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Jürgen Winkler

"O Gott, BIM! Was sind das für drei Buchstaben?"

Architekten und Fachplaner im Interview

Bei einem Bauprojekt alle Fachplaner und Architekten unter einen Hut zu bekommen, gehört zu den letzten großen Herausforderungen des Lebens. Wenn dann noch BIM gewünscht ist, wird es richtig spannend.

Pinneberg ist anhand des Reisendenaufkommens der drittgrößte Bahnhof in Schleswig-Holstein. Die Verkehrsstation ist nicht barrierefrei und wird ab Herbst 2018 mit neuer Personenunterführung, neuen Aufzügen und Bahnsteigen barrierefrei umgebaut. Das Empfangsgebäude ist das älteste Bahnhofsgebäude in Schleswig-Holstein und steht unter Denkmalschutz. Es wird unter Erhalt der Fassade und Gebäudekubatur total entkernt, neu aufgebaut und durch einen neuen Pavillon ergänzt. Im Norden wird durch die Stadt Pinneberg die schon erstellte Park&Ride-Anlage durch einen neuen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) und einen neuen Bahnhofsvorplatz ergänzt. Zudem entsteht ein Fahrradparkhaus mit kleinem Supermarkt. Im Süden werden Park&Ride- und Fahrradparkanlagen erstellt.

Die DB Station&Service AG hat die BIM-Methodik für den Hochbau an drei Projekten unterschiedlicher Größe pilotiert. Neben den Empfangsgebäuden München und Heidelberg ist das Empfangsgebäude Pinneberg das kleinste der drei Projekte.

Wir sprachen mit dem Projektleiter Empfangsgebäude Pinneberg der DB Station&Service AG und seinen Kollegen aus sieben Gewerken, die den Bahnhof Pinneberg erneuern: Aufzugsplanung, Bauphysik, Elektroplanung, HLS-Planung, Objektplanung, Tragwerksplanung, Vermietung. Wir wollten wissen: Wie funktioniert das Teamwork mit BIM?Was läuft perfekt, wo drückt der Schuh – und haben alle noch Lust auf BIM?


 

Projektmanagement

Stephan Falke
DB Station&Service AG
deutschebahn.com


Build-Ing.: Wie plant man den Umbau eines Bahnhofs?

Stephan Falke: Am Bahnhof Pinneberg werden sieben Projekte parallel geplant, drei von der Bahn und vier von der Stadt. Das funktioniert, weil wir neben dem Empfangsgebäude als eigentlichem BIM-Projekt die Verkehrsstation mit Tunnel, Bahnsteigen und Bahnsteigdächern sowie die Projekte der Stadt Pinneberg anhand von 2D-Daten selbst nachmodelliert haben, um ein 3D-Gesamtmodell zu bauen. Das werden wir auch bei künftigen Projekten versuchen, beizubehalten.

Build-Ing.: Warum?

Stephan Falke: Es gibt bei jedem größeren Bahnhofsprojekt ein Konglomerat von Planungen, Daten und Leistungsphasen mit unterschiedlichen Planern. Wichtig ist, dass man diese Planungen in einem großen Modell zusammenfügt. Wir machen das mit Revit, aber das funktioniert mit jeder anderen Software auch.

Build-Ing.: Wie werden die verschiedenen Planungsstände ins Gesamtmodell integriert?

Stephan Falke: Bei sieben Projekten kann man sich vorstellen, wie viele Schnittstellen man in den Griff bekommen muss, die sich teilweise in unterschiedlichen Leistungsphasen durchdringen. Das sind nicht nur Schnittstellen innerhalb eines Projekts, sondern zwischen allen sieben Projekten. Ein Projekt ist fertig, eines in Leistungsphase 8, andere in Leistungsphase 0, 1, 2, 5, 6 oder 7, und beim Empfangsgebäude reden wir über Leistungsphase 3. Das sind Arbeitsmodelle mit unterschiedlichem Detaillierungsgrad, die ins Gesamtmodell einfließen.

Build-Ing.: Welchen Nutzen bringt Ihnen dieser Aufwand?

