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05.12.2017 | Nikolaus Möllenhoff

BIM in der Praxis – Gibt es das überhaupt…

Serie: BIM in der Praxis, Teil 1

Alle reden von BIM. Doch was steckt wirklich hinter Schlagwörten wie Building Information Modeling und Digitales Planen und Bauen? Gibt es BIM nur in der Theorie – oder auch in der Praxis?

Der folgende Beitrag ist der Auftakt zur Serie „BIM in der Praxis“. Im ersten Teil gebe ich einen Einblick in unsere Praxiserfahrungen mit BIM-Projekten. Gleichzeitig möchte ich einen Einstieg und eine Übersicht zum Thema Digitales Planen und Bauen ermöglichen.

Ziel soll es sein, durch das Wissen über Inhalte, Begriffe und Prozesse das Interesse an der BIM-Methodik zu wecken. Bei den potenziellen Anwendern soll die Angst vor BIM genommen werden, um sie zu motivieren, den Schritt der Digitalisierung im Bauwesen mitzugehen. Letztlich ist wichtig, dass ein Mehrwert durch diese veränderten Planungsprozesse erzeugt wird und jeder Beteiligte davon profitiert.

Wofür stehen BIM und Digitale Planung – und was ist das besondere daran?

Eine digitale Planerstellung erfolgt schon lange mit PC und CAD-Software verschiedener Anbieter. Selbst eine 3D-Planung ist bei vielen Architektur- und Ingenieurbüros Stand der Technik – wenn auch nicht für allen Leistungsphasen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Aber ist das schon BIM?

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fasst im Stufenplan Digitales Planen und Bauen die BIM-Methodik wie folgt zusammen:

„Building Information Modeling bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden.“

In dieser Beschreibung sind verschiedene Schlüsselbegriffe und Aspekte enthalten, die ich kurz erläutern möchte, um den Inhalt zu erklären und ihn mit den Handlungsfeldern Mensch-Technologie-Prozesse-Randbedingungen zu strukturieren:

Im Stufenplan wird von einer „kooperativen Arbeitsmethodik“ gesprochen, „mit der … relevante Informationen und Daten erfasst, verwaltet, … ausgetauscht oder … übergeben werden.“ BIM ist also eine Methodik, die auf Kooperation und Informationsaustausch aller am Planungsprozess Beteiligten beruht. Diese Zusammenarbeit bedarf klarer Regeln und Vorgaben („konsistent erfasst, verwaltet … in einer transparenten Kommunikation“), die beispielsweise in einem BIM-Abwicklungsplan (BAP) vorgegeben sind bzw. werden.

Unter „relevanten Informationen und Daten“ ist dabei weit mehr zu verstehen als die Bauteildicke einer Außenwand oder deren Wärmedurchgangskoeffizient. Hier geht es um „für seinen Lebenszyklus relevante Informationen und Daten“. Der Begriff Lebenszyklus ist ernst gemeint: es geht um alle relevanten Daten, die wir jetzt oder später benötigen – geometrische Daten (3D-CAD; Breite, Höhe, Tiefe) zuzüglich der semantischen Informationen. Letztere sind Beschreibungen und Eigenschaften eines Bauteils (im BIM-Zusammenhang Objekt genannt), die sich grafisch nicht darstellen lassen. Bisher wurden die semantischen Informationen in Textfeldern auf dem Plan ergänzt oder nachträglich per Fax bzw. E-Mail übergeben.

Diese Menge an Informationen wird heute in digitaler Form verwaltet, „auf Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks“ als digitales Gebäudemodell. In der BIM-Methodik wird in CAD nicht mehr gezeichnet, sondern modelliert. Ähnlich wie beim Lego-Spielzeug nehme ich mir in der Software ein Wand-Objekt, platziere es an der gewünschten Stelle und ergänze Höhe und Breite sowie im Dialogfeld die relevanten Bauteileigenschaften und sonstigen Informationen. Auf diese Weise wird das Bauwerk mit Objekten, d. h. vordefinierten digitalen Bauteilen, modelliert.

© E3D Ingenieurgesellschaft
Auszug aus Fachmodell TGA
Autor

Dipl.-Ing. Nikolaus Möllenhoff studierte an der Universität Hannover Bauingenieurwesen mit den Schwerpunkten Baubetrieb und Baurecht. Nach seinem Abschluss arbeitete er in verschiedenen Architektur- und Ingenieurbüros. Neben den klassischen Ingenieurleistungen beschäftigte er sich mit Fragen der Bauphysik. Er ist staatlich anerkannter Sachverständiger für Schall- und Wärmeschutz (IK Bau NW). Am Lehrstuhl für Energieeffizientes Bauen (E3D) der RWTH Aachen University doziert und forscht er zu den Themen Energiedienstleistungen und BIM/Digitales Planen und Bauen. 2015 gründete er mit Prof. Dr.-Ing. habil. Christoph van Treeck die E3D Beratungsgesellschaft. www.e3d-ingenieure.de

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