Zum Hauptinhalt springen
fileadmin/user_upload/AdobeStock_762163480_klein.jpg
/

Wird die intensive Planungsarbeit in der Frühphase der Projekte durch die HOAI ausreichend abgebildet?

Es kann bei der HOAI bleiben, denn BIM lässt sich leicht abbilden. Der Planer muss die Durcharbeitungstiefen bestimmen und bei Bedarf auch Detail-Tiefen (LOD) des BIM-Modells vertraglich fixieren. Einem Koordinationsmodell des Architekten kommt hohe Bedeutung bei, denn es ist auch in Zukunft nicht davon auszugehen, dass in einem einzigen Modell gearbeitet wird.

Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen gab die Broschüre BIM AKNW heraus. In diesem Dokument sind praxistaugliche Vorschläge enthalten für ein Leistungsbild und auch Vertragsklauseln. Richtgrößen für die Honorarermittlung bei BIM-Planungsprojekten sind gegeben und auch Anregungen, die Besonderen Leistungen zu monetarisieren.

Wie sollten BIM-Verträge gestaltet sein?

Grundsätzlich sollte es eine klare Abgrenzung der jeweiligen Leistungsbereiche und -pflichten geben. Planungsfehler, Hard- sowie Softwaremängel, Kompatibilitätsprobleme von Modelldaten, Urheberrechtsverstöße oder auch Datendiebstahl sind Haftungsthemen, über die man vertraglich nachdenken sollte. Mein Rat: konsultieren Sie einen Fachanwalt. Auf der BIMconvention empfahl Dr. Fehrenbach von Taylor Wessing, in die besonderen Vertragsbedingungen (BVB) entsprechende BIM-Klausen aufzunehmen sowie über Projekt- bzw. Projektkostenversicherungen zu versuchen, ein potentielles Risiko handhabbar zu machen.

Trifft es zu, dass bislang nur wenige Planer und Architekten die notwendige Qualifikation zum Umgang mit BIM besitzen?

Deutschland hinkt noch ein bisschen hinterher, holt aber schnell auf. Arnim Spengler vom BIM-Cluster NRW gab im Rahmen der BIMconvention 2017 in Aachen z. B. einen Überblick über die Lage zu BIM in Bund, NRW wie Kommunen und stellte in diesem Zusammenhang auch den Stufenplan des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur zur Einführung der Methode vor. Erfreulich ist, dass Deutschland Vorreiter zur Weiterentwicklung der IFC-Schnittstelle ist und auch, dass Nordrhein-Westfalen im europäischen Rahmen als Spitzenreiter der Digitalisierung angesehen wird.

Jeder, der zögert, sollte sich fragen, wie Architekten ihren Anteil an der Wertschöpfungskette absichern können. Die Planer müssen die zentrale Funktion der Verwaltung des 3D-Modells als Kernkompetenz annehmen und auch die daran angeschlossenen Funktionen zu einem großen Teil mit verwalten. Daher sind alle Architekten gut beraten, zukünftig schon bei der Aufstellung von Auftraggeber-Informations-Anforderungen (AIA) mitzuwirken und diese im eigenen Interesse mitzugestalten.

Teilen Sie die Einschätzung, dass es neben dem Problem der softwaretechnischen Schnittstellen auch ein kommunikatives Schnittstellenproblem gibt? Oder anders formuliert: Müssen Architekten und Planer einerseits und Bau- und Ausbaugewerke sowie Bauherren andererseits nicht viel intensiver ins Gespräch kommen für die Implementierung von BIM?

Es kann nicht oft genug gesagt werden, dass es sich bei Building Information Modeling nicht etwa um eine Software handelt. Es ist eine Methodik, die ein Umdenken im Umgang mit Planungsdaten und -prozessen erfordert. Eine Herausforderung ist sicherlich, allen beteiligten Gewerken, den Architekten und auch der Bauherrenschaft zu vermitteln, was es für den BIM-Erfolg braucht: Ein Denken und Handeln aller im Maßstab des Gesamtprojekts – und zwar in sämtlichen Planungs- und Realisierungsphasen eines Gebäudes. Dazu gehört auch, die Belange des Gebäudebetriebs frühzeitig im Blick zu halten.

Die Büroleitung respektive das Management hat bei Einführung der Methode auch eine primär kommunikative Aufgabe. Sie muss eine Strategie in einer organisierten Kooperation umsetzen, damit die speziellen Leistungen entstehen. Die Bürostruktur wiederum reagiert simultan mittels Kommunikationswegen, diversen Anlaufstellen bzw. Betriebsfunktionen. Stimmung, Atmosphäre und Geist lassen sich unter dem Begriff Kultur summieren. Sie ist es auch, die latente, formale und informelle Regeln erlässt und anwendet und selbstverständlich auf das Management einwirkt. Soll nun Veränderung passieren, muss sich dieses Geflecht in Gänze bewegen. Ein Prozess, der neben harter Analyse auch viel Fingerspitzengefühl und Intuition erfordert.

Ist BIM im Hochbau möglich, der viel komplexer ist als zum Beispiel Brückenbau?

Ja, definitiv. Unsere Kunden kommen oft aus der Industrieplanung und bewegen sich in hochinstallierten Gebäudemodellen. Verschiedenste Fachgewerke – Architektur, Statik, Licht, Akustik, Garten/Landschaft, Prozesse, Anlagen, TGA, FM usw. – gehen dort miteinander um. BIM spielt gerade dort seine Vorteile aus, denn Planung wird transparent und Mehrarbeit vermieden. Fehlerbeseitigung passiert kostensparend und schnell.

Sind Ihnen Bauprojekte im Bereich Geschosswohnungsbau bekannt, die konsequent mit BIM realisiert wurden?

BIM ist grundsätzlich für jedes Bauplanungsgeschehen geeignet. Aktuell arbeiten wir auch an solchen Projekten. Spannend ist in diesem Fall, dass BIM nicht nur seine Stärke ausspielen kann, wenn der Wiederholungsfaktor hoch ist, sondern auch, wenn es um viel Individualisierung (z.B. von einzelnen Mietflächen) geht.

Interview: Jürgen Winkler

 

Bilder
© (Bild: BIMcon2016)
Autor

Dipl.-Ing. Architekt Hagen Schmidt-Bleker gründete nach seinem Architekturstudium 1999 das Unternehmen formitas mit Sitz in Aachen, das sich u. a. mit der Einführung und Verbreitung von BIM beschäftigt (www.formitas.de). Hagen Schmidt-Bleker ist Vorstandsmitglied des competence center BIM e.V. und Mitinitiator der buildingSMART-Regionalgruppe Rheinland.

Themen
Kommentare
  • Keine Kommentare
Diesen Artikel teilen
Links
Anzeige