Stephan Falke: Anhand des Gesamtmodells diskutieren wir beispielsweise mit dem Denkmalschutz oder den Vertretern der Behindertenverbände. An einem begehbaren Gesamtmodell, das wir mit Enscape erzeugen, diskutieren wir alle zwei Monate mit Vertretern der Stadt und des Landes Schleswig-Holstein den Projektfortschritt, aber auch Planungsalternativen und Schnittstellen zwischen einzelnen Gewerken einzelner Projekte. Auch wenn das Modell in diesem Stadium des Projekts noch fehlerbehaftet ist, zeigt sich hier der große Mehrwert des Gesamtmodells. Für die Bahn ist das aber erst mal ein großer Aufwand. Mit dem Gesamtmodell sind in unserer Abteilung zwei bis drei Leute beschäftigt, weil eben andere Projekte noch als 2D-Planungen geliefert werden.

Stephan Falke (Foto: DB Station&Service AG)

 

Build-Ing.: Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis alle Planer in 3D arbeiten.

Stephan Falke: Ja, irgendwann wird es so sein, dass bei der Bahn alle Projekte in 3D geplant werden. Aber wir haben um die Bahnhöfe herum noch Stadtprojekte wie Vorplätze, Park-and-Ride-Anlagen oder Busbahnhöfe. Bei diesen Stadtprojekten kann die Bahn nicht vorschreiben, wie sie zu planen sind. Doch wenn man diese Einzelprojekte zu einem 3D-Gesamtmodell baut, gibt es einen riesigen Mehrwert. Man bekommt die Schnittstellen in den Griff und gewinnt einen Eindruck vom Gesamtprojekt, und zwar so, wie der Bahnreisende den Bahnhof erleben wird. Im Moment betreiben alle noch einen großen Aufwand, aber das ist bei der Umstellung einer Technologie immer so. Man sieht schon jetzt viele Mehrwerte, die aber bei den Planungsbüros im Moment vielleicht nicht in jedem Fall wirtschaftliche Vorteile generieren.

Build-Ing.: Finanzielle Verluste durch BIM?

Stephan Falke: Es mag durchaus sein, dass die ersten Projekte für die Planer durch den Aufwand, den die Einführung von BIM erfordert, unwirtschaftlich werden. Da muss man einen Mittelweg finden. Ich muss ja am Ende einen Bahnhof bauen und im Kostenrahmen bleiben, BIM hin oder her. Ich habe für den Bahnhof Pinneberg kein extra Budget, obwohl das ein Pilotprojekt ist.

Build-Ing.: Die Bundesregierung fördert doch Pilotprojekte.

Stephan Falke: Ja, aber extra Budgets bekommen nur große DB-Netz-Projekte. Kleine, schnelllaufende Projekte, aus denen ich leicht einen Mehrwert für das nächste Projekt ziehen kann, stehen nicht auf dem Schirm des Bundesverkehrsministeriums. Das ist nicht verständlich, denn im Gegensatz zu einem geförderten Großprojekt, das 20 Jahre läuft, ziehe ich aus einem kleineren Projekt wie Pinneberg viele Vorteile. Ich kann relativ schnell die Erfahrungen aus der Arbeit mit acht Planungsbüros für das nächste Projekt auswerten.


Objektplanung

Roland Neumann, stationova GmbH, Berlin
Geschäftsführer, Architekt
bahnstadt.de

Isabell Gruchot, stationova GmbH, Berlin
Projektleiterin, Architektin
bahnstadt.de

Build-Ing.: Seit wann arbeiten Sie mit BIM?

Roland Neumann: Seit Herbst 2016.

Build-Ing.: Wie groß ist Ihr Büro?

Roland Neumann: Wir beschäftigen ca. 15 Mitarbeiter. Das ist unser erstes BIM-Projekt.

Build-Ing.: Was ist Ihre Aufgabe am Bahnhof Pinneberg?

Isabell Gruchot: Das Projekt für den Bahnhof, das wir betreuen, ist das Empfangsgebäude. Das ist ein bestehender Baukörper, den wir teilweise rückbauen. Von diesem Gebäude haben wir ein 3D-Bestandsmodell von der DB Station&Service AG erhalten. Das Modell wurde in Revit erstellt und beinhaltet auch die Anbauten und Nebengebäude, die rückgebaut werden ...

