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04.03.2021 | Sabine Hruschka, Peter Aubrecht

Datenautobahnen

BIM & GIS

Die ASFINAG digitalisiert das gesamte Autobahnnetz Österreichs und verknüpft es mit GIS-Daten. Das Mammutprojekt soll die Autobahnen im Nachbarland zukunftssicher machen.

Die ASFINAG plant, finanziert, baut, erhält und betreibt das gesamte österreichische Autobahnen- und Schnellstraßennetz mit einer Streckenlänge von rund 2.233 Kilometern. Die ASFINAG ist eine kundenfinanzierte und wirtschaftlich agierende Betreiberin und Erbauerin von Autobahnen und Schnellstraßen. Ziel der ASFINAG ist es, Österreichs Autobahnen- und Schnellstraßennetz zur intelligenten Straße der Zukunft auszubauen und sichere, bequeme und effiziente Transportwege zu bieten.

Die ASFINAG hat als ein über gesamt Österreich (und darüber hinaus) agierendes Unternehmen die Herausforderung der geographisch räumlich verteilten Infrastruktur. Dabei handelt es sich nicht nur um die klassischen Objekte wie das Autobahnen- und Schnellstraßennetz, Brücken und Tunnel, sondern auch um Hochbauten, Einbauten, elektromaschinelle Ausrüstungen bis hin zur Sensorik.
Aber auch ökologische Ausgleichsflächen und Waldgebiete sind entsprechend zu verwalten. Zur Erfüllung der zahlreichen Aufgaben im Unternehmen wird die ASFINAG-Welt in unterschiedlichen IT-Systemen abgebildet – von mautbezogenen Anwendungen über betriebliche Applikationen bis hin zu Systemen zur Inspektionen von Bauwerken.

Der Weg der Daten im Sinne von BIM, Bild: ASFINAG/HUSS-MEDIEN GmbH

Das Geographische Informationssystem (GIS)

Um die genannten Objekte auch geographisch zuordnen zu können, wurde vor mehr als zehn Jahren ein Geographisches Informationssystem (GIS) im Unternehmen etabliert und laufend weiterentwickelt. Das ASFINAG GIS ist im Unternehmen das führende System für räumliche Verortungen und verwaltet die o. a. Objekte in Form von GIS-Stammdaten (ASFINAG Netz, Infrastrukturobjekte) inklusive der wesentlichsten Merkmale und Attribute.

Das Autobahnen- und Schnellstraßennetz wird inklusive Kilometrierung, Rampen und unterschiedlichster Merkmale (z. B. Anzahl Fahrstreifen, Geschwindigkeiten) digital und geometrisch abgebildet. Diese Daten bzw. Folgeprodukte davon sind in zahlreichen Systemen und Anwendungen in der ASFINAG verankert. Des Weiteren werden Infrastrukturobjekte wie Brücke, Tunnel, Gewässerschutzanlagen bis hin zu Waldflächen und ökologischen Ausgleichsflächen ebenfalls geometrisch im ASFINAG GIS abgebildet.

Diese GIS-Stammdaten stellen das Bindeglied zu zahlreichen IT-Systemen im Unternehmen her. Somit beziehen sich unterschiedliche Organisationseinheiten und externe Stakeholder einerseits auf ein einheitliches Streckennetz, andererseits auf eindeutige Infrastrukturobjekte.

Das Objekt- und Maßnahmenverwaltungstool (OMT)

Neben der geographischen und geometrischen Ausprägung der Infrastrukturobjekte spielen die dazugehörigen Sachinformationen eine wesentliche Rolle. Diese werden in dafür vorgesehenen Fachdatenbanken und Anwendungen verwaltet. Hier reicht die Bandbreite unter anderem von IMT (Infrastrukturmanagementtool) über EBeH (Elektronisches Betriebshandbuch) und EbauH (Elektronisches Bauhandbuch) bis hin zu TM (Tunnelmanagement). Diese Anwendungen bilden aktuell die wesentlichsten Bestandteile der in Aufbau befindlichen¬ Plattform OMT (Objekt- und Maßnahmenverwaltungstool).

Die von der ASFINAG zu erfüllenden Berichtspflichten (Compliance, Bescheide, UVP, Inspektionen usw.) bilden wesentliche Rahmenbedingungen für diese Plattform. Termine, Intervalle, Meilensteine inklusive Erinnerungsfunktionen unterstützen die Arbeitsprozesse. Behördliche Auflagen und Maßnahmen aus Genehmigungsverfahren sowohl in der Bau- als auch in der Betriebsphase sind zu erfüllen.

