser Fakt wird besonders deutlich, wenn man die Suchergebnisse zu „bim building information modeling“ in den großen Suchmaschinen vergleicht. 2016 waren es lediglich 1.700.000 Suchergebnisse im deutschsprachigen Raum. Mitte 2019 bieten die Suchmaschinen bereits 13.600.000 Ergebnisse an.

Es gibt viele Verbände, Initiativen und Foren mit zahlreichen Mitgliedern, die das Thema bearbeiten und vorantreiben. Das ist richtig und wichtig. Doch der Nutzer steht vor einer Informationsflut und muss in diesem Dschungel die für ihn relevanten Daten finden. Beispielsweise findet ein Architekt u. a. bei den Architektenkammern, Softwareherstellern, Produktherstellern, Verbänden und Architektenplattformen Informationen zu dem Thema. Dabei verliert man schnell den Überblick – und auch die Lust an der Digitalisierung.

Ziel sollte es vielmehr sein, dass die Informationen unmittelbar zum Nutzer gelangen und alle Akteure in einer Plattform vernetzt werden. Die Frage nach der schlüssigen Vernetzung auf einer Plattform speziell für die Baubranche lässt sich allerdings mit „aktuell nicht vorhanden“ beantworten.

Ein gemeinsamer Code, der alles verbindet

Dieses Problem haben die Gründer der Netzwerkplattform BIMWORX erkannt. Ihre Idee besteht darin, die Informationen der Branche zu sortieren und ohne Umwege zum passenden Nutzer zu transportieren. Dafür schaffen sie ein Onlinenetzwerk, das sich an die gesamte Branche richtet.
Die Plattform ist intuitiv aufgebaut und ermöglicht eine leichte Orientierung innerhalb der einzelnen Funktionen. Der Kern ist der News-Feed, auf dem alle relevanten Informationen gebündelt werden.

Die Funktionen reichen über die Darstellung der Kompetenzen in Referenzprojekten, über die Vermittlung von Wissen in Veranstaltungen und Gruppen bis hin zum effizienten Abrufen von Ausschreibungen. BIMWORX ist so vielfältig aufgestellt wie die Beteiligten eines BIM-Projektes.
„Es war an der Zeit, geeignete Lösungen für die Vernetzung der Baubranche zu schaffen. BIM erfordert eine engere und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Sie wird von uns auf der Plattform dargestellt und vertieft“, so Gründer und Geschäftsführer Emanuel Homann, der auch Geschäftsführer von HOMANN ARCHITEKTEN ist.

Die Anmeldung auf BIMWORX.net erfolgt mit den üblichen Angaben zu Person und Firma. Außerdem wird die Arbeitsweise abgefragt (z. B. verwendete Software, Form des Datenaustauschs oder Anwendungsfall). Die Besonderheit liegt hier zum einen in der Abfrage der BIM-Spezifika, zum anderen bei der Angabe des Wirtschaftszweigs.

Hinter dem Wirtschaftszweig liegen etwa 9.500 einzelne Kategorien, die zum jeweiligen Wirtschaftszweig (z. B. Architekt, Rechtsanwalt, TGA-Fachplaner) sortiert werden. Es entstehen ein spezifischer Baubranchen-Code (BBC) und somit eine vernetzte Datenbank. Die Nutzer erhalten diverse Anwendungsfälle, die eine effiziente Informationsbeschaffung und Bereitstellung ermöglichen. Es können unter anderem Projekte, Veranstaltungen und Ausschreibungen mit dem BBC verknüpft werden.

„Mit unserer Plattform wollen wir einen Beitrag zur Digitalisierung der Baubranche leisten. Aus meiner Praxis als Rechtsanwalt kann ich sagen, dass die Branche zum Teil sehr verunsichert ist und sich sogar schon abgehangen fühlt. In unserer Projektdatenbank können Einsteiger erkennen, dass auch BIM-Erfahrene noch nicht alle Anwendungsfälle beherrschen. Wir wollen einen Erfahrungs- und Informationsaustausch fördern, der allen Akteuren Mut macht, die Digitalisierung umzusetzen“, erklärt Cornelius Homann, Inhaber von HOMANN Rechtsanwalt und Gesellschafter der BIMWORX GmbH.

