16.11.2021 |
Nazereh Nejat, Marc-André Einert
Die wachsende Komplexität moderner Bauprojekte bedarf neuer agiler Prüfungsmethoden, um beherrschbar zu bleiben. BIM Model Checker gewinnen daher
rasant an Bedeutung.
Groß ist die Vielzahl und eng die Verzahnung von Gewerken wie z. B. Heizungs- und Sanitärleitungen bzw. -elementen, Lüftungskanälen und -auslässen oder unterschiedlichster Elektroinstallationen. Zur Kollisionsvermeidung und Qualitätssicherung kommen zunehmend BIM Model Checker zum Einsatz. Auf Basis der vorhandenen Daten kann praktisch alles analysiert und planungsbegleitend überprüft werden.
Im Rahmen von Modellprüfungen werden neben der allgemeinen Validitäts- und Plausibilitätsprüfung der IFC Modelle auch gewerkespezifische Plan- und Modellprüfungen durchgeführt. Für die Gebäudetechnik steht die BIM-basierte Qualitätssicherung durch re- gelbasierte Modellpr üfungen mit BIM TGA Model Checks im Mittelpunkt. Mit einem TGA Model Check lassen sich die Risiken eines TGA-Modells beispielsweise bei der Planung des Brandschutzes oder der Rohre und beheizten Elemente durch regelbasierte Model Checks bedeutend reduzieren. Hinterlegte Regeln in diesem Modell-Check adressieren Themen aus Bereichen wie TGA-Planungsqualität, Gebäudeperformance, Zertifizierbarkeit, Geneh-migungsfähigkeit, Wartbarkeit und vor allem Sicherheit.

Bild: TÜV SÜD Advimo/HUSS-MEDIEN GmbH
Einzelne Module für jede Vorschrift
Der BIM Model Checker für TGA-Planung setzt sich aus diversen Modulen zusammen, wie etwa auch für Brandschutz oder HKL-Anla-gen etc . Unter jedem Modul werden Regelsätze und darunter einzelne Regeln aufgesetzt, die dann prüfen, ob die Planung des jeweiligen Mo- duls den dazugehörigen Vorschriften ent- spricht. Im Brandschutzmodul wird beispielsweise geprüft, ob die geplanten Installationen den Brandschutzvorschriften wie z. B. DIN 4102 — Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen, MLAR — die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie und insbesondere die Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Lüftungsanlagen (Muster-Lüftungsanlagen- Richtlinie M-LüAR) entsprechen.In der Anwendung der Regelsätze werden in einer Kaskade mehrere Einzelregeln kombiniert.
Diese mehrfach geschachtelten Prüf- abläufe ermöglichen so, Bauteile oder Elemente von Leitungsanlagen auf eine durchgehende Modellierung zu prüfen und in deren Umge- bung befindliche andere Bauelemente und Gewerkeinstallationen aufzuspüren. Diese Prüfmatrizen ermöglichen so auch komplexere Anwendungsfälle, wie erforderliche Abstände und Freiräume oder im Umkehrschluss gewünschte Berührung zu ermitteln und auszuwerten. Insbesondere bei Hochbauelementen mit Anforderungen an den Widerstand gegen Brand- und Rauchübertragung kann so eine normenkonforme Planung von Brandabschottungen oder Mindestabständen zwischen brennbaren Batteilen und
Leitungsdurchführungen vollständig automatisiert validiert werden.

Beispiel für Prüfung von Freiräumen bei Brandschutztüren, Bild: TÜV SÜD Advimo
Dies erlaubt auch bei komplexen Modellen eine sichere und beschleunigte Überprüfung der Einhaltung von Brandschutzkonzepten oder der Ausrüstung von Leitungsdurchführungen mit Brandschutzelementen und Abschottungen.Im Rahmen der Prüfmethoden für technische Isolierungen können so mit geringstem Aufwand auch die Ausrüstung von Medien mit geeigneten Dämmstoffen, durchgehende Modellierung der Dämmanforderungen und mögliche thermische oder mechanische Lücken ausgeprüft und visualisiert werden.
Ebenso werden negative Beeinflussungen z.B. durch nahe aneinander liegende Leitungen unterschiedlicher Betriebsmedien (Wärmeversorgung, Klimakaltwasser oder Trinkwasser) zuverlässig identifiziert und aufgezeigt.
Vielzahl weiterer Synergien
Die aus den Anwendungen der Regelsätze entstehenden Ergebnisse lassen sich durch gewählte Kombinationen auf eine Vielzahl von Synergien erweitern. Dazu zählen unter anderem Aussagen zu besonderen Anforderungen an die Bauausführung, Minderungen von Schallschutzeigenschaften oder besonders zu betrachtende Mehrfachbelegungen von Schächten. Auch solche fachspezifischen Anzeigen sind Bestandteil der erstellten Erläuterungsberichte der TÜV SÜD Advimo. Dort gehen sie über die tabellarischen Aufstellungen und reine Kollisionsprüfungen hinaus und bieten allen Planungsbeteiligten eine Absicherung und Mehr- werte bei der Erstellung einer fach- und normengerechten Planung. Somit wird sowohl eine effiziente und gesetzeskonforme TGA-Planung für ein reibungsloses Genehmigungsverfahren als auch eine problemlose Abnahme und maximale Verfügbarkeit und Betriebssicherheit gesichert.
Die durch den automatisierten Pr üfablauf mögliche Konsistenzprüfung umfasst eine gewerkeübergreifende und vollständige Prüfung der Pla- nungsinhalte auf die angewendeten Regelsätze und erhöht dadurch die Planungssicherheit gegenüber den zumeist manuell durchgeführten Stichproben.