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Alexander Wronna

BIM-Honorar: BIM oder HOAI?

BIM und Recht, Teil 3

BIM ist eine Planungsmethode. Wie werden Architektenleistungen bei Verwendung der BIM-Methode kalkuliert? Wie wird das Honorar im Vertrag vereinbart? Welche Besonderheiten gibt es?

Auf den ersten Blick scheint die Honorierung von Planungsleistungen bei Verwendung der BIM-Planungsmethode im Geflecht der HOAI nicht lösbar zu sein. Hierzu wurde viel Unruhestiftendes geschrieben und gesagt. Tatsächlich ist die Vergütung von Planungsleistungen im Anwendungsbereich der HOAI aber auch bei Verwendung der BIM-Methode ohne weiteres möglich.

Der größte Denkfehler, der gemacht wird, liegt darin, BIM-Leistungen in die HOAI-Leistungsbilder hineinzuinterpretieren. Das ist nicht sinnvoll und auch nicht nötigt. Anknüpfungspunkt für die Frage der Honorierung von BIM-Leistungen im Lichte des Preisrechts ist die Anwendbarkeit der HOAI auf diese Leistungen.

BIM-Planung durch Bauunternehmen

Erbringt ein Bauunternehmen, z. B. der planende Generalunternehmer/Generalübernehmer, Planungsleistungen unter Verwendung der BIM-Methode, ist die HOAI nicht anwendbar. Denn das zwingende Preisrecht der HOAI gilt nur für Architekten und Ingenieure (BGH, Urt. v. 22.5.1997 – VII ZR 290/95). Nach der sogenannten Paketrechtsprechung ist das Preisrecht nicht auf Anbieter anwendbar, die neben oder zusammen mit Bauleistungen auch Architekten- oder Ingenieurleistungen erbringen. Hier kann der auf die BIM-Leistungen entfallende Anteil der Vergütung also frei vereinbart werden.

Architekten- und Ingenieure mit Sitz im Inland

§ 1 HOAI regelt, dass das Preisrecht nur für Architekten und Architektinnen und Ingenieure und Ingenieurinnen mit Sitz im Inland gilt. Büros, die Planungsleistungen nach der BIM-Methode aus dem Ausland heraus für Projekte in Deutschland erbringen, brauchen sich um das Preisrecht der HOAI folglich ebenfalls keine weiteren Gedanken zu machen.

Das gleiche gilt für verbundene Büros, bei denen die Leistung von einer Niederlassung oder einem Standort im Ausland erbracht wird. Diese „ausländischen Niederlassungen“ können das Honorar für Planungsleistungen nach der BIM-Methode frei mit ihren Auftraggebern vereinbaren. Aus der aktuellen Praxis sind Fälle bekannt, in denen Aufträge bevorzugt an Niederlassungen in Ungarn oder Slowenien beauftragt wurden, um das Preisrecht der HOAI zu umgehen. Grund hierfür ist allerdings weniger die Einbettung von BIM-Leistungen in die komplizierte Vergütungsstruktur der HOAI als vielmehr die sogenannte Mindestsatzproblematik aus Sicht der Auftraggeber.

BIM und HOAI

Findet die HOAI Anwendung, weil die Leistungen von einem deutschen Bürositz aus erbracht werden, ist das Preisrecht der HOAI zu beachten. Das bedeutet, dass die Preisregelungen zu den Mindestsätzen zu beachten sind. Bleibt man der Struktur der HOAI treu und erkennt diese als reines Preisrecht an, bereiten sowohl die Vertragsgestaltung als auch die Honorarberechnung keine Schwierigkeiten. Danach gilt, dass sich allein das Honorar für Grundleistungen innerhalb der Mindest- und Höchstsätze halten muss (§ 7 Abs. 1 HOAI 2013).

Für Leistungen, die keine Grundleistungen im Sinne der Leistungsbilder zur HOAI darstellen, kann das Honorar frei vereinbart werden. Das ist für einen Großteil von Grundleistungen vollkommen unproblematisch, da sie keine spezifischen BIM-Anforderungen beinhalten (können). Das sind z. B. alle Grundleistungen der Leistungsphase 1 und weitgehende Leistungen der Leistungsphasen 2 und 4. Deutlich wird dies z. B. an folgenden Teilleistungen aus dem Leistungsbild der Objektplanung Gebäude, Anlage 10:

•    Ortsbesichtigung
•    Analysieren der Grundlagen
•    Vorverhandlungen über die Genehmigungsfähigkeit
•    Einreichen der Vorlagen (Bauantragsunterlagen)
•    Koordination der Vorgaben der Fachplaner

Dies sind BIM-neutrale Grundleistungen. Das Honorar für diese Teilleistungen ermittelt sich stets nach der HOAI, unabhängig davon, ob das Projekt ansonsten mit der BIM-Planungsmethode geplant wird oder nicht.