Unterschiedliche betriebliche Aufgaben sind umzusetzen (z. B. Vorgaben aus RVS). Infrastrukturobjekte (z. B. Brücke, Tunnel) sind im Zuge von Bauwerksinspektionen zu warten, zu kontrollieren und zu prüfen. Nachweis- und Kontrollverpflichtungen sind zeitgerecht umzusetzen, zu dokumentieren und wenn erforderlich, sind Maßnahmen abzuleiten und deren Umsetzungen zu kontrollieren. Gem. § 4 Straßentunnelsicherheitsgesetz (STSG) sind für die Phasen der Planung, des Baus und des Betriebs der Straßentunnel auf Autobahnen und Schnellstraßen Aufgaben zu erfüllen und zu dokumentieren.

Der Bezug der o. a. Tätigkeiten zu den GIS-Stammdaten ist über die OMT-Plattform durch die GIS-Integration gewährleistet.

Mobilität ist für die ASFINAG nicht nur im Sinne des Verkehrs, sondern auch im Sinne mobiler Daten von hoher Priorität. Zu jeder Zeit und an jedem Ort auf Daten zugreifen zu können wird durch die mobilen Komponenten sowohl im GIS als auch im OMT-Umfeld ermöglicht.

Digitalisierung – der Weg der Daten im Sinne von BIM

Die 3D-BIM-Visualisierung ist nur einer der zahlreichen Aspekte. Wesentlichster Teil ist jedoch der Weg der Daten – der Prozess der Datenentstehung bis hin zu den IT-Systemen im Unternehmen. Es ist erklärtes Ziel der ASFINAG¬, die an der Quelle entstehenden Daten (z. B. Inspektion von Bauwerken, Baumaßnahmen oder Bescheidauflagen) rasch, ohne Medienbrüche und ohne Informationsverluste in die Systeme der ASFINAG zu übernehmen. Dafür werden vermehrt den Mitarbeitenden bzw. Auftragnehmern Services und Dienste (abrufbar für mobile Endgeräte) bereitgestellt, die diesen digitalen Weg der Daten ermöglichen.

Entwicklungen im Baubereich wie beispielsweise BIM oder der digitale Zwilling werden zunehmend Thema für das GIS/OMT-Umfeld und sind für zukünftige Entwicklungen zu beachten. Dass es sich hier nicht nur um Visionen, sondern um konkrete Umsetzungen in der ASFINAG handelt, zeigen die Projekte aus dem Bereich Hochbau bzw. dem Infrastrukturmanagementtool (IMT). Hier kommen bereits bei der Entstehung der Daten vor Ort entsprechende Tools und Softwaresysteme zum Einsatz, die es erlauben, die Daten bis in die Produktivsysteme des Unternehmens zu schleusen.

Voraussetzung für durchgängige digitale Datenwege sind entsprechende Prozesse und Standards, welche die Grundlage für Automatisierungen bilden. Bestehende Prozesse und Richtlinien werden laufend weiterentwickelt bzw. abhängig von unterschiedlichsten Anforderungen neue Richtlinien und technische Vorgaben aufgebaut. Schritt für Schritt entwickeln wir so den digitalen ASFINAG Highway der Zukunft.

© stock.adobe.com/metaworks
Autoren

Mag. Peter Aubrecht studierte Kartographie an der Universität Wien. Er ist seit 2003 in der ASFINAG für den Aufbau, Betrieb und Weiterentwicklung des Geographischen Informationssystems zuständig. Im Rahmen der Stammdatenverwaltung und Digitalisierung befasst er sich intensiv mit Geschäftsprozessen im Umfeld mit GIS, BIM und Tools. (Bild: ASFINAG)  asfinag.at


Ing. Sabine Hruschka absolvierte die Camillo Sitte Lehranstalt für Tiefbau und studiert berufsbegleitend BIM. Als Projektleiterin hat sie zehn Jahre lang Baustellen im Hoch- und Tiefbau für die ASFINAG abgewickelt. In ihrer Funktion als Expertin für digitales Bauen ist sie seit Oktober 2019 zentrale Ansprechpartnerin für Digitalisierung und BIM und konzentriert sich auf die Standardisierung und Weiterentwicklung im Unternehmen. (Bild: ASFINAG) asfinag.at

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