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Gabriele Seitz

Die deutsche Baubranche im digitalen Wandel

Standpunkt der Bundesarchitektenkammer zu BIM

Das Thema BIM beschäftigt auch die Bundesarchitektenkammer. Neben der Arbeit in den Fachgremien und der Erstellung von BIM-Handbüchern achtet die BAK auf den Schutz der kleinen Architekturbüros. Sie dürfen durch BIM nicht benachteiligt werden.

Die Europäische Kommission zählt die Baubranche zu den größten Bereichen in der europäischen Industrie. Gleichzeitig bestätigt sie, dass diese bisher relativ gering digitalisiert wurde.

Im aktuellen Rolling Plan for ICT Standardisation heißt es, die Produktivität der Baubranche sei in den letzten zehn Jahren im Vergleich zu anderen Sektoren gefallen. Dieses sei durch einige Studie zu belegen. Die aktuellen Prozesse verhindern die Optimierung der Projektabwicklung und können zu höheren Kosten und zu längeren Ausführungsfristen führen.

Weiterhin heißt es dort, die Bauherren und Nutzer erhielten in der Regel schlechte Unterlagen und Informationen bei der Übergabe der Gebäude. Ein Umstand, der verbessert werden müsste.

Als Verbesserungsansatz gilt die Einführung der Methode Building Information Modeling (BIM).

Was bedeutet BIM?

Die Bundesarchitektenkammer (BAK) begleitet die neuen Entwicklungen des digitalen Einsatzes. Die BAK legte folgende Definition fest:

Building Information Modeling (BIM) bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden.

BIM und die Bundesregierung

Um BIM in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen, legte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) am 15. Dezember 2015 einen Stufenplan für die Einführung von BIM vor. Er gilt in erster Linie für den Infrastrukturbau und den infrastrukturbezogenen Hochbau.

In drei Stufen soll dieser umgesetzt werden. Die erste Stufe (bis 2017) war die Vorbereitungsphase, innerhalb derer Pilotprojekte mit BIM durchgeführt und wissenschaftlich begleitet wurden. Auf Basis dieser Erfahrungen wurden Maßnahmen zur Standardisierung initiiert und weitere Handlungsempfehlungen erarbeitet, um die zweite Stufe vorbereiten zu können.

In der aktuellen zweiten Stufe (2017-2020) soll die Zahl der Pilotprojekte deutlich erhöht werden, um über alle Planungs- und Bauphasen hinweg Erfahrungen sammeln zu können. Die Erkenntnisse aus den Pilotprojekten sollen dann als Grundlage zu Erstellung von Leitfäden, Checklisten und Mustern dienen, die in Zukunft für alle Projekte genutzt werden können. Darüber hinaus wird ein Konzept für Datenbanken entwickelt, über die das Arbeiten mit BIM deutlich erleichtert werden soll. In der dritten Stufe (ab 2020) soll BIM im Zuständigkeitsbereich des BMVI bei neu zu planenden Projekten regelmäßig angewandt werden.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) initiierte im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau fünf BIM-Forschungsprojekte. Zudem gibt es einige Pilotprojekte wie das Berliner Humboldt Forum, die Deutsche Botschaft in Wien, das Bundesamt für Strahlenschutz sowie die Physikalische Technische Prüfanstalt, die die Anwendung der BIM-Methode untersuchen.

Im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) werden mit der Förderinitiative Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse Mittelstand und Handwerk bei der Digitalisierung und Anwendung von Industrie 4.0 unterstützt.

Da digitale Methoden die Geschäftsprozesse verändern können, sollten diese evaluiert und untersucht werden. Mit der Förderinitiative eStandards: Geschäftsprozesse standardisieren, Erfolg sichern werden daher vor allem kleine und mittelständische Unternehmen bei der Nutzung von eStandards in Geschäftsprozessen unterstützt.

Zudem haben BMUB und BMWi gemeinsam mit den Architekten- und Ingenieurkammern sowie den Bauindustrie- und Maschinenbauverbänden einen Branchendialog – Digitalisierung im Hochbau eingerichtet. Mit dem Branchendialog soll der digitale Transformationsprozess im Planungs- und Baubereich politisch flankiert und konzentriert im Hochbaubereich unterstützt werden.

Von der neuen Bundesregierung erhofft sich die Bundesarchitektenkammer, dass eine politische Begleitung gebündelt in einem für den Bau zuständigen Ressort auf Bundesebene den Einsatz digitaler Planungsmethoden im Bereich des Planen und Bauens begleitet.

BIM und die Bundesarchitektenkammer

Unser Berufsstand erwartet, dass sich ihre Standesvertretungen mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung rechtzeitig und eingehend befassen. Die Bundesarchitektenkammer hat hierfür ein eigenes Referat Digitalisierung gegründet. Dieses bündelt, bewertet und strukturiert alle relevanten Informationen.

Vor einem Jahr wurde das Handbuch BIM für Architekten: 100 Fragen – 100 Antworten erarbeitet. Das Handbuch versteht sich als BIM-Kurzeinführung für Architekten und Ingenieure und beinhaltet in kompakter Form BIM-relevante Themen wie Planungsprozess, Kosten, Haftung für Architektur- und Ingenieurbüros.

Handbuchcover BIM für Architekten: 100 Fragen – 100 Antworten

Autor

Gabriele Seitz ist Referatsleiterin Digitalisierung bei der Bundesarchitektenkammer (BAK). Die BAK ist seit 20. Januar 2015 Gründungsgesellschafterin der planen-bauen 4.0 GmbH. Desweiteren ist die BAK Mitglied im buildingSMART e.V.

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