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Jürgen Winkler

„BIM lässt eine Marktbereinigung erwarten“

Architekten im Interview

Freie Architekten und kleine Büros sind skeptisch, ob sie von BIM profitieren – oder ob Ihnen die neue Planungsmethodik das Genick bricht.

Matthias Holtschmidt, Head of BIM im Büro von Gerkan, Marg und Partner, kann nur teilweise Entwarnung geben. Seine langjährigen Erfahrungen machen ihn trotzdem optimistisch – BIM ist die Methode der Zukunft.

Build-Ing.: Das Büro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) zählt zu den renommiertesten Architekturbüros Deutschlands. Kommt ein Büro dieser Größe heutzutage nicht mehr an BIM vorbei, wenn es im Geschäft bleiben will?

Matthias Holtschmidt: gmp hat früh erkannt, dass die Planungsmethode BIM ein Weg sein kann, um Planungsabläufe und Projektprozesse zu verbessern und so die Projektqualität anzuheben. Dazu beigetragen hat auch der Kontakt zu unseren asiatischen und insbesondere chinesischen Planungspartnern, die die Methode BIM schon seit Längerem anwenden.

Wann fiel bei gmp die Entscheidung für BIM?

Das kommt darauf an, wie man die Frage versteht. Ein erstes großes Projekt unter BIM-Voraussetzungen – heute würde man es ein Big Open BIM-Projekt nennen – wurde von gmp zwischen 2007 und 2012 umgesetzt. Obwohl die Planungsmethode BIM zum damaligen Zeitpunkt bei gmp noch nahezu unbekannt war, konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. 2014 wurde dann ein BIM-Entwicklungsteam gegründet, um die Grundlagen von BIM zu ermitteln und die Einführung von BIM vorzubereiten.

Woher kam das Personal? Wurden die Mitarbeiter speziell für BIM geschult?

gmp verfügt seit jeher über eine sehr potente IT-Abteilung, die sich während der BIM-Einführung stark mit den softwaretechnischen Voraussetzungen von BIM auseinandergesetzt hat. Im Team mit langjährig projekterfahrenen Planungsarchitekten wurden ein Konzept für den Einsatz von BIM entwickelt und die grundlegenden Voraussetzungen zur Einführung von BIM geschaffen.
Dabei näherte man sich dem Thema BIM in einem mehrjährigen Entwicklungsprozess auf theoretischer Basis von allen Seiten. Das schuf die Voraussetzungen für einen funktionierenden BIM-Planungsprozess. In Vorbereitung des ersten BIM-Projektes wurden alle grundlegenden Voraussetzungen erarbeitet, getestet und abgestimmt. Beim ersten Pilotprojekt wurden dann die erarbeiteten prozessualen Grundlagen und Vorgaben für die Umsetzung eines BIM-Projektes geprüft und die ersten gmp-Mitarbeiter in der Anwendung der Modellierungssoftware und den erforderlichen BIM-Prozessen geschult.

Wie entwickelte sich der Personalbestand für BIM?

gmp hat sich entschieden, die Methode BIM projektweise einzuführen. Dies bedeutet, dass jeweils das gesamte Projektteam eines neuen BIM-Projektes angelernt und auf die Anwendung der Methode BIM eingestellt werden muss. Dabei greift gmp auf den vorhandenen Personalbestand zurück. Der Personalbestand hat sich deshalb aufgrund der Einführung der Methode BIM nur marginal verändert. Grundsätzlich werden die neuen BIM-Projekte aus dem vorhandenen Mitarbeiterpool besetzt. Ziel ist es, auf diese Weise alle Mitarbeiter sukzessive auf die modellbasierte Planungsweise und die Methode BIM umzustellen.

Wie war die Resonanz der Mitarbeiter auf die Einführung von BIM?

Wie bei allen Neuerungen gibt es unterschiedliche Reaktionen auf die Einführung der Methode BIM. Jeder Mensch reagiert anders, was für den einen interessant und spannend ist, mag auf den anderen verängstigend wirken. Grundsätzlich lässt sich jedoch eine überaus positive Haltung gegenüber der modellbasierten Planungsweise feststellen, insbesondere bei denjenigen, die erste Erfahrungen mit der Methode BIM sammeln konnten.