Stephan Falke: ... basierend auf der Vermessung und der Punktwolke. Die interne Architekturabteilung der Bahn hat aus der Punktwolke und der tachymetrischen Vermessung ein 3D-Bestandsmodell erstellt, weil wir noch nicht aus der Vermessung heraus in Revit Gebäude reproduzieren lassen konnten. In Zukunft soll das eine Leistung sein, die der Vermesser in Leistungsphase 0 erstellt. Dann können wir in Leistungsphase 1 mit den Planern an einem funktionierenden Bestandsmodell arbeiten. Das Modell in Leistungsphase 1 zu erstellen, wäre für uns viel zu spät.

Build-Ing.: Sie arbeiten sehr viel in Leistungsphase 0.

Stephan Falke: Bei den Bahnhofshochbauten ist Leistungsphase 0 sehr wichtig. Wir haben innerhalb der DB Station&Service AG eine Abteilung, die sich nur mit Leistungsphase 0 beschäftigt. Die Kollegen bauen Projektentwicklungsmodelle und große Umgebungsmodelle in InfraWorks und implementieren Revit-Modelle und einfache Kubenmodelle, die bestimmte Funktionen haben. Künftig wird an diesem Revit-Modell eine Datenbank für die Projektentwicklung andocken. Damit wird der komplette Projektentwicklungsprozess abgebildet, der beim Bahnhof Pinneberg über einen Zeitraum von ca. zehn Jahren lief. Im Gegensatz zu Verkehrsstationen wie z. B. Bahnsteigen müssen sich die Hochbauten, also die Bahnhöfe, anders finanzieren. Sie sind mehr auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet, deshalb dauert der Vorlauf bis zum Baubeginn teilweise so lange.

Isabell Gruchot: Zusätzlich zur Umplanung des bestehenden Revit-Modells vom Empfangsgebäude haben wir ein 3D-Modell des neu geplanten Pavillons erstellt. Wir führen beide Modelle nur dann in Revit und Navisworks zusammen, wenn wir beispielsweise ein Gesamtmodell benötigen oder einen Gesamtlageplan in 2D erstellen wollen. Grundsätzlich arbeiten wir in zwei separaten Modellen.

Build-Ing.: Das funktioniert reibungslos?

Isabell Gruchot: Alles, was wir bisher besprochen haben, ist Objektplanung in 3D. Die Vorteile von BIM funktionieren noch nicht vollständig. Wir können beispielsweise noch keine Bauteile in ein AVA-Programm laden und daraus automatisch die Kostenberechnung erstellen. Wir können zwar aus dem Revit-Modell die Mengen generieren, das hilft uns schon, aber deshalb ist der Bahnhof Pinneberg noch kein 5D-BIM-Projekt.

Stephan Falke: Für 5D-Planung gibt es keine allgemeingültigen Standards in Deutschland. Im Bereich der Verkehrsstationen ist die DB Station&Service AG aber schon weiter. Hier steht alles Notwendige zum Download bereit.

Isabell Gruchot: Beim Koordinationsmodell in Navisworks hatten wir anfangs das Problem, dass die Fachplaner nicht den selben Nullpunkt verwendeten und die Modelle deshalb nicht übereinander lagen. Im Gegenzug konnten die Fachplaner unser Modell nicht so einfach in ihre 3D-Software laden.

Der Elektroplaner importierte beispielsweise unser 3D-Modell und hatte es in unterschiedlichen Ebenen. Das Bestandsgebäudemodell enthielt 18 Ebenen, weil beim Modellieren nicht nur die Geschossebenen angelegt wurden, sondern zusätzlich noch weitere Ebenen wie Oberkante oder Unterkante Fußboden. Nach technischer Beratung und Recherche bei Revit war klar, wo der Fehler lag und wo das richtige Häkchen gesetzt werden musste, damit der Fachplaner nur vier Ebenen bekommt und nicht 18.

Stephan Falke: Das liegt daran, dass unsere interne Architekturabteilung bisher eine Closed-BIM-Welt ist. Sie arbeitet nur mit Revit, verpflichtet ihre Fachplaner auf Revit und musste sich deshalb nicht mit Fragen wie dem Austausch von IFC-Daten auseinandersetzen. Das ändert sich gerade. Bei eigenen Projekten, die sie als Objektplaner oder Generalplaner betreuen, stoßen sie auf die selben Probleme wie wir.