Modellbasiertes Planen/Grundleistungen

Eigentlicher Schwerpunkt der Problematik BIM/HOAI ist das Erarbeiten der Planung in einem Modell. Hierbei handelt es sich um die Grundleistungen

•    Erarbeiten des Entwurfs/der Ausführungsplanung und
•    zeichnerische Darstellung.

Da es sich um Grundleistungen handelt, gilt hier das Preisrecht der HOAI. Zusätzliches Honorar für die Verwendung der BIM-Methode erhält der Planer nach der HOAI aber nicht. Denn die HOAI vergütet die Leistungen unabhängig von der Planungsmethode. Das Preisrecht sieht keine höheren oder niedrigeren Honorare in Abhängigkeit zur Planungsmethode vor. Das Honorar ist nach dem Preisrecht daher unabhängig davon, ob konventionell mit CAD oder modellbasiert geplant wird. Nichts anderes galt auch, als ab den Achtzigerjahren von der zeichnerischen Darstellung auf Pauspapier mit Tusche auf CAD umgestellt wurde.

Besondere BIM-Leistungen

Das modellbasierte Planen bietet weitreichende Vorteile unter Verwendung der sogenannten BIM-Anwendungsfälle, z. B. bei der Kosten- und Zeitplanung. Hierbei handelt es sich nicht um Grundleistungen der HOAI, so dass dafür das Honorar stets frei vereinbart werden kann.

Betrachtet man die verschiedenen Planungsleistungen bei der BIM-Methode, so ergeben sich drei Kategorien, die für das Honorarrecht wesentlich sind:

•    BIM-neutrale Leistungen
•    BIM-Grundleistungen (HOAI)
•    BIM-Besondere Leistungen

Nur die BIM-Grundleistungen unterfallen der HOAI. In der Summe dürfen die BIM-Grundleistungen gemessen an der HOAI nicht zu einem Honorar führen, das unterhalb der jeweiligen Mindestsätze liegt. Eine darauf basierende Honorarvereinbarung ist unwirksam. Ansonsten kann das Honorar vollkommen frei vereinbart werden. Grenzen hierzu bilden allein Treue und Glauben (Wucher usw.).

Fazit

Planungsleistungen nach der BIM-Methode lassen sich unproblematisch in die Vergütungsstruktur der HOAI einbetten. Honorarrechtlich relevant sind allein Grundleistungen, die der HOAI unterliegen und mit Hilfe der BIM-Methode erbracht werden. Das ist im Wesentlichen die graphische Darstellung der Planungsinhalte im BIM-Modell. Hierfür gelten die Mindestsatzregelungen der HOAI. Für alle anderen Leistungen kann das Honorar frei vereinbart werden.

Zur Kalkulation und Honorarberechnung sollte stets anhand eines individualisierten und projektspezifischen Leistungsbildes eine kleinteilige Berechnung des Honorars für die einzelnen Teilleistungen (Leistungsphasen oder weiter untergliederte Leistungsblöcke) vorgenommen werden.

Das Vorziehen von Planungsdetails/Detaillierungsgraden in frühere Projektphasen ist ebenfalls leicht zu bewerkstelligen. Hierbei werden zeitgleich Grundleistungen der Leistungsphase 5 teilweise während der Entwurfsplanung erbracht. Dann wird ein Teil des Honorars der Leistungsphase 5 zeitlich früher erarbeitet und demzufolge auch fällig.

© Comugnero Silvana/stock.adobe.com
Autor

Alexander Wronna LL.M. ist auf das private Baurecht spezialisiert. Er ist Partner bei KNH Rechtsanwälte und berät bei der Strukturierung und Durchführung komplexer Bauvorhaben. Im Rahmen der Vertragsgestaltung befasst er sich schwerpunktmäßig mit der Erstellung von Projektsteuerungs-, Architekten- und Ingenieurverträgen, auch unter Berücksichtigung der BIM-Planungsmethode. knh-rechtsanwaelte.de

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