Soweit die Theorie. Aber gibt es BIM-Projekte auch in der Praxis?
Ja! Auch abseits der geförderten Forschungsprojekte – beispielsweise der Initiative BIM-Referenzobjekt in Deutschland (BIMiD) – gibt es BIM-Pilotprojekte in der Praxis. Mit unserer E3D Ingenieurgesellschaft betreuen wir mehrere Bauherren und Industriepartner bei der Umsetzung ihrer Bauprojekte mit der BIM-Methodik und mit Digitalem Planen und Bauen.
Eines haben alle Projekte gemeinsam: Die Bauherren sind die treibende Kraft und haben starkes Interesse an der BIM-Methodik. Die Motivation beruht nicht primär darin, bei einer neuen Methodik dabei zu sein. Wichtiger ist der Nutzen einer detaillierten digitalen Planung in der Planungs- und Bauphase wie auch in der digitalen Dokumentation für das spätere Betreiben. In manchen Fällen erkannten auch Generalplaner oder Planungsgemeinschaften, dass sie durch BIM-Synergien in der Planungsphase nutzen- und damit kostengünstiger planen oder auf Änderungen reagieren können.
Unabhängig davon unterscheiden sich die Projekte im Umsetzungsgrad der BIM-Methodik. In der Regel sind neben den objektplanenden Architekten die Tragwerksplaner und TGA-Fachplaner mit ihren unterschiedlichen Fachdisziplinen beteiligt. In einigen BIM-Projekten kommen aber auch Bauphysiker, Brandschutzingenieure und –planer, Fachplaner für Gebäudeautomation oder Landschaftsplaner mit an den Tisch. Daraus ergeben sich wiederum unterschiedliche BIM-Anwendungsfälle, die in den Gesamtplanungsprozess eingebunden werden müssen.
Der Grad der Einbindung von Fachplanern hängt auch davon ab, inwieweit sich die beteiligten Planer und Fachplaner auf die Methodik einlassen und bereit sind, neue Wege zu erlernen und zu gehen. Denn die Teilnahme an einem BIM-Projekt bedeutet für jeden BIM-Beteiligten eine intensive Abstimmung seiner Leistung mit den anderen Planungsbeteiligten.
Wo liegt nun der Unterschied zur bisherigen Planungspraxis? Abgesehen davon, dass die Abstimmung der Planungsbeteiligten in bisherigen Projekten noch deutlich optimiert werden kann, funktioniert die Digitalisierung des Informationsaustauschs in der BIM-Methodik nur über eine Standardisierung der Teilprozesse (= BIM-Anwendungsfälle) und einer Definition des Informationsaustauschs. Jeder Fachplaner muss seine eigenen BIM-relevanten Teilprozesse in einem Prozessschema darstellen und erläutern, damit dieser in den Gesamtprozess eingegliedert wird.
Wesentlich dabei ist der Informationsfluss, d. h. der Informationsbedarf und Daten-Input, um diesen Teilprozess selbst durchführen zu können. Ebenso wichtig sind die Ergebnisse des Teilprozesses und der Daten-Output, die für andere BIM-Beteiligte und deren Planungsaufgaben notwendig sind. Um einen reibungslosen Projektablauf sicherzustellen, kann das Vorliegen der notwendigen Informationen und Daten im Rahmen der automatisierten und regelbasierten Modellprüfungen abgefragt werden. Die meisten am Prozess beteiligten können sich als Modellprüfung eine Kollisionsprüfung beispielsweise für Durchbrüche („Rohr durch Wand“) vorstellen. Analog dazu kann das Vorliegen eines Wertes in der Datenbank automatisiert abgefragt und geprüft werden.
Diese Abstimmungsphase aller BIM-Beteiligten vor dem Beginn der eigentlichen Planung nennen wir strategisches BIM-Management. Sie wird unter der Leitung eines BIM-Managers erarbeitet und im BIM-Abwicklungsplan (BAP) dokumentiert – zusammen mit weiteren Regeln und Randbedingungen, auf die während der Planung zu achten ist. Auf die Rollen und deren Leistungsbilder gehe ich in einem der nächsten Beiträge ein.
Die eigentliche Planungsphase
Die fachliche Planung ändert sich durch die BIM-Methodik zunächst nicht gravierend. Gleichwohl starten alle Beteiligten auf Basis derselben Regeln aus dem BAP und den einheitlichen Modellierungsstandards mit ihren eigenen Fachmodellen. Zu festgelegten Abständen erfolgt dann die Zusammenführung und Prüfung der Fachmodelle.
Dazu existieren verschiedene technische Lösungen. Faktisch werden die Fachmodelle auf einem BIM-Server von den einzelnen BIM-beteiligten Fachplanern abgespeichert. Der BIM-Manager fügt diese Fachmodelle zu einem Koordinationsmodell zusammen und führt die festgelegten Modellprüfungen durch. Die Ergebnisse (Kollisionen, z. B. „Rohr durch Wand“, oder fehlende Eigenschaften, geometrische Verschiebungen, falsche Zuordnungen oder Verweise) werden im Rahmen einer Koordinations- oder BIM-Besprechung erörtert.
Gleichzeitig können sich die Fachplaner die Modelle der anderen, ebenfalls am Projekt arbeitenden Fachplaner referenzieren, d. h., im eigenen Modell hinterlegen, sodass erkennbar ist, welchen Stand deren Planungen haben. Im Vorfeld ist zu klären, was hier zur Anwendung kommt:
- Wie wird die Daten- und Modellübergabe geregelt?
- Welche Schnittstellen werden vereinbart?
- Welches Datenübergabeformat wird verwendet?