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Jürgen Winkler

„Die Akzeptanz für BIM steigt“

BIM und öffentliche Hand

In Nordrhein-Westfalen wird BIM offensiv eingeführt. Wir sprachen mit Petra Rinnenburger von der kommunalen Gebäudewirtschaft Köln über Ihre Erfahrungen mit BIM.

Build-Ing: Die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln setzt als eine der ersten Einrichtungen in einer Kommune BIM im Echtbetrieb ein. Warum entschieden Sie sich für die Einführung von BIM?

Petra Rinnenburger: Wir versprechen uns von der Einführung der BIM-Methode eine vereinfachte und noch besser abgestimmte Planung in früheren Leistungsphasen. Das führt zu einer höheren Kostensicherheit. Wir sind eine eigenbetriebsähnliche Einrichtung der Stadt Köln und arbeiten mit Steuergeldern. Deshalb sind wir den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber verpflichtet, qualitativ hochwertig und wirtschaftlich zu arbeiten. Zudem benötigen wir als großer Bestandshalter die Daten im Betrieb der Gebäude

Wie lassen sich mit BIM Kosten senken?

Zum Beispiel durch eine zuverlässige Kollisionsprüfung. Wir erwarten dadurch weniger Nachträge und damit verbundene Kostensteigerungen. Baulich notwendige Änderungen werden digital eingepflegt und stehen allen Projektbeteiligten zur Verfügung. Auf unseren Baustellen arbeiten wir mit einer großen Zahl an unterschiedlichen Gewerken. Mitunter sind es 25 oder 30, wenn man die zahlreichen Gewerke der Haustechnik einbezieht. Da ist es ein großer Vorteil, wenn alle Unterlagen zu jedem Zeitpunkt bei allen Beteiligten sofort auf dem neuesten Stand sind. Letztendlich vereinfacht und beschleunigt BIM damit Prozesse und hilft uns, eine der kostbarsten Ressourcen beim Bauen zu schonen: Zeit.

Vereinfacht sich durch BIM auch die Kommunikation?

Ja, das ist ein weiterer Grund, weshalb wir BIM eingeführt haben. Unsere Erfahrung ist, dass die Planer und alle Projektbeteiligten mit BIM früher, intensiver und vor allem digital miteinander reden. Die Kommunikation und Zusammenarbeit aller Fachplaner verbessert sich durch die digitale Vernetzung. Das führt zu einer höheren Qualität des gesamten Projekts und zu wichtigen Festsetzungen in frühen Planungsphasen.

Gibt es noch andere Vorteile durch BIM?

Der öffentliche Dienst ist oft gleichzeitig Bauherr und Betreiber der Projekte. Deshalb ist die verlustfreie Datenübergabe über alle Lebenszyklusphasen, vor allem der technischen Anlagen, ein großer Vorteil. So können die Daten auch nach Ende der Bauphase für die Wahrnehmung der Betreiberverantwortung, Instandhaltung, Vermietung und Reinigung verwendet werden. Das gesamte Projekt soll sich klarer und verständlicher visualisieren lassen. Das ist besonders beim Bauen für die öffentliche Hand wichtig, weil hier sehr viele Parteien eingebunden sind. Durch die frühere Abstimmung lassen sich zudem die Kosten zeitiger konkretisieren. Das vereinfacht und beschleunigt die Meinungsbildung in den politischen Gremien.

Wie hat die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln BIM eingeführt?

Damit die Einführung und Nutzung von BIM funktioniert, müssen Experten verschiedener Disziplinen zusammenarbeiten. Das sind in unserem Fall die IT-Abteilung und die jeweiligen Betreuer der Bauprojekte. Wir haben uns zusätzlich einen externen BIM-Experten hinzugeholt. Er hat unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult und die Einführung koordiniert. Wir steuern BIM mit einem agilen Team, dessen Mitglieder wir parallel derzeit zu Diplomingenieuren VDI qualifizieren lassen.

Wie viele Mitarbeiter sind mit der Einführung von BIM beschäftigt?

Derzeit arbeiten zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer IT-Abteilung an der Einführung von BIM. Drei weitere Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen Instandsetzung und Instandhaltung sowie Projektleitung und Projektsteuerung werden darüber hinaus für das Pilotprojekt qualifiziert. Außerdem ist eine Kollegin aus dem Vertrags- und Wettbewerbsmanagement mit an Bord, die Ausschreibungsverfahren und Verträge überprüft, in denen BIM angewendet wird.

Besonders wichtig ist uns, dass sich alle beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig zum Thema BIM fortbilden und sich dazu austauschen. Wir möchten unser Wissen gern weitergeben und stehen zum Beispiel innerhalb der Stadt Köln mit anderen Dienststellen in Kontakt, die zum Teil sehr interessiert an der BIM-Methode sind und ebenfalls Pilotprojekte gestartet haben. Auch in der buildingSMART-Regionalgruppe Rheinland sind wir aktiv und vernetzen uns hier mit privaten Unternehmen und Hochschulen.

Bleibt die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln bei BIM?

Wir werden erst einmal sehr genau die Vor- und Nachteile unseres Pilotprojekts auswerten. Akzeptanz und Interesse für BIM steigen aber in unserem Haus rasant. Immer mehr Abteilungen möchten ihre Projekte mit BIM abwickeln und beziehen die Methode in die Projektplanung mit ein. Wir bereiten auch weitere BIM-Projekte vor. Wir wollen daraus Standards und Rahmenparameter entwickeln, die in allen unseren Projekten Anwendung finden sollen.

Wird sich BIM bundesweit im öffentlichen Dienst durchsetzen?

Ich hoffe, dass es sich durchsetzen wird. Für die Bundesebene gibt es bereits Vorgaben aus dem Stufenplan des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Danach sollen für infrastrukturelle Projekte und für Hochbauprojekte des Bundes ab 5 Millionen Euro Bausumme die Eignung der BIM-Methode geprüft und dokumentiert werden. Nach unseren guten Erfahrungen und dem großen Interesse anderer Dienststellen der Stadt Köln bin ich überzeugt, dass BIM auf lange Sicht in allen Kommunen ankommen wird.

 

 

© HENADZ/stock.adobe.com
Symbolbild
Autor

Dipl.-Ingenieurin und Architektin Petra Rinnenburger ist seit 2014 Geschäftsführende Betriebsleiterin der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln und seit 2018 Mitglied der Geschäftsführenden Betriebsleitung und Technische Betriebsleiterin. Seit fast 30 Jahren ist sie in der Bauverwaltung tätig. Sie verfügt über langjährige Erfahrungen in der Steuerung technischer und strategischer Bauprojekte der öffentlichen Hand. stadt-koeln.de

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