Isabell Gruchot: Generell gibt es mit IFC noch Probleme. Der Datenaustausch funktioniert nicht fehlerfrei, es wird nicht alles korrekt dargestellt. Die Fenster sitzen teilweise draußen vor der Fassade, oder die Familien, die in Revit falsch oder anders modelliert werden, sind beim Fachplaner nicht mehr als Bauteile erkennbar.

Stephan Falke: Man darf dabei nicht vergessen, dass wir IFC 2x3 verwenden, weil IFC 4 von vielen Softwareanwendungen weder exportiert noch importiert wird. Den IFC 2x3-Standard gibt es seit 2008, seither wurde das IFC-Format weiterentwickelt.

Build-Ing.: Herr Neumann, Sie arbeiten erst seit 2016 mit BIM. Können Sie schon die Vor- und Nachteile abschätzen?

Roland Neumann: Ich glaube, uns geht es allen gleich, egal ob wir als Fachplaner, Objektplaner oder Architekten an dem Objekt arbeiten. Wir machen alle ähnliche Erfahrungen und werden auch ähnliche Schlüsse daraus ziehen. Wir mussten alle neue Software anschaffen und in Vorleistung gehen.

Ich sehe einen Aspekt als wesentlichen Vorteil: Man kann mit BIM in einem sehr frühen Planungsstadium in die Tiefe gehen. Das ist aber gleichzeitig ein ernsthaftes Problem, weil sich diese Bearbeitungstiefe überhaupt nicht in Honorar und HOAI widerspiegelt. Wir sprechen in der Vorplanung über Punkte, die man sonst viel später diskutieren würde.

Das macht aber wahnsinnig viel Arbeit. Wir hatten nicht nur Kosten, wir mussten viel tiefer in die Planung gehen. Das macht erst mal keine gute Laune, wenn man auf die Wirtschaftlichkeit schaut. Wenn man auf die Sinnhaftigkeit schaut, macht es gute Laune. Am Anfang haben wir gedacht: "O Gott, BIM, was sind das für drei Buchstaben? Was ist das schon wieder für eine Idee? Jetzt kommt das nächste neue Ding, und in fünf Jahren redet niemand mehr darüber." Das glaube ich nicht mehr. Ich glaube, BIM ist die Zukunft des Planens.

Build-Ing.: Sie bleiben bei BIM?

Roland Neumann: Ja, wir machen weiter.

Build-Ing.: Trotz HOAI?

Roland Neumann: Finanziell gesehen ist die HOAI ein Problem.

Isabell Gruchot: Planungsbüros sollten bei BIM-Projekten bereits bei Projektbeginn bis Leistungsphase 5 beauftragt werden, sonst wird es finanziell problematisch.

Stephan Falke: Als öffentlicher Auftraggeber komme ich aus diesem Korsett nicht raus. Ich muss mich an die HOAI halten, ich kann keine Honorare zusätzlich verteilen. Wenn die Planer wegen BIM besondere Leistungen anmelden, greift der Wettbewerb. Der Planer, der dafür keine besonderen Leistungen anmeldet, ist bei der Auftragsvergabe im Vorteil.

Es bringt auch nichts, BIM in der HOAI nur in die Leistungsphase 2 zu schreiben. Bei der DB Station&Service AG ist BIM eine Grundleistung. Ich lese ständig von Planern und Architektenkammern, dass BIM eine besondere Leistung wäre. Das trifft sicher auf Leistungen wie die Erstellung eines As-Built-Modells zu, aber ob die Planungsleistung nun konventionell 2D oder 3D erbracht wird, spielt keine Rolle. Die HOAI ist methodenneutral.

Ich verstehe den Implementierungsaufwand der Planer und Architekten wegen BIM, aber ich kann deshalb nicht unendlich viele Nachträge durchwinken. Dann würden meine Projektkosten explodieren. Wir haben uns bei der DB Station&Service AG für die Implementierung von BIM entschieden, weil wir Kosten sparen wollen. Ich kann jetzt nicht hausintern kommunizieren, dass die Planungskosten wegen BIM explodieren.

Roland Neumann: Was man bräuchte, wäre eine Verschiebung der Vergütungssätze für die einzelnen Leistungsphasen. Denn die Kernidee ist ja tatsächlich, dass ein Projekt mit BIM nicht aufwändiger wird, sondern dass man mit BIM Projektkosten spart. Was heute ganz oft passiert, ist, dass man auf der Baustelle feststellt, dass es hinten und vorne hakt. Da verbrät man dann nach der Neufassung der HOAI 2013 während des Baus noch mal ganz viele Stunden in der Leistungsphase 5.

Hier könnte man in einer Mischung aus Optimismus und Naivität sagen, mit BIM kann man das vermeiden. Ich kann schon in der Vorplanung oder Entwurfsplanung sagen, Mensch, Elektroplaner oder HLS-Planer, da willst du deine Leitungen legen? Da haben wir doch einen Unterzug gebaut. Was machen wir jetzt? Und dann planen wir gemeinsam um. Es geht nicht darum, dass BIM mehr Planungsaufwand ist, sondern dass BIM den ganzen Prozess nach vorne verschiebt. Und das ist gut.

Build-Ing.: Frau Gruchot, wie wirkt sich BIM auf Ihre tägliche Arbeit aus?

Isabell Gruchot: Man kann mit 3D-Modellen generell viele Fragen leichter klären als in 2D. Ein Vorteil des Zeichnens in 3D besteht darin, dass wir die Änderungen sofort in Grundriss, Schnitt und Ansicht sehen. Wir haben ein anderes großes Bahnhofsprojekt, das viel komplexer ist als der Bahnhof Pinneberg. Da gab es während der Planung öfter das Problem, dass eine Änderung zwar im Grundriss angepasst, dann aber im Schnitt vergessen wurde, nachzuführen. Im 3D-Modell ist eine Änderung sofort da. Mit einem Klick besitzt z. B. eine Wand in allen Darstellungen dieselbe Breite.

Kein Problem ist für uns der Export aus Revit in 2D. Revit ist ein Hochbauprogramm. Das ist genau dafür gemacht, 2D als PDF oder DWG auszugeben. Aufwendiger ist dagegen, für eine Abgabe einen auch von der Darstellung her ansprechenden Plan zu erzeugen, der alle Informationen enthält, die wir Architekten im Kopf haben oder die im 3D-Modell enthalten sind. Das bedeutet noch viel Arbeit und Zeitaufwand.

Stephan Falke: Deshalb versuchen wir, die Abgabe von 2D auf die Endfertigung der Leistungsphase zu begrenzen. Alle, die das bei uns abnehmen, die Fachspezialisten und die technischen Qualitätsbeauftragen (TBQ), sind technisch noch nicht so weit, die Prüfung komplett am Modell vorzunehmen. Beim Eisenbahn-Bundesamt ist es genau so. Hier reden wir derzeit von 2D PDF und Papier. Wie das sinnvoll zu ändern ist, wird derzeit mit dem Eisenbahn-Bundesamt besprochen.

Build-Ing.: Wie nützlich sind die BIM-Standards für den Hochbau der DB Station&Service AG?

Isabell Gruchot: Es gibt bei der DB Station&Service AG BIM-Standards für den Hochbau, aber wenig standardisierte Bauteile, weil jedes Projekt individuell ist. Viele standardisierte Bauteile existieren aber für Verkehrsstationen (VST) und für bestimmte Bauteile und Familien, beispielsweise Sitzbänke oder Automaten.

Roland Neumann: In dem Moment, wo es eine Standardisierung gäbe, sähe der Bahnhof von Pinneberg genau so aus wie der Bahnhof von Castrop-Rauxel. Bahnhöfe sind individuelle Gebäude. Deshalb bin ich sehr kritisch gegenüber den Entwicklungen, Bahnhofsgebäude zu standardisieren. Bei kleinen Bahnhöfen, wirklich ganz kleinen Stationen, ist es bestimmt toll, aber bei großen und wichtigen Gebäuden bin ich da eher skeptisch.

Bilder: stationova GmbH


HLS-Planung

Jens Franke, IHS Ingenieure, Leipzig
ihs-ingenieure.de


Build-Ing.: Seit wann arbeiten Sie mit BIM?

Jens Franke: Seit 2016.

Build-Ing.: Wie viele Mitarbeiter hat Ihre Firma?

Jens Franke: 25, davon arbeiten drei Leute mit BIM.

Build-Ing.: Sie sind Fachplaner für Heizung, Lüftung und Sanitär. Die HLS-Branche wird allgemein zur Speerspitze der Planer gezählt, die schon sehr frühzeitig mit 3D-Planung und BIM begannen. Können Sie diesen Eindruck bestätigen?

Jens Franke: Das ist möglich, aber ich kann nicht für alle HLS-Planer sprechen. Ich kann mir vorstellen, dass das programmbezogen ist. Das Programm, das wir verwenden, haben wir seit 2007. 2016 kam nur das BIM-Modul dazu. Das Programm konnte von Anfang an 3D.

Build-Ing.: Welches Programm verwenden Sie?

Jens Franke: Plancal nova.

Build-Ing.: Welche Vorteile hat Ihnen die Planung mit BIM gebracht?

Jens Franke: Die Vorteile liegen vor allem bei der Kollisionsprüfung. Wir vermeiden sehr frühzeitig Kollisionen mit anderen Gewerken wie Elektro. Man muss dafür nicht extra Schnitte anlegen und an die anderen Planer liefern.

Build-Ing.: Dann ist das Koordinationsmodell für Sie ein Fortschritt?

Jens Franke: Ja, besonders die Koordination zwischen Elektroplanung und HLS wird durch das Koordinationsmodell stark verbessert.

Build-Ing.: Wie organisieren Sie den Datenaustausch mit anderen Planern?

Jens Franke: Die Bahn hat das IFC-Format vorgegeben, damit erfolgt auch der Datenaustausch über die Plattform Think Project.

Build-Ing.: Nutzen Sie den Bauteilkatalog der DB Station&Service AG?

Jens Franke: Es gibt programminterne Bauteilkataloge für Standardbauteile wie Heizkörper, Rohrleitungen und Lüftungskanäle. Das funktioniert ganz gut. Probleme gibt es bei herstellerspezifischen Bauteilen. Da sieht es noch schlecht aus. Die können maximal eine 3D-Datei als DWG oder DXF liefern, dann hört's schon auf. Und selbst das können nur wenige Hersteller.

Build-Ing.: Obwohl viele Hersteller mit voller Kraft an der Digitalisierung ihrer Produkte arbeiten, um sie in Bauteilkatalogen BIM-fähig zu machen?

Jens Franke: Mit voller Kraft, aber sie sind noch nicht soweit.

Build-Ing.: Hatten Sie Probleme mit dem Datenaustausch über IFC?

Jens Franke: Am Anfang gab es Probleme mit den Geschosshöhen. Ich denke, das ist entweder ein Schnittstellenproblem des IFC-Formats oder ein Fehler in unserer Software, die vielleicht auch noch nicht ausgereift ist. Ich musste die Geschosshöhen immer wieder korrigieren.

Build-Ing.: Mussten Sie mit Fachplanern zusammenarbeiten, die nur in 2D planen?

Jens Franke: Ja, zum Beispiel mit dem MSR-Planer (Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik) und dem GA-Planer (Gebäudeautomation).

Build-Ing.: Mit welchen Konsequenzen?

Jens Franke: Die bekommen von mir nicht das IFC-Modell, sondern das 2D-Modell auf Papier als PDF.

Build-Ing.: Das Sie dann wieder in Ihr 3D-Modell integrieren müssen, wenn Sie das PDF mit den Korrekturen der Planer zurückerhalten.

Jens Franke: Ich könnte das PDF einlesen, habe dann aber kein 3D-Modell. Die GA-Schränke habe ich selbst konstruiert, damit ich sie im 3D-Modell habe.

Build-Ing.: Das ist nicht im Sinne des Erfinders.

Jens Franke: Nein, das ist ein Mehraufwand. Ich übernehme als Fachplaner eine andere Planung in 2D und baue sie in 3D nach. Dafür müsste ich eigentlich einen Nachtrag stellen (lacht).

Build-Ing.: Bleibt Ihre Firma bei BIM?

Jens Franke: Ja, wenn der Auftrag das erfordert. Generell ist bei uns das Planen und Zeichnen in 3D Standard. Inwieweit wir die Arbeit in 3D ausgeben, hängt vom jeweiligen Auftrag ab.

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Lesen Sie ab 9. Januar 2019 in Teil 2 des Interviews: Aufzugsplanung, Elektroplanung, Tragwerksplanung, Bauphysik und Vermietung am BIM-Objekt Bahnhof Pinneberg

© stationova GmbH
Jovana Marinkovic, Isabell Gruchot, Roland Neumann (stationova GmbH, Objektplanung)
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