Im Oktober 2017 wurde auf der Messe Expo Real in München die zweite Publikation BIM für Architekten: Leistungsbild, Vertrag, Vergütung vorgestellt. Die 90-seitige Broschüre stellt das Leistungsbild Objektplanung BIM BAK dar und gibt dazu detaillierte Anwendungshinweise. Die vorgeschlagenen Besonderen Leistungen nach HOAI werden Punkt für Punkt erläutert.
Darüber hinaus stellt die Publikation konkrete Klauselvorschläge für Architektenverträge mit BIM bereit und orientiert über die Grundregeln des modellbasierten Planens. Im Anhang werden auch die Themen Urheberrecht, Datenschutz und Berufshaftpflichtversicherung für BIM-Leistungen erläutert.

Cover der Broschüre BIM für Architekten: Leistungsbild, Vertrag, Vergütung
Die BAK möchte aber nicht nur informieren und aufklären, sondern auch das Wissen transferieren. Die Architektenkammern der Länder sind öffentliche Körperschaften, deren gesetzlicher Auftrag die Aus-, Fort- und Weiterbildung für die über 130.000 Architekten, Stadtplaner, Innenarchitekten und Landschaftsarchitekten ist. Diesem Auftrag kommen die Kammern auch beim Thema Digitalisierung nach.
Am 15. September 2017 verabschiedete der BAK-Vorstand eine abgestimmte und bundesweite Strategie zum Thema BIM-Weiterbildung und befürwortete eine gemeinsame Marke mit dem Titel BIM Standard Deutscher Architektenkammern. Alle 16 Länderkammern einigten sich darauf, ein abgestimmtes und qualifiziertes Curriculum zu entwickeln. Eine flächendeckende BIM-Fortbildung führt dazu, dass Architekten sich über die BIM-Methode weiterbilden, diese in ihren Büros implementieren und so die Rolle des Architekten im digitalen Prozess stärken können.

Logo des BIM Standards Deutscher Architektenkammern
Mit diesem bundesweiten Ausbildungsstandard möchten die BAK und ihre Architektenkammern der Länder für höchstmögliche Qualität sorgen.
BIM in kleinen Bürostrukturen
BIM ist eine Planungsmethode, die die Prozesse transparenter und sicherer machen kann. Architekten arbeiten zunehmend mit ihr. BIM wird die Planungsprozesse verändern. Wichtig ist, dass bei der Digitalisierung der Planung der bewährte qualitätssichernde Grundsatz der Aufgabenteilung zwischen unabhängiger Planung und überwachter Bauausführung erhalten bleibt.
Zudem ist BIM eine Technologie, die dort einzusetzen ist, wo es sinnvoll ist. Es gibt heute schon kleine Büros, die erfolgreich mit BIM arbeiten – es ist also nicht unbedingt eine Frage der Größe des Büros, sondern eine Frage der Planungsaufgabe und der Anforderungen des Bauherrn. BIM bedeutet Management von Planungsinformationen. Der Architekt steht mit seinem ganzheitlichen Wissen, mit seinem Überblick über die Planung, Fachplanung und die Ausführung im Zentrum – die Verortung des Managements an dieser Stelle ist folgerichtig.
Gerade kleine Strukturen müssen auf die Digitalisierung des Planens und Bauens vorbereitet werden. Die Architekturbüros in Deutschland sind sehr kleinstrukturiert. In 80 Prozent der Büros arbeiten ein bis vier Mitarbeiter (Quelle: BAK-Statistik 2016). Doch genau diese kleinen Strukturen führten dazu, dass Deutschlands Wirtschaft in den vergangenen Jahren die Hochs und Tiefs der weltweiten Konjunktur sehr gut überstand. Die kleinen Strukturen können die konjunkturellen Dellen besser abfedern als eine von Großindustrien geprägte Volkswirtschaft.
Bei der Implementierung von BIM gilt es daher, darauf zu achten, dass diese Strukturen keinen Schaden erleiden, etwa durch Benachteiligung kleiner Bürostrukturen bei der Auftragsvergabe der öffentlichen Hand. Bei Anerkennung des großen Potentials, das BIM bietet, ist diese kleine Körnung als ein unbedingt erhaltenswertes Gut für Planungsvielfalt, für Baukultur und vor allem für die Qualitätssicherung zu erhalten. Der sorgsame Umgang mit dieser Mittelstandsstruktur muss Primat auch bei der Einführung von BIM in Deutschland sein.