Wozu das Alles? Die Anwendungsfälle sind vielfältig und der Nutzen wird schnell an einigen Beispielen deutlich.

Ein Architekt kann seine Projekte präsentieren und über seine Referenzen schnell und einfach gefunden werden. Die Frage, welcher Architekt mit Software XY plant, sich auf Krankenhausbau spezialisiert hat und entsprechende Referenzen aufweist, lässt sich mit Hilfe weniger Klicks (z. B. für Bauherren) beantworten. Außerdem kann der Architekt in Zukunft bei Bewerbungen um Aufträge sein Portfolio als PDF-Datei aufbereitet und standardisiert herunterladen. Einmal gepflegt, kann hierdurch wertvolle Zeit im Büroalltag gespart werden.

Interessengemeinschaften, Verbände und Initiativen können sich über die Gruppenfunktion organisieren. In geschlossenen Gruppen können die Mitglieder Arbeitspapiere austauschen, entwickeln und am Ende für die jeweiligen Empfänger publizieren. Die Information kann so direkt auf dem News-Feed des Nutzers angezeigt werden.

Bauherren können in Kürze ihre Ausschreibungen bereitstellen. Der Bauherr sendet beispielsweise eine Ausschreibung für TGA-Planung direkt auf den News-Feed der TGA-Fachplaner. Der TGA-Fachplaner wiederum erhält nach dem Login die für ihn relevanten Informationen mit der Ausschreibung auf einen Blick bereitgestellt. Dies gilt selbstverständlich auch für die anderen Gewerke eines Bauwerkes.

Produkthersteller erhalten die Chance, ihre Produkte und BIM-Objekte speziell für ihre Zielgruppe anbieten zu können. Doch die Objekte sollen nicht nur einfach in einer Datenbank abgelegt werden. Hersteller können ihre Objekte erstmals auch in den Referenzprojekten auf der Datenbank verlinken. Anwender bekommen damit die Möglichkeit, anhand von Referenzprojekten Bauprodukte mit den zugehörigen BIM-Daten zu finden, um sie im eigenen Projekt verwenden zu können. Dies bietet vielfältige Auswertungsmöglichkeiten. So lassen sich auch spezifische Fragen beantworten, beispielsweise, welche Fußböden in Schulen eingebaut werden.

Akteure der Branche erhalten schließlich alle relevanten Informationen an einem Ort. Über den Baubranchencode von BIMWORX ist alles klassifizierbar und damit adressierbar. Die Anwendungsfälle sind so vielfältig wie auch spezifisch nutzbar. Verschiedenste Szenarien lassen sich auch auf andere Berufsgruppen der Branche übertragen.

Fazit

Das Ende 2018 live gegangene Onlinenetzwerk versammelt die Branche an einem digitalen Ort. Auf der kostenlosen Plattform BIMWORX.net können Experten und Interessierte persönliche Profile und Firmenportraits anlegen, Partner und Projekte verknüpfen, Ausschreibungen publizieren, Veranstaltungen finden, ihr Wissen für die moderne Baubranche teilen und abrufen. Ein Kontaktpunkt für die Bedürfnisse der Branche. Besonders die interdisziplinäre Kommunikation steht im Vordergrund. Ein Forum für die Zukunft des Bauens – ganz nach der Vision der Gründer: „Wir organisieren eine Revolution.“

 

Bilder
Startseite BIMWOX.net (Bild: BIMWORX)
© BIMWORX.net
Autor

Felix Müller, M. A. ist bei BIMWORX Ansprechpartner rund um die Plattform. Er schloss sein Studium als Bachelor in Business Psychology (B. Sc.) an der FH Bielefeld ab. Bereits während des Masterstudiums im Bereich Integrated Management nahm er seine Tätigkeit bei BIMWORX auf. bimworx.net

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