Welche technischen Voraussetzungen musste gmp für BIM schaffen?

Die Umstellung auf die modell­basierte Arbeitsweise erforderte eine neue Basis-CAD-Software. gmp hat sich für Autodesk Revit entschieden. Über den Einsatz dieser 3D-Basismodellierungssoftware hinaus bedarf es weiterer Applikationen und Softwaretools, um einen flüssigen und reibungslosen Arbeitsablauf mit der Methode BIM zu gewährleisten. Unabhängig von der Software sind alle BIM-Arbeitsplätze bei gmp auch hardwaretechnisch auf die Anforderungen der Methode BIM ausgelegt: leistungsfähige CAD-Rechner, extra große Monitore, ein arbeitsplatzbezogenes Videokonferenzsystem und VOIP-Telefonie.

Über welche Aufgaben, Fähigkeiten und Qualifikationen muss nach Ihrer Erfahrung ein BIM-Manager verfügen?

Die Rolle des BIM-Managers ist bei gmp mit etwas anderen Anforderungen versehen, als sie in den gängigen Darstellungen beschrieben werden. Die Aufgabe des BIM-Managers besteht hier in der übergeordneten Betreuung der einzelnen BIM-Projekte, dem übergeordneten Kontakt zur Auftraggeberseite in Sachen BIM, der Kontrolle der Einhaltung der prozessualen Vorgaben zur Umsetzung der Methode BIM, dem Erstellen der entsprechenden BIM-Vertragsdokumente sowie der Vorbereitung neuer BIM-Projekte.
Eine modelltechnische Kontrollfunktion im Sinn einer qualitätsbezogenen Modellprüfung – wie anderswo teilweise dem BIM-Manager zugewiesen – wird bei gmp vom BIM-Koordinator oder vom BIM-Gesamtkoordinator übernommen.

Wie definieren Sie das Profil eines BIM-Koordinatoren?

BIM-Koordinator ist bei gmp grundsätzlich für die technische Koordination der Modelle, ihre qualitative Prüfung sowie das Einhalten der BIM-Prozesse im Projekt zuständig. Dabei unterscheiden wir zwischen dem BIM-Gesamtkoordinator, der die Gesamtheit aller Fach­modelle koordiniert, und dem BIM-Fachmodellkoordinator, der für die Koordination des Modells der Fachdisziplin zuständig ist.

Gibt es in Deutschland eine qualifizierte Ausbildung für BIM-Manager oder -Koordinatoren?

Nein. Im Rahmen der Richtliniensetzung für BIM (z. B. VDI-Richtlinie 2552) wird zurzeit versucht, die Anforderungen an die Ausbildung eines BIM-Managers oder BIM-Koordinators zu definieren. Davon unabhängig gibt es in Deutschland unterschiedliche Anbieter, die eine Ausbildung zum BIM-Manager oder -Koordinator anbieten. Diese Angebote sind jedoch meist stark softwarebezogen und umreißen die Erfordernisse der Methode BIM oft nur oberflächlich. Aufgrund der weitreichenden Kenntnisse, über die ein BIM-Manager oder BIM-Koordinator verfügen muss, ist dies jedoch nicht verwunderlich.

Die wichtigste Voraussetzung für BIM-Manager oder BIM-Koordinatoren ist ein Grundverständnis für die Methode BIM und ihre Prozesse. Die BIM-Koordinatoren benötigen außerdem eine fundierte Kenntnis der benötigten Softwaretools.

Welche Vorteile hat gmp durch die Anwendung der BIM-Methodik – und welche Nachteile?

Für gmp ergeben sich keine wirtschaftlichen Vorteile in der Einführungsphase von BIM. Die Vorteile liegen eher auf der qualitativ-technischen Seite. Durch die permanente technische Prüfung der Modelle und Planungsinhalte lässt sich eine sehr hohe technische Planungsqualität erreichen. In erster Linie profitieren deshalb die Auftraggeber von BIM. Sie können auf eine eng aufeinander abgestimmte, fehlerfreiere und vollständigere (und später im Rahmen des FM nachverwertbare) Planung zurückgreifen.

Wir hoffen jedoch, dass sich nach flächendeckender BIM-Einführung und ausreichender Erfahrung der Planungsteams Synergieeffekte einstellen, die sich auch auf gmp vorteilhaft auswirken.

Sofern man bei der Methode BIM von Nachteilen sprechen kann, liegen diese in einem nicht unerheblichen zusätzlichen Arbeitsaufwand, der prozessual bedingt ist. Im Vergleich mit früheren Planungsprozessen stellen die permanente Anreicherung der Modelle mit Planungsinformationen sowie die regelmäßigen und in kurzen Intervallen stattfindenden Modellprüfungen­ und Modellkoordinationen einen nicht gerade geringen Mehraufwand dar.

Welche Auswirkungen wird BIM auf die deutsche Architekturszene haben? Kommt es zu einer Marktbereinigung?

Die sich abzeichnende Nachfrage nach Projekten, die unter Anwendung der Methode BIM umgesetzt werden sollen, lässt durchaus eine gewisse Marktbereinigung erwarten. Die konsequente Anwendung der Methode BIM erfordert einen nicht unerheblichen technischen und personellen Aufwand, der nicht von jedem kleineren Architekturbüro erbracht werden kann – auch wegen des möglichen honorartechnischen Ausgleichs. Für BIM ist eine gewisse technische und personelle Potenz erforderlich, die zugekauft werden muss, sofern sie nicht in den jeweiligen Architekturbüros vorhanden ist. Um den Aufwand hierfür möglichst gering und tragbar zu halten, bieten sich durchaus Arbeitsgemeinschaften oder Kooperativen von Architekturbüros an.

Es ist jedoch fraglich, ob die Anwendung der Methode BIM grundsätzlich für alle Projektgrößen erforderlich oder sinnvoll ist. Sicherlich wird der Aufwand, den die Methode BIM mit sich bringt, für kleinere Projekte zu groß und nicht rentabel sein. Insofern bleiben sicher Nischen erhalten, in denen sich auch kleinere Büros bewegen können.

Ist der Stufenplan des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur zur Einführung von BIM hilfreich?

Ja, weil er eine zeitliche Komponente bei der Einführung von BIM ins Spiel bringt. Ohne diese zeitliche Komponente und auch die Bindung der öffentlichen Hand an die zeitlichen Vorgaben dürfte die flächendeckende Einführung von BIM schwer werden. BIM bedeutet für alle teilnehmenden Parteien einen grundlegenden Wandel in der Herangehensweise und in der Umsetzung von Projekten. Ohne eine verpflich­tende Vorgabe würde es schwer werden, auf freiwilliger Basis diese Änderung zu bewerkstelligen.

Ist das Ziel des Stufenplans, ab 2020 BIM bei neu zu planenden Projekten im Zuständigkeitsbereich des BMVI regelmäßig anzuwenden, realistisch?

Das lässt sich aus Sicht eines Architekturbüros schwer beurteilen­. Um dies einschätzen zu können, müsste man genauere Kenntnisse darüber besitzen, wie konsequent die Einführung von BIM in den ausführenden Behörden voran­getrieben wird. Wichtig ist jedoch, dass ein Zieltermin überhaupt genannt und seine Einhaltung angestrebt wird. Wir merken jedoch, dass BIM bei öffentlichen Aufträgen mittlerweile ein festes Thema ist. Insofern gehen wir davon aus, dass der Zieltermin 2020 durchaus ernst genommen wird.

Wie hoch ist die Bereitschaft privater Bauherren, BIM als Planungsmethode anzuwenden?

Wir stellen fest, dass auch auf Seiten privater Auftraggeber ein Interesse an BIM besteht. Man muss dazu jedoch sagen, dass die treibende Kraft oftmals noch von Seiten der Projektsteuerer oder ausführenden Generalunternehmer kommt, die sich von der Anwendung der Methode BIM einen Nutzen versprechen. Leider ist bei privaten Auftraggebern das Wissen über die Vorteile der Methode BIM noch nicht sehr verbreitet.

Ab welcher Projektgröße sind private Bauherren an BIM interessiert?

Die Projektgröße spielt eher eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist vielmehr der Nutzen, den ein privater Bauherr oder Auftraggeber aus der Anwendung der Methode BIM ziehen kann. Hierzu gehören die klassischen Anwendungsfälle wie eine frühzeitig vertiefte Planung zur Validierung der Auskömmlichkeit der zur Verfügung stehenden Gelder, ein konfliktfreierer Planungs- und Bauablauf sowie die Nachnutzung der Modelle und Modellinformationen im Rahmen des Facility Managements und der Objektbetreuung.

Wird BIM bereits bei Ausschreibungen verlangt?

Ja, BIM in Ausschreibungen als Planungsmethode für die Projektumsetzung beschrieben und verlangt.

Halten Sie es für sinnvoll, bei Ausschreibungen BIM-fähige Unterlagen zu fordern?

Die Planungsteilnehmer entsprechend ihrer BIM-Qualifikation auszuwählen, ist durchaus richtig­. Auf welchem Weg letztendlich die Auswahl der Projektteilnehmer getroffen und wie dabei die BIM-Reife der Bewerber festgestellt wird, ist eher nebensächlich. Zurzeit gängige Wege zur Feststellung des BIM-Reifegrades eines Bewerbers sind Selbstauskünfte mit Darstellung von Referenzprojekten sowie das frühzeitige Abfordern eines qualifizierten 3D-Modells im Rahmen eines Wettbewerbs.

Sind öffentliche Auftraggeber strukturell auf BIM vorbereitet? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Behörden?

Hier haben wir noch relativ wenig Erfahrung sammeln können. Der allgemeine Eindruck ist jedoch, dass es seitens der Behörden nur selten Berührungspunkte mit der Methode BIM gibt. Der Eindruck kann aber auch täuschen.

Nutzen Sie Closed BIM oder Open BIM?

Wir nutzen beide Varianten. Grundsätzlich ist gmp auf den Einsatz der Open-BIM-Variante von Big-BIM-Projekten eingestellt, da sie allen an der Planung beteiligten Parteien die Möglichkeit gibt, mit der von ihr bevorzugten Modellierungssoftware zu arbeiten.
Unabängig davon benötigen wir für die Prüfung und Koordination der einzelnen Fachmodelle auch Dateien im IFC-Format. Deshalb kann auch bei Closed-BIM-Projekten nicht auf den Austausch von IFC-Dateien verzichtet werden.

Wie übergeben Sie die Daten an Fachplaner?

Der Austausch der Modelldateien erfolgt meist über auftraggeberseitig bereitgestellte Austauschplattformen. Das verläuft gewöhnlich komplikationslos.

Wer besitzt die Urheberrechte an einem 3D-Modell, das bei gmp entstand, aber im weiteren Prozess von anderen Gewerken ergänzt wurde?

Grundsätzlich verbleibt das Urheberrecht einer Planung beim Verfasser der Planung. Dies gilt im gleichen Maße für das Urheberrecht an den erstellten Modellen. Das Urheberrecht wird durch die modellbasierte Bearbeitung einer Planung nicht verändert. Hierzu ist anzumerken, dass die Fachmodelle einer Planung vollständig im Verantwortungsbereich dieser Planungsdisziplin verbleiben. Das Bearbeiten fremder Fachmodelle ist organisatorisch auszuschließen. Hintergrund hierfür sind weniger urheberrechtliche Gründe, sondern haftungsrechtliche Aspekte.

Arbeiten alle Planer im selben 3D-Modell?

Nein. Zwar besteht die Möglichkeit, dass alle Planer an einem gemeinsamen Modell arbeiten, dies ist jedoch organisatorisch nicht einfach umzusetzen. Aus gmp-Sicht zielführender und den bisherigen Planungsgewohnheiten entsprechender ist das Arbeiten mit einzelnen Fachmodellen, die vom Gesamtkoordinator in festen Intervallen zu einem Koordinationsmodell zusammengefügt werden.

Wer überwacht, dass jede Änderung am Projekt ins 3D-Modell eingepflegt wird?

Die technische Koordination der Modellveränderungen oder Modellierungsfehler obliegt dem BIM-Koordinator bzw. dem BIM-Gesamtkoordinator. Er ist diejenige Instanz, die regelmäßig die Modelle überprüft, die festgestellten Mängel und Fehler festhält und den betreffenden Beteiligten zur Lösung zuweist. In seinem Verantwortungsbereich liegt auch das Nachziehen und Verfolgen der festgestellten und zur Lösung zugewiesenen Mängel und Fehler.

Wie ist die Informationskette organisiert, um Änderungen, die z. B. auf der Baustelle oder in anderen Planungsbüros erfolgen, zum BIM-Manager durchzustellen?

Wir nutzen dafür das Kollaborationstool BIMcollab. Darüber können alle Änderungen, Mängel, Überarbeitungen usw. zwischen den Planungsbeteiligten ausgetauscht werden. Durch die gemeinsame Nutzung dieses Kollaborationstools ist gewährleistet, dass alle Änderungen, Fehler usw. sicher erfasst und nachvollziehbar dokumentiert sind. Dem BIM-Koordinator obliegt es, die über das Tool vermittelten­ Handlungsaufforderungen an die Planungsbeteiligten zu kontrollieren und durchzusetzen.

Wer entscheidet, welche Änderung ins 3D-Modell übernommen wird?

Das wird im Vorfeld im Rahmen der Erstellung des BIM-Abwicklungsplans (BAP) definiert und beruht auf den auftraggeberseitig­ genannten Zielen zur Nutzung der Modelle. Grundsätzlich ist es jedoch so, dass nach wie vor die planenden Kollegen sowie der Planungsleiter die Entscheidungen treffen, ob Planungsänderungen vorgenommen werden müssen oder nicht. Der BIM-Koordinator überprüft dann lediglich technisch, ob die Änderungen auch wirklich in das Modell übertragen worden.

Wird BIM auch auf der Baustelle eingesetzt?

In den BIM-Projekten von gmp steht die Nutzung von BIM auf der Baustelle noch an. Bisher konnten wir hier noch keine Erfahrungen sammeln.

Wie sichern Sie die elektronischen Daten vor Verlust oder Hacking? Werden die Pläne und Listen zusätzlich auf Papier archiviert?

Nein, die Daten werden nicht in Papierform gesichert. Projektdaten werden sowohl auf der Projektplattform als auch gmp-intern separat abgelegt und gesichert.Die gmp-IT betreibt verschiedene Backupsysteme, von der professionellen Backupsoftware, mit der das Backup auf verschiedene Standorte überspielt und in speziell geschützten­ Netzen aufbewahrt wird, bis zu regelmäßigen Snapshots der Serverinfrastruktur, die komplett­ virtuell in einem Hochverfügbarkeitsumfeld geführt wird und ohne Unterbrechung einen möglichen Serverausfall kompensiert.
Es gab bereits Angriffe und Verschlüsselungstrojaner, die jedoch aufgrund der mehrstufigen Sicherheitsarchitektur der gmp-IT keinen Schaden verursachen konnten. Darüber hinaus werden die Daten von BIM-Projekten jede Stunde gesichert.

Mussten Sie einen Auftrag ablehnen, weil der Bauherr BIM forderte, Sie aber keine Planer oder Statiker finden konnten, die mit BIM arbeiten?

Nein, diese Situation ist noch nicht aufgetreten­. Für gewöhnlich klärt der Auftraggeber im Vorfeld eines Projektes die BIM-Fähigkeit der Projektteilnehmer. Es hat jedoch schon Projekte gegeben, bei denen nicht alle Planungspartner über BIM-Erfahrungen verfügten. Gemeinsam mit dem Auftraggeber wurde entschieden, diese Projekte dennoch als BIM-Projekte umzusetzen und die betreffenden Planungsteilnehmer entsprechend anzulernen.

Ab welcher Leistungsphase arbeiten Sie mit BIM?

Bei gmp starten BIM-Projekte meist ab Leistungsphase 2 oder 3. Ein früherer Einsatz von BIM ist nicht zielführend, da in Leistungsphase 1 für gewöhnlich noch keine Planung betrieben wird, die sich über den BIM-Prozess sinnvoll abstimmen lässt. Jedoch nutzen wir die modellbasierte Planung durchaus schon im Wettbewerb.

Wie wird der zusätzliche Aufwand für Architekten, die mit BIM arbeiten, honoriert?

Das hängt gegenwärtig von den Verhandlungen mit den Auftraggebern ab. Es liegt im individuellen Verhandlungsgeschick jedes Planers, sich die BIM-Leistungen entsprechend vergüten zu lassen. Tatsache ist jedoch, dass es unter BIM einen nicht unerheblichen Mehraufwand in der Koordination und Umsetzung der Projekte gibt.

Muss die HOAI in Bezug auf BIM nachgebessert werden?

Die HOAI sollte die zusätzlichen BIM-Leistungen grundsätzlich berücksichtigen. Gegenwärtig gibt es Vorschläge der Bundesarchitektenkammer zu BIM-Leistungsbildern. In den Leistungsbildern werden neue Besondere Leistungen, die unter BIM anfallen können, aufgeführt. Nicht berücksichtigt wird jedoch in den Leistungsbildern der große Aufwand der BIM-Koordination, die als Grundleistung in die allgemeine Koordinationspflicht des Architekten verschoben wird. Dies entspricht jedoch aus unserer Sicht nicht den Erfordernissen der Methode BIM und den sich hieraus ergebenden hohen Koordinationsaufwänden. Hier bedarf es aus unserer Sicht einer deutlichen Korrektur.

Gibt es eine Untergrenze im Bauvolumen, ab der sich BIM nicht mehr rentiert?

Grundsätzlich ist BIM als Projektmanagementmethode für jedes Projekt anwendbar. Ob sich der Einsatz von BIM bei sehr kleinen Projekten jedoch lohnt, ist fraglich. Hier begrenzt sicherlich der nicht unerhebliche technische Aufwand den Einsatz.

In der öffentlichen Wahrnehmung werden die Probleme auf Großbaustellen wie Elbphilharmonie, Flughafen BER oder Stuttgart 21 u. a. damit verbunden, dass diese Projekte nicht mit der BIM-Methodik geplant wurden. Ist diese Wahrnehmung korrekt?

Nein. Die Probleme, die bei diesen Projekten aufgetreten sind, liegen auf anderen Ebenen. Sicherlich kann die Anwendung der Methode BIM die Planungen bei Großprojekten besser verzahnen, Terminverzögerungen verringern und Planungsfehler reduzieren helfen. Dies gilt jedoch für alle Projekte, die unter Anwendung von BIM umgesetzt werden.

Wo BIM bei den genannten Großprojekten möglicherweise hätte helfen können, wäre eine frühere und konkretere Auseinandersetzung der Auftraggeber mit den Projektzielen. BIM verlangt über eine  konkrete Definition der Auftraggeber-Informationsanforderungen eine deutliche und frühzeitige Auseinan­dersetzung mit den auftraggeberseitigen Projektzielen. Natürlich bezieht sich dies zu allererst­ auf die Informationen, die ein Auftraggeber in seiner Planung enthalten wissen möchte. Doch die frühe intensive Auseinandersetzung mit diesen Informationszielen legt nahe, dass ein Auftraggeber sich bereits mit den globaleren Projektzielen auseinandergesetzt hat. Insofern kann man hoffen, dass durch die Anwendung der Methode BIM eine frühere inhaltliche Auseinandersetzung der Auftraggeber mit dem Projekt beginnt. Eine Gewähr dafür gibt es jedoch nicht.   

© gmp
Matthias Holtschmidt, Head of BIM im Büro von Gerkan, Marg und Partner
Autor

Dipl.-Arch. Matthias Holtschmidt studierte bis 1997 Architektur an der RWTH Aachen. 1998 wurde er als Architekt im Büro gmp in Hamburg angestellt. Von 2009 bis 2013 war er Chief Architect, von 2014 bis 2016 BIM Director. In dieser Funktion verantwortete er die Konzeptionierung und Leitung der BIM-Implementierung bei gmp. Seit 2017 leitet Matthias Holtschmidt als Head of BIM die BIM-Abteilung von gmp. www.gmp